Kochbuch von Katharina Seiser, Ekkehard Lughofer & Gerhard Zoubek: 30 Minuten Gemüseküche

Kochbuch von Katharina Seiser, Ekkehard Lughofer & Gerhard Zoubek: 30 Minuten Gemüseküche ★★★★☆

30 Minuten Gemüseküche – vegetarisch,
saisonal, bio
Katharina Seiser, Ekkehard Lughofer
& Gerhard Zoubek (Hg.)
Reportagefotos Thomas Apolt
Brandstätter Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wer abends noch schnell, aber lecker was Gesundes auf den Tisch zaubern möchte, findet in der „30 Minuten Gemüseküche“ schöne Ideen. Jede Jahreszeit hat ihre Gemüse-Stars und viele von ihnen haben einen Soloauftritt sehr wohl verdient.

Beim Durchblättern der wöchentlichen Werbeprospekte der gängigen Supermarktketten bin ich regelmäßig schockiert. Obst und Gemüse dürfen sich da im Normalfall gerade einmal eine Seite des Prospekts teilen – zumeist noch mit schnell vergänglichen Billigblumen. Fleisch- und Wurstwaren bekommen eine Doppelseite spendiert, der Rest – wir reden hier durchaus von bis zu dreißig Seiten – ist aufgefüllt mit Convenienceprodukten, Putzmitteln, Kleidung und Saisonartikeln wie Grillkohle, Fliegengittern oder Weihnachtsschokolade.

Glaubt man den Supermärkten, möchte sich der normale Verbraucher weder gesund noch gut ernähren, entsprechende Lebensmittel werden zumindest gar nicht erst offeriert.

Biogemüse und -obst werden seltenst beworben, und die vermeintlichen „Köstlichkeiten“ aus der Tiefkühltruhe sind doch sowieso gesünder – und einfacher in der Zubereitung. Ja, es gibt wirklich noch Aufklärungs- und Handlungsbedarf. Man kann das schnell vergessen, wenn man nur noch in Bioläden und auf anständigen Märkten bei sozial und biologisch verträglich wirtschaftenden Erzeugern einkauft (die nicht immer zwingend biozertifiziert sein müssen).

Gemüse – die verkannten Alleskönner

In der „30 Minuten Gemüseküche“ sind 83 Rezepte versammelt, die schnell auf dem Tisch sind. Aber es wäre kein Buch von Katharina Seiser (Foto links), wenn es nicht auch um gute Lebensmittel ginge. Gut meint vor allem: saisonal und bio.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Plädoyer für die biologische Landwirtschaft, das dem eigentlichen Rezeptteil vorgeschaltet ist. Am Beispiel des Adamah Biohofs, der sich östlich von Wien befindet, wird straff zusammengefasst erläutert, worum es in der Biolandwirtschaft geht, und wie bequem es mittlerweile auch für den gestressten Großstädter ist, an gute Biolebensmittel zu kommen. Eine Auswahl von Adressen, über welche Anbieter in Österreich und Deutschland Biokisten abonniert werden können, schließt das nicht sehr umfangreiche Kapitel ab.

Neues lernt man hier nicht, denke ich mir. Aber das Kapitel schadet auch nicht. Wir hatten das ja gerade – es hält sich eben doch noch bei vielen hartnäckig das Vorurteil, dass „Bio“ zu teuer sei (weil man die Umwelt oder faire Löhne zum Beispiel gerne nicht einrechnet). Oder dass eine schnelle Feierabendküche mit Gemüse nicht möglich sei. Klar, flott ein Schnitzel in die Pfanne werfen und Kartoffelsalat aus dem Plastikeimer essen geht schneller. Aber will man das?

Überraschendes Déjà-vu

Für Gemüseneulinge gibt es auf den folgenden Seiten eine kleine „Gemüsekunde von A bis Z“ sowie Tipps zur Lagerung. Welche Gemüsesorten sollten unbedingt im Kühlschrank aufbewahrt werden, welche sind hingegen kälteempfindlich usw.

Ich beginne damit, die Rezepte zu studieren – und bin schnell überrascht. Da kommen mir doch so manche Rezepte und Fotos sehr bekannt vor, was ist denn das? Erst jetzt bemerke ich, dass die für das Buch ausgewählten Rezepte der berühmten „Vegetarisch-Reihe“ entstammen, von denen wir alle bislang erschienenen Bücher bei Valentinas besprochen haben – allesamt mit herausragenden Ergebnissen.

Somit dürfte es mir wie vielen Lesern und Leserinnen gehen: Die „30 Minuten Gemüseküche“ ist ein entbehrliches Buch, wenn man bereits im Besitz von mehr als einem Buch aus der „Vegetarisch-Reihe“ ist. Aus „Deutschland“ und „Österreich“ wurden insgesamt 38 Rezepte übernommen, aus „Türkei“ und „Italien“ 31 Rezepte und aus „USA“ 14 Rezepte. Andererseits ist aber so auch gleich klar: Die Rezepte werden verlässlich gut sein.

Solide Alltagsbegleiter

Das Kochen verläuft dann auch wie erwartet: Die Rezepte sind schlicht und ohne viel Schnickschnack – und sie funktionieren. Mir gefällt, dass bei jedem Rezept erwähnt wird, aus welchem Länder-Buch der „Vegetarisch-Reihe“ es entnommen wurde und dass auch die Jahreszeit, in der die betreffende Hauptzutat saisonal und somit regional erhältlich ist, erwähnt wird.

Die Rezepte sind allesamt vegetarisch oder vegan, das Gemüse steht stets im Fokus. Sie zeigen, das man eben auch ohne Tofu & Co. satt machende Gerichte zaubern kann. Lediglich beim gebackenen Blumenkohl, den ich anleitungsgemäß in „kleine Röschen“ geteilt habe, habe ich die Backzeit dann doch verlängert, da er uns noch zu bissfest war. Aber das ist sicher Geschmackssache. So wie auch die Knoblauchmenge an dem Rezept nicht jedermanns Nerv getroffen hat. Die versprochenen 30 Minuten haben jedenfalls ansonsten immer gut gepasst.

Ein gewisser Wow-Effekt wollte sich leider aber nicht so richtig einstellen. Vielleicht weil ich viele der Rezepte schon kannte? Oder weil aus dem Zusammenhang gerissen dann doch etwas fehlt? Es ist ja gerade das Großartige an der „Vegetarisch-Reihe“, dass man ein bestimmtes Land, z. B. die USA, aus dem vegetarischen Blickwinkel betrachtet ganz neu entdeckt.

Oder vielleicht liegt es doch an der Auswahl der Rezepte? 26 Rezepte für Salate (fast ein Drittel), die oft erst mit einer zusätzlichen Scheibe Butter- oder Käsebrot ein Abendessen ergeben, sind mir persönlich zu viel. Bei den „richtigen“ Hauptgerichten finden sich unter den Rezepten neben Schnellkochstandards wie Omeletts und Frittata aber auch einige aufwendigere Gerichte wie gebratener Chicorée in Petersilienwurzelsauce oder geschmorter Lauch im Gemüsesaft mit Perlweizen – deren Zubereitung auch im Zeitrahmen bleibt.

Das Buch liefert viele gute Rezepte für eine schnelle, gesunde und abwechslungsreiche Gemüseküche im Alltag, die fokussiert ist auf die Verwendung guter, biologischer Produkte aus der Region. Gut für die Umwelt – und nebenbei ein sowieso besserer Geschmack. Für Fans der „Vegetarisch-Reihe“ allerdings kein Must-have, da die Rezepte der „30 Minuten Gemüseküche“ in den bereits erschienenen Bänden veröffentlicht wurden. Persönlich würde ich sowieso jedem interessierten Leser anraten, sich die Bände der „Vegetarisch-Reihe“ anzuschaffen – die muss man wirklich haben.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2017

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