Herzlich willkommen!

Valentinas ist das Online-Magazin über Kochbücher und ihre besten Rezepte.

Entdecke über 4.700 Beiträge: kuratiert, getestet & empfohlen.

Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Katharina Seiser: Immer wieder vegan ★★★★★

Immer wieder vegan – Das Beste der traditionellen pflanzlichen Küche aus aller Welt, Katharina Seiser, Fotos: Vanessa Maas, Christian Brandstätter Verlag (2020)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Dietmar Adam

Von

Nach dem großen Erfolg von „Immer schon vegan“ hat sich Katharina Seiser wieder auf die Suche nach traditionellen pflanzlichen Rezepten gemacht und ist dabei weltweit fündig geworden.

Schon bei der Gestaltung des Covers wird die enge Verwandtschaft zum Vorgängerbuch deutlich, das die vegane Kochbuchszene ungemein beflügelt, aber auch Grenzen abgesteckt hat. Mit ihrer klaren Haltung gegen Ersatzprodukte und vermeintliche Superfoods hat Katharina Seiser (Foto unten) gezeigt, dass es in der traditionellen Küche mehr als genügend Produkte und Speisen gibt, um sich vegan zu ernähren. Oder um zumindest weniger, dafür aber qualitativ hochwertigere tierische Produkte zu essen, ein Weg, für den ich mich und auch die Autorin entschieden haben.

Autorin Katharina Seiser
Autorin Katharina Seiser in ihrer Wiener Küche (Ⓒ Vanessa Maas)

In diesem Sinn muss allerdings noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, wenn ich sehe, dass in vielen hiesigen Restaurants nach wie vor Kässpatzen und lieblose Salate die einzigen vegetarischen Gerichte sind, von vegan mal ganz zu schweigen. Und auch beim Einkaufen stehen billige tierische oder stark verarbeitete Produkte leider immer noch im Vordergrund.

Mehr Perfektion geht kaum

Bei dieser abwartenden Haltung vieler hilft es womöglich, den Blick schweifen zu lassen über den heimischen Tellerrand hinaus in die weite Welt veganer Speisen. Schon beim ersten Durchblättern staunte ich, was da alles zusammenkommt. Es wird ja oft kritisiert, bei veganen Speisen fehle etwas, nicht nur ernährungstechnisch. Wer die Rezepte hier sieht, wird das wohl kaum bemängeln.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website der Autorin

Mehr vegane Kochbücher bei Valentinas

Noch vor den Rezepten kommt eine komprimierte Warenkunde, vom frischen Gemüse bis hin zu Gewürzen, wo die Autorin als Tochter einer Drogistin natürlich prädestiniert ist, Tipps zu geben. Schon hier, ganz am Anfang des Buches, fällt auf, wie kompetent Katharina Seiser Ratschläge erteilt. Noch mehr fällt das bei den einzelnen Rezepten auf, wo neben stets konkreten Anleitungen noch jede Menge zusätzliche Informationen, praktische Anregungen und Hinweise auf mögliche Abwandlungen gegeben werden. Ich habe selten ein Kochbuch gesehen mit derartig vielen Details, die mit einem Platz in Klammern vorliebnehmen mussten. Dann gibt es noch Symbole für Rezepte, die auch mit wenig Übung gelingen, für Speisen, die in kurzer Zeit zu realisieren sind, und für Dinge, die im Glossar erläutert werden. Mehr Perfektion geht kaum. Wenn ich all das bedenke, erhalte ich wesentlich mehr als die realiter 70 Rezepte.

Rezepte für alle fünf kulinarischen Jahreszeiten

Ebenso durchdacht ist die Aufteilung in die fünf kulinarischen Jahreszeiten: den allseits bekannten vier plus „Jederzeit“. Dann folgt noch eine zusätzliche Unterteilung in Frühstück, Kalt, Warm und Süß. Amüsanterweise zwängt sich im Frühjahr noch eine Rubrik Lauwarm hinein.

Das Studium der Rezepte verursachte dann bei mir den starken Wunsch, viel, nein sehr viel davon nachzukochen. Einige Highlights finden sich in meiner Nachkochliste. Ganz besonders angetan war ich von den chinesischen Sesambrötchen Shaobing, die beweisen, dass Plunderteig auch ohne Butter funktioniert. Herkunftsmäßig nicht weit entfernt sind die koreanischen Gimbap, die zwar an Sushi erinnern, aber doch etwas ganz Eigenes und Verführerisches haben. Ihren polnisch-jüdischen Hintergrund können hingegen die rustikalen mit Zwiebeln und Mohn gefüllten Krapfen nicht verbergen, und ebenso ursprünglich kommt der toskanische Kastanienkuchen daher. Der braucht zwar einiges an Zeit, vor allem Ruhezeit, kann aber auch von ungeübten Händen bewältigt werden.

Katharina Seiser über die vegane Küche:

„Immer wieder mal rein pflanzlich zu essen ist für die meisten von uns Neuland, wie eine exotische Küche. Das Ausprobieren macht Spaß, erweitert den Horizont, schmeckt – und ist nebenbei gut für Klima, Umwelt, Tier und Mensch.“

Selbst kalter Beerengrieß hat seine Reize

Selbst Rezepte, die beim ersten Betrachten wenig begeistern, haben mich später mitunter positiv überrascht. So verbirgt sich hinter dem eher abtörnenden Begriff „Kalter Beerengrieß“ nicht etwa ans Krankenhaus erinnernde Schonkost, sondern eine skandinavische Süßspeise von erstaunlich cremiger Konsistenz. Dieses Rezept bietet sich auch an, um auf die optische Gestaltung zu sprechen zu kommen. Ich hätte akzeptiert, wenn es zu diesem Rezept wie auch zu manch anderen kein Foto gegeben hätte. Beerengrieß ist nun mal weder sexy noch elegant. Und so habe ich mich über das Foto gefreut, weil es schlicht und ehrlich ist. Weil es dem entspricht, was auch ich als Nichtprofi später auf den Tisch bringe.

Wer sich ernsthaft für tierfreie Ernährung interessiert, kann sich auch auf Katharina Seisers zweites veganes Kochbuch voll und ganz verlassen. Sie versteht es hervorragend, ihr großes Sachwissen so in praktische Tipps umzusetzen, dass beim Nachkochen eigentlich keine Frage mehr offenbleiben dürfte. Und die Rezepte sind derart vielseitig und anregend, dass wohl selbst eingefleischte Karnivoren kaum auf die Idee kommen sollten, dass hier etwas fehlt.

Veröffentlicht im September 2021

1 Kommentare

  1. Thea

    Schon aus dem ersten Vegan-Band habe ich sehr viel nachgekocht. Die gebratenen Knoblauchpilze finde ich köstlich.
    Ansonsten: Volle Rezension-Zustimmung.

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z 0-9