Kochbuch von Katharina Seiser: Immer schon vegan

Kochbuch von Katharina Seiser: Immer schon vegan ★★★★★

Immer schon vegan – Traditionelle
Rezepte aus aller Welt
Katharina Seiser
Fotos: Vanessa Maas
Autorenfoto: Julia Stix
Christian Brandstätter Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Laura Skandy

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Als tierfreundliche Omnivorin versuche ich, meinen Konsum von Tierprodukten im Rahmen zu halten. Daher freue ich mich über vegane Rezepte, die nichts vermissen lassen. Katharina Seiser präsentiert in „Immer schon vegan“ Gerichte, die quasi „aus Versehen“ vegan sind, die schon vor Tierwohl- und Klimadebatte ohne Fleisch, Ei und Milch auskamen. Mich überzeugt Seiser mit ihrer Sammlung restlos!

Katharina Seiser ist eine der prägenden kulinarischen Stimmen im deutschsprachigen Raum. Als Journalistin, Bloggerin und Kochbuchautorin steht sie für eine puristische, lokale Küche mit Gemüsefokus. Ihr letztes Großprojekt war eine Kochbuchsammlung, die vegetarische Gerichte verschiedener Länderküchen präsentierte. Dieses Konzept überträgt sie in „Immer schon vegan“ auf die vegane Küche.

Das Buch kommt in quietschgelb und mit Gemüsemuster daher. Es hat gerade seine 8. Auflage eingeläutet und ein moderner Klassiker. Typografie, Design und Fotos sind im typischen Seiser-Stil schlicht gehalten. Die ca. 70 Zutaten sind nach Jahreszeiten unterteilt.

In einem Vorwort erläutert Katharina Seiser (Foto links) ihre Motivation für das Buch: Für eine Frauenzeitschrift habe sie den veganen Lebensstil getestet, dabei aber festgestellt, dass fast alle einschlägigen Kochbücher zahlreiche Ersatzprodukte verwendeten – für sie „keine echten Lebensmittel“, da „hoch verarbeitete Produkte aus industrieller Fertigung“. Noch schlimmer: eine „Beleidigung [ihres] Geschmackssinns“. Dies motivierte sie, nach solchen Rezepten Ausschau zu halten, die eben „immer schon vegan“ waren. Perfekt, Seiser und ich wollen schon mal das Gleiche – und nehmen beide kein Blatt vor den Mund, wenn es um schlechtes Essen geht.

Übersichtliche Auswahl, klare Struktur

Auf der Suche nach meinen Testrezepten beginne ich bei den saisonalen Gerichten, blättere aber dann doch das gesamte Buch durch – mit 70 Rezepten ist die Sammlung recht übersichtlich. Ich finde einiges, das mich interessiert, wenn auch nichts, das mir sofort ins Auge springt. Vermisse ich etwa jetzt schon Tierprodukte? Ich vermute eher, die sachlichen Rezepttitel („Spargel mit Kerbelvinaigrette“, „Lauch-Karotten-Ragout mit Dill“) und Seisers – ebenfalls sachlicher – Schreibstil sind die Ursache.

Ich teste dennoch recht bald los und gerate dann ziemlich schnell in einen regelrechten Sog. Die „Nudeln mit Linsen und karamellisierten Zwiebeln“ begeistern mich sofort – sehr wenige Zutaten, perfekt zusammengebracht. Ebenso beim „Kartoffel-Erbsen-Curry“ – ein schnelles Feierabendgericht, schlicht und gut. Dem Erdnusseintopf mit Süßkartoffeln sah ich mit etwas Skepsis entgegen – völlig unbegründet, die Aromen sind wunderbar ausgewogen, Süße und Salzigkeit ergänzen sich perfekt. Bis auf eine Ausnahme – die trockenen Orangen-Olivenöl-Kekse – sind alle von mir getesteten Rezepte echte Entdeckungen und frei von jedem Gefühl des Mangels.

Kulinarisches Scharfschützentum

Katharina Seiser spielt in „Immer schon vegan“ ihre große Stärke aus, Rezepte auf den Punkt zu komponieren. Das erkennt man an der Beschreibung der Zutaten („mild-fruchtiges Olivenöl“, „mildes, rohes, möglichst unpasteurisiertes Sauerkraut“, „französischer Estragon“) ebenso wie an den ausführlichen, präzisen Anweisungen zur Zubereitung. Der Gestus des Buches: Ich sage dir ganz genau, was du tun musst, lass dich fallen (und wage es ja nicht, zu improvisieren)! Es erfordert schon einiges an kulinarischer Souveränität, bei so genauen Instruktionen vom Rezept abzuweichen. Ich merke aber, dass mich auch weniger als sonst die Lust dazu überkommt – warum ein Risiko eingehen, wenn die Originalrezeptur so durchdacht ist?

Zum Weiterlesen

Website von Katharina Seiser

Mehr von Katharina Seiser bei Valentinas

Ich persönlich kann mit etwas kulinarischer Strenge gut leben und kaufe auch gern gezielt für Rezepte ein. Wer sich von einem Kochbuch eher maximale Flexibilität erhofft und selber denken will, wird hier enttäuscht werden. Gerade für Kochanfänger*innen oder Neulinge in der veganen Küche könnten die sehr genauen Anweisungen aber eine gute Hilfe sein, um grundlegende Techniken zu erlernen.

Alles in allem ein tolles Buch für jeden, der seine Kenntnisse der Gemüseküche erweitern möchte. Insbesondere geeignet, wenn man als Allesesser regelmäßig vegane Gäste empfängt – mit diesen Rezepten geht man kein Risiko ein. Verdiente fünf Sterne und ein weiterer Triumph für Frau Seiser!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2020

10 Kommentare

  1. Ilka

    und wo gibt’s das Rezept für die tollen Linsen mit karamellisierten Zwiebeln ( außer im Buch)?
    ..und die Fischduft Auberginen hören sich toll an. Sind sie wirklich scharf? LG Ilka

    • Katharina

      Liebe Ilka, die Fischduft-Auberginen sind so lecker, kaum scharf, unbedingt probieren. Die karamellisierten Zwiebeln – bei uns gibt das Rezept nicht. Im Buch oder vielleicht an anderer Stelle im Web?

  2. Thea

    Empfehle ich seit dem ersten Erscheinungstag immer wieder und immer gerne in alle Himmelsrichtungen. Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es bereits die 5. Auflage dieses – für mich – veganen Klassikers.
    Mein absoluter Favorit und schon x-mal zubereitet: Nudeln mit Linsen und karamellisierten Zwiebeln – Göttlich. Die Knoblauchpilze finde ich auch herrlich. Klebreis mit Mango wartet immer noch auf endliches Zubereiten und Genießen.

  3. Katharina

    So ist es! Die fehlende Rezension auf Valentinas dazu fühlte sich wie eine Lücke an. 🙂

    • Angelika

      In der Zwischenzeit hab ich das Buch quasi durchgekocht. 3 Rezepte fehlen noch 🙂

      • Katharina

        Wow!!! Das finde ich interessant: Welches sind deine Highlights und welche drei fehlen noch?

        • Angelika

          Es fehlen 3 Desserts: Klebreis mit Mango, Bratäpfel und Gewürzbirnen.
          gewisse Rezepte sind in den fast wöchentlichen Koch-Alltag eingezogen wie: Linsen-Nudeln, Gazpacho, Riesenbohnen in Tomatensauce oder das Lauch-Karotten-Ragout
          größte Überraschungen / Highlights: Scharf-Saure Tomatensuppe, gegrillter Paprika mit Salzzitrone, Miso-Auberginen, Traubenkuchen mit Rosmarin, Kartoffel-Kibbeh, Knoblauch Pilze (auch für Pilz-Skeptiker wie mich geeignet), Kokospudding mit Banane
          selbst sehr alltägliche österreichische Rezepte bieten gute Tricks für ein hervorragendes Ergebnis: Kohlfleckerl und Käferbohnensalat
          Kein Rezept war für mich schlechter als „gut“. (Der Safran-Reispudding ist durch die Rosenwasserzugabe eher ein acquired taste…) Und die Orangen-Olivenöl-Kekse sind mit fortschreitender Lagerzeit auch immer besser geworden 🙂

          • Katharina

            Top! Danke fürs Teilen.

          • katharina

            liebe angelika, hier katharina seiser (es wird ja glaube ich nur der vorname bei den postings angezeigt, die anderen katharina-kommentare dürften von katharina höhnk, der gründerin und herausgeberin von valentinas-kochbuch.de, sein), ich kann ihnen/dir gar nicht sagen, WIE sehr mich das freut! mein ganzes buch (bis auf die 3, für den klebreis mit mango wäre jetzt eine gute zeit, es gibt grad super nam dok mai! und die bratäpfel und gewürzbirnen kommen bestimmt auch bald …) durchgekocht und -gebacken, das ist die größtmögliche wertschätzung und das höchstvorstellbare lob. wie oft macht das wirklich jemand? ich glaube: ganz, ganz, ganz selten. und dann noch mit dem „urteil“, dass nix durchgefallen ist. ich hab‘ so eine freude! darf ich das denn zitieren? (oder wollen wir sonst per mail dazu konferieren? info@esskultur.at oder social media, wissen sie/weißt du eh bestimmt.) DANKE!

  4. Angelika

    Rechtzeitig bevor der Nachfolger „Immer wieder vegan“ im November erscheint 🙂

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