Kochbuch von Kerstin Rodgers: V is for Vegan

Kochbuch von Kerstin Rodgers: V is for Vegan ★★★☆☆

V is for vegan
Kerstin Rodgers
Fotos Jan Baldwin
Quadrille Publishing (2015)

Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

In V is for Vegan präsentiert Kerstin Rodgers, aka Ms MarmiteLover, Rezepte für beinahe jede Lebenslage, die vor keiner unbekannten Zutat oder Länderküche haltmachen. Positiv betrachtet ein Kaleidoskop an Möglichkeiten, aber doch auch ein kunterbuntes Sammelsurium, das manchmal an Struktur vermissen lässt.

Wie bunt und abwechslungsreich die vegane Küche sein kann, lernen wir bei Kerstin Rodgers aus einem ganz neuen, sehr weiten Blickwinkel. In ihrem dritten Kochbuch vereint sie eine enorme Bandbreite von Rezepten. Von simplen Scratch-Anleitungen z.B. für Rosmarin-Salz über einfache Dips, Pasten und andere Basics (Hummus, Guacamole, Gemüsebrühe, Dashi, Salzzitronen usw.) hin zu Schwiegereltern-Beeindruckern wie das Mosaic of Beetroot & Radish with Horseradish Dressing oder die Spectacular Stuffed Russian Cabbage Rose (vorausgesetzt die Schwiegereltern sind entsprechend weltoffen und an neuartigen Geschmackserlebnissen interessiert).

Eiscreme zum Frühstück

Standardvorräte werden dabei bei Rodgers genauso gehandelt wie Zutaten, von denen die meisten von uns noch nie gehört haben dürften oder die zumindest hierzulande eher schwer aufzutreiben sind (bspw. Bengali lime, brasilianisches tempero salt, day lilies, mustard greens, yuzu paste oder calçots).

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Die Rezepte sind nach einer kurzen Einführung zu Ideologie und Varianten des Vegetarier- und Veganertums in die Kapitel Snacks, Breakfast, Lunch, Dinner und Dessert einsortiert. Ein Index fehlt natürlich nicht. Beim Heraussuchen von Rezepten für meine Rezension fallen mir die ersten (kulturellen) Unterschiede auf.

Eiscreme zum Frühstück (im Cashew Nut, Banana & Apricot Smoothie) oder Light-as-Air Crumpets (das angegebene Rezept reicht für 16 Stück!), Dried Pineapple Flowers oder Fruit Leathers als Snack, Lunch-Rezepte, deren Zubereitung locker 1 Stunde Zeit oder sogar länger in Anspruch nehmen dürften (Angaben dazu gibt es bei den Rezepten nicht). Das ist alles nicht so meins. Ich koche die Lunch-Suppe als leichtes Abendessen und finde überhaupt, dass sich die meisten Rezepte prima für Unter-der-Woche-Dinner eignen, wenn es mal ein bisschen länger dauern darf.

Begabte Schreiberin

Die Autorin selbst ist der lebende Beweis, dass man nicht vom Knochen fallen muss, wenn man auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet. Ich meine das gar nicht abwertend. Ich finde, man sieht, dass sie ihr „Ding“ gefunden hat. Als Begründerin der Londoner Supper-Club-Szene und seit über 35 Jahren überzeugte Vegetarierin, hat sie sich eine Menge Know-how erkocht und Rezepte erkundet. So wundert es mich eigentlich auch gar nicht, dass die nachgekochten Rezepte allesamt wirklich lecker waren.

Kerstin Rodgers ist darüber hinaus eine begabte Schreiberin (ihr Food Blog MsMarmiteLover wurde 2013 von der renommierten britischen Guild of Food Writers als bester Food Blog des Jahres ausgezeichnet, und das blieb nicht der letzter Preis, den sie einheimsen konnte). So hat es mich auch nicht weiter gestört, dass längst nicht zu jedem Rezept ein Foto vorhanden ist.

Viele Anleitungen kommen ganz ohne Bebilderung aus, wie z.B. eine Kokosnuss geöffnet, Nussbutter und –milch zubereitet, Obst und Gemüse eingelegt oder fermentiert wird. Leider auch ganz ohne Bebilderung erläutert Frau Rodgers bspw. neun verschiedene Algenarten oder siebzehn essbare Blüten und wofür sie verwendet werden können – das ist dann schon eher unpraktisch.

Struktur …

Das sehr poppige, in grellen Farben gewählte Magazin-artige Design des Buches soll wohl ein bisschen die fehlenden Fotos wettmachen, gefiel mir aber nach einiger Zeit nicht mehr so gut. Vor allem störte mich jedoch zunehmend, dass es einfach zu wenig vernünftige Struktur in dem Buch gibt. Obwohl es nur etwa 120 Rezepte sein sollen, die in dem Buch versammelt sind, ist der Eindruck auch nach mehreren Wochen immer noch verwirrend und unübersichtlich. Hier erschlägt das Design den Inhalt.

Ein sehr anständiges veganes Kochbuch mit einer Rezeptauswahl, die kaum eine Länderküche oder -region auslässt und mit vielen Grundanleitungen. Ein Buch für Entdecker und jene, die sich nicht von Rezepten ohne Fotos und teilweise sehr textlastigen Erklärungen abschrecken lassen. Das schrille Layout dürfte eher einer jüngeren Zielgruppe gefallen.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2017

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