Kochbuch von Katharina Küllmer: Social Plates

Kochbuch von Katharina Küllmer: Social Plates ★★☆☆☆

Social Plates – Die entspannte Art gemeinsam zu genießen
Katharina Küllmer
Neuer Umschau Buchverlag (2018)
Mehr über den Verlag

Patricia Rahemipour

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

Die Idee des Kochbuchs Social Plates trifft nicht nur ins Herz des Zeitgeistes, sondern hat Potenzial. Deswegen greife ich zu. Ich erwarte viele köstliche Kleinigkeiten, die das Zusammensein mit Freunden und Familie kulinarisch, sozial und kommunikativ bereichern. Aber dann ist etwas schiefgegangen.

In Restaurants bin ich ein großer Fan der Teilung. Der Teilung von Gerichten in jeder Form, denn es geht immer um Geschmack. Um den guten und um den schlechten, vor allem aber um den vielfältigen. Dementsprechend kommt mir die Welle der Social Plates, der vielen Köstlichkeiten zum Teilen, mehr als entgegen.

Nach Hause übertragbar?

Für zu Hause bedeuten sie aber die Vervielfachung des Einkaufsvolumens. Und Einkaufen gehört nun wirklich nicht zu meinen Favorites. Die Frage stellt sich, inwiefern sich die Idee der Vielfalt vom Restaurant gelungen auf den heimischen Tisch übertragen lässt – und damit kommen wir zu dem Kochbuch.

Die Autorin von Social Plates legt mit diesem Kochbuch ihr drittes vor. Katharina Küllmer ist Foodfotografin und Rezeptentwicklerin mit einem ansprechenden Blog im Portfolio.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website der Autorin

Ein erster Blick ins Buch zeigt, dass sie sich der Foodfotografie vor dem Hintergrund des kommunikativen Themas konventionell nähert. Die Social Plates werden hier ausschließlich aus der Vogelperspektive auf die voll gedeckten Tische präsentiert. Gestalterisch recht eindimensional. Es steht außer Frage, dass man das Thema so umfassend visualisieren kann, aber etwas mehr Varianz hätte mich an dieser Stelle deutlich mehr gefesselt.

Das wirkt sich auf den Gesamteindruck des Buches aus. Es kommt insgesamt routiniert daher. Ein wenig Spielerei sind die verschiedenen Typografien, die das Ganze hübsch machen. Das hat man in den letzten Jahren schon vielfach gesehen. Originalität – das versprüht das Buch nach einer ersten Sichtung nicht.

Die Basis

Gelungen ist die Aufteilung des Buches. Die Kategorien sind farblich gegliedert, so dass man sich schnell orientieren kann. Im Anhang finden sich eine gute Rezeptübersicht und ein Schlagwortverzeichnis. Jedes Social-Plates-Menü steht unter einem zusammenfassenden Titel wie etwa „Plant-based Power Plates“ oder „Rainbow Buddha Bowls“, aber auch Mezze und Meze. Die Titel sind nicht unbedingt selbsterklärend, aber ansprechend.

Die Rezepte sind immer für vier Personen gedacht und mit der nötigen Vorbereitungszeit versehen. 3–4 Stunden pro Plate sind einzuplanen, zzgl. des Einkaufs. Als Rezensentin beschließe ich mit einer halben Plate zu starten. Leider fehlt ein Hinweis der Autorin, ob das auch möglich ist. Da damit die Mengenangabe für vier Personen zusammenhängt, hat das Nachkochen indirekt zur Antwort geführt und die lautet: Nein. Mengenmäßig sollte eine ganze Social Plate gekocht werden. Doch kommen wir zur Kernfrage: Wie sieht es mit dem Essen aus?

Klappt, aber geschmacklich …

Ich habe mir vier Gerichte der Kategorie „Rainbow Buddha Bowls“ vorgenommen. Der Linsen-Salat, der Pink Couscous, die Süßkartoffel-Kokos-Creme und die Rote-Bete-Falafel wurden ausprobiert. Alle ließen sich gut nachkochen. Es sind einfache Rezepte, die die Zeitangaben im Buch realistisch erscheinen lassen.

Vertane Chance

Der Couscous ist pink und hat nur eine ganz leichte Note Roter Bete. Sie kommt auch deshalb kaum zur Geltung, weil wahlweise der Koriander (den habe ich verwendet) oder die Petersilie für die Rote Bete ziemlich dominante Aromen sind. Beim Linsensalat war es ähnlich. Bei der Falafel war es umgekehrt und die Rote Bete sehr gut zu schmecken, der Kreuzkümmel jedoch kaum. Wenig überzeugend.

Zusammen als Social Plate gehen die Gerichte vielleicht auf, jedes für sich entfaltet keinen Yummie-Moment. Konzeptionell macht der Fokus auf das Zusammen vielleicht Sinn, aber praktisch nicht. Als Köchin möchte ich von jedem Gericht begeistert werden. Das ist ja auch der Zauber im Restaurant – Kleinigkeiten, von denen man nicht genug bekommen kann. Zudem werde ich als Homecook nicht immer eine Social Plate von 3–4 Stunden vorbereiten wollen – zzgl. Einkaufszeit.

Das Thema Social Plates verspricht Lebendigkeit, kleine Köstlichkeiten zum Fingerlecken und irgendwie auch Rezepte, die man anschließend teilen möchte. Davon versprüht das Kochbuch nur wenig – optisch und kulinarisch. Das Thema wird hier plakativ angerissen, aber weiß es nicht begeisternd zu spielen mit dem Ergebnis, dass die Frage offen bleibt, ob das gastronomische Sharing-Konzept sich überhaupt nach Hause übertragen lässt. Freiwillige vor!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2019

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z