Kochbuch von Katy Sparks: Sparks in the Kitchen

Kochbuch von Katy Sparks: Sparks in the Kitchen ★★★★☆

Sparks in the kitchen
Von Katy Sparks, Alfred A. Knopf (2005)

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sparks in the Kitchen entdeckte ich anlässlich eines Interviews zwischen der legendären US-Kochbuch-Lektorin Judith Jones und dem Koch-Dozent-Autor-Blogger Michael Ruhlmann. Ms Jones beschrieb darin die Vermarktungs-Hindernisse für Kochbücher, die nicht aus der Feder eines Celebrity stammen. Der Erfolg wäre nicht absehbar, auch wenn die Publikation rundum gelungen sei. Als Beispiel nannte sie das Kochbuch von Katy Sparks. Natürlich habe ich es mir gleich bestellt und wollte wissen, wer die begabte Non-Celebrity-Autorin ist und ob das Kochbuch so gut ist.

Die US-Amerikanerin Katy Sparks hat eine herzliche Verbindung zu Deutschland. Sie verbrachte als Kind einige Jahre in Mainz, da ihr Vater als Deutsch-Dozent einen Lehrauftrag an der Uni erhalten hatte. Ms Sparks schwärmt in ihrem Kochbuch von der elterlichen Wohnung mit dem Blick auf den schönen Dom. Ihr Mutter liebte das Lebensmittel-Angebot, das die Stadt mit ihrem Wochenmarkt bot. Sie erzählt in der Einleitung von idyllischen Kindergarten-Ausflügen mit einem einem VW-Bus und der Autobahn: „these people drive sooo fast“. In den USA begann sie nach ihrem Highschool-Abschluss Deutsch zu studieren. Nach einem Jahr brach sie ab zugunsten einer Ausbildung zur Köchin. Im Anschluss an ihre „Lehrjahre“ eröffnete sie in New York ein erfolgreiches Restaurant, das kurz nach dem 11. September 2001 schließen musste. Das Kochbuch-Projekt begann sie 2004 gemeinsam mit der prominenten Bloggerin Andrea Strong, das zwei Jahre später im Alfred A. Knopf Verlag erschienen ist. Katy Sparks schreibt selbst über ihren Koch-Stil: „Bobby (ein Mentor – Anm. der Red.) had always told me that you couldnt‘t have a successful restaurant in New York without having a strong identity to the food, like Southwestern or French or Italian. He strongly believed that the dining public wanted to be informed what the expierence would be … From the beginning I have struggeld to define it – it has too many influences and convergent styles – so I‘ve settled on „Seasonal American“.

Die beiden Autorinnen haben in der Tat ein rundum gelungenes Kochbuch verfasst. Es konzentriert sich nicht nur auf die Rezepte, sondern enthält eine Reihe von konzeptionellen Details mit der Folge, dass das Buch in jeder Hinsicht lesenswert ist: Für den Rezeptsuchenden, dem reinen Kochbuch-als-Roman-Leser und dem Lernwilligen.
Die Kapitel sind klassisch nach Speisearten gegliedert.

Es beginnt mit Small Plates, Snacks and Cocktails und endet mit Desserts. Jedes Rezept ist mit einer persönlichen Einleitung versehen sowie relevanten Details. Die Zutatenanzahl ist umfangreicher (vereinzelt ist der Bezug in Deutschland aufwendig, z. B. frische Jalapenos.) Die Kochbeschreibung sind knapp und genau. Klasse sind die zusätzlichen Rubriken. Die Autorinnen bedenken, dass viele Leser gerne ihre Freiheiten zum Improvisieren haben: So ist bei fast jedem Rezept die Rubrik Weighing your options zu finden. Katy Sparks gibt Hinweise, welche Zutaten und Kombinationen ebenso möglich sind. Chef’s Trick gibt wertvolles Know-How weiter. Als Home-Cook fühle ich mich sehr verstanden, denn Vorbereitung, Improvisieren und Aufbewahrung sind wichtig für mich.

Allerdings: Es sind kaum Fotos von Rezepten zu finden. Hier ist also Fantasie erforderlich. Meine einzige Kritik: Das Cover-Foto! Ich finde es unpassend. Der Gesichtsausdruck, die Frisur, das Arrangement – es wirkt nach der Lektüre für mich unpassend und wenig inspirierend.

Jetzt aber zum Wesentlichen: Katy Sparks Rezepte haben tatsächlich eine „eigene Handschrift“. Sie ergänzt gerne schlichte Gerichte durch eine smarte Komponente, häufig einer “erfrischenden” Zutat (u. a. Obst). Ich habe einige Rezept-Einmaligkeiten gefunden. Offensichtlich ist, dass Katy Sparks eine Schwäche für kleine Gerichte hat, „I come from a family of snackers“. Das Kapitel „Small Plates, Snacks and Cocktails“ ist besonders einfallsreich. Außerdem habe ich einige überraschend ausgezeichnete deutsche Klassiker gefunden. Ms Judith Jones hat in ihrem Interview nicht zu viel versprochen: Obgleich hier viel Raffinesse geboten wird, lässt die Autorin ihre Leser zuhause nie aus den Augen. Ihr ist es gelungen, dass die Rezepte auf die Zeit-Aufwand-Kosten-Bedürfnisse der Home Cooks angepasst sind.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2008

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