Kochbuch von Katie Quinn Davies: What Katie Ate

Kochbuch von Katie Quinn Davies: What Katie Ate ★★★★★

What Katie ate
Katie Quinn Davies, Umschau Verlag
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Patricia Drewes

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ich liebe das Internet. Und ich koche und backe für mein Leben gern. Trotzdem hielt ich lange Zeit nicht für möglich, dass mir das eine beim anderen behilflich sein könne. In den Anfangszeiten meiner Kochleidenschaft habe ich das ein oder andere Mal Rezepte aus Koch-Communities nachgekocht, die in die Hose gingen. Aber richtig.

Der Osterlamm-Kuchen, der in der Form haftete wie Estrich, war nur ein Beispiel, und über die staubtrockene Focaccia, die mit einem (!) Esslöffel Olivenöl beträufelt werden sollte, lache ich heute noch. Darum habe ich lange nur nach Kochbuch gekocht. Meine ablehnende Haltung zum „Kochen im Internet“ änderte sich erst mit dem Aufkommen von Foodblogs und dem Einzug des Tablets in die Küche. Endlich Layouts und Fotos, die meinen ästhetischen Anforderungen standhielten.

Wenn es um ästhetisch fotografiertes Essen geht, das darüber hinaus in überschaubarer Zeit gelingt und schmeckt, hat das Blog von Katie Quinn Davies einen Ehrenplatz in meiner Blogroll. Darum rief ich erfreut „hier“, als es darum ging, Quinn Davies‘ Kochbuch „What Katie Ate“ zu testen. In Dublin aufgewachsen (den irischen Einschlag kann man an den Rezepten an so einigen Stellen ablesen), arbeitete Quinn Davies lange Zeit als Grafikdesignerin, bevor sie 2009 die Weichen in ihrem Leben neu stellte, sich in das Thema Foodfotografie vertiefte und zu bloggen begann.

quinn-katie-herselfQuinns Leidenschaften

Quinn Davies‘ Kochbuch sieht man zwei große Leidenschaften an: gutes Essen und authentisches Design, oder, wie mein Sohn es formulierte: „Ich beiß gleich in die Seiten!“ Wie das Blog, so bietet auch das Buch eine Vielzahl an Rezepten für die drei Hauptmahlzeiten, daneben aber auch Ideen für Canapés und Drinks, Beilagen und Saucen sowie Desserts, die auch der Prüfung von Omas Kaffeetafelrunde standhalten würden. Ich habe zwar nicht durchschaut, warum manche Gerichte dem Mittag- und andere dem Abendessen zugeordnet wurden, aber, um ehrlich zu sein, habe ich weder Inhaltsverzeichnis noch das sehr ausführliche Register ausgiebig genutzt, sondern mich – ganz in Sommerferienlaune – fast ausschließlich von den Fotos leiten lassen. Dabei wurde ich nie enttäuscht, denn Imagination und Kreation passten perfekt zueinander, will sagen: das Essen schmeckte so wie (und oft noch besser als) vorab in der Phantasie ausgemalt.

Anders als in vielen anderen Kochbüchern, die ich in der letzten Zeit in der Hand hielt, findet man in „What Katie Ate“ wenig, dafür interessante Varianten altgedienter Rezepte (Retro-Rindfleischcurry) und stattdessen sehr viele kreative Neuschöpfungen (beispielsweise Chorizo-Kartoffel-Salat mit Rucola und Manchego), die aber nicht so aufwändig sind, dass man dafür permanent den Feinkostladen aufsuchen oder aber den halben Tag in der Küche verbringen müsste. Diese äußerst gelungene Mischung aus Kreativität und Praktikabilität habe ich angesichts der sommerlichen Temperaturen sehr geschätzt.

Stichwort Praktikabilität

Ich bin eine Freundin kurzer und bündiger Kochanleitungen mit klar definierten Handlungsschritten, und während ich koche, möchte ich im Rezeptteil nicht die Anekdote vom Koch, dessen Zwiebeln zu reden begannen, lesen. Genau diese Schnörkellosigkeit zeichnet Quinn Davies‘ Schreibstil aus, und das aufgeräumte, mit genügend Weißraum ausgestattete Layout mit Einleitungstext, typografisch verspielt gestalteter Überschrift und Rezeptteil sorgt für viel Eindeutigkeit und Klarheit. Wer aber Rezepte mit epischem Einschlag oder ausführlich bebilderten Zwischenschritten bevorzugt, wird enttäuscht – sprich: manche Dinge muss man sich denken oder aus den Bildern ableiten, etwa, dass Kartoffeln, wenn nach dem Kochen nicht vom Schälen die Rede ist, mit Schale weiterverarbeitet werden sollten.

Zurück zum Kochen: Ein kleiner Wermutstropfen des Buches liegt in seiner Fleischlastigkeit. Als undogmatische Nahezu-Vegetarierin habe ich manch üppigen Braten überblättert, und angesichts der hochsommerlichen Temperaturen mochte ich auch das „Acht-Stunden-Lamm“ (1,5 Kilo Lammkeule acht Stunden im Backofen rösten) keinem Praxistest unterziehen. Doch auch als inkonsequent vegetarisch lebender Mensch findet man bei 35 Grad im Schatten genügend Rezepte, für die sich der Weg in die Küche mit Katies Kochbuch unter dem Arm lohnt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2013

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