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Viel Freude!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Kate Young: Little Library Cookbook ★★★★★

Little Library Cookbook – 100 Rezepte
aus den schönsten Romanen der Welt
Kate Young, Fotos: Lean Timms
Wunderraum Verlag (2018)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Patricia Rahemipour

Von

Man merkt gleich nach den ersten Sätzen, wenn jemand für eine Sache brennt. Da blitzt überall eine Begeisterung durch, die man sich nicht vornehmen kann. Genau so ein Buch ist das Kochbuch von Kate Young, und nun liegt es in deutscher Übersetzung vor. Diese tut Duktus und Inhalt keinen Abbruch. Im Gegenteil, das Wesen des Buches wurde im besten Sinne ins Deutsche übertragen.

Die Autorin ist Köchin aus Leidenschaft. Da ist sie nicht die Einzige und es wird zudem in jeder Rezension über sie erwähnt, dennoch lässt es sich nicht besser umschreiben: Kate Young liebt es zu essen und sie liebt die Zubereitung von Essen und das Teilen mit Menschen. Und sie liebt Literatur. All diese Vorlieben verbindet sie seit einigen Jahren auf ihrem Blog „The Little Library Café“. Das „Little Library Cookbook“ ist also ein in (Druck-)Form gebrachtes Blog. Wie schön, dass das Digitale und das Analoge sich immer öfter die Hand reichen.

Schlaraffenland für Geist und Gaumen

Der kleine Verlag Wunderraum hat das Buch auf Deutsch herausgegeben. Es ist fein verarbeitet und setzt seine gut fotografierten Bilder dosiert ein. Was soll man sagen: Wertig ist wertig. Das Layout passt zu Papier und Satz, der mit einer klassischen Serifenschrift, ist es vielleicht sogar die Times, insgesamt sehr aufgeräumt wirkt.

Aufgeräumt ist auch die Struktur des Buches. Auf das Rezept- und Zutatenverzeichnis folgen ein Autorenverzeichnis und der Quellennachweis. Der Inhalt gliedert sich in Frühstück, Mittagspause, Tea-Time (wie kann es anders sein bei einer in London lebenden Australierin; links ein Foto der Autorin), Abendessen und besondere Gelegenheiten. Besonders Spaß hat mir die Kategorie für Mitternachtssnacks gemacht. Was gibt es Schöneres, als spät nach Hause zu kommen und sich noch eine kleine Köstlichkeit zuzubereiten?

Trotz dieser Aufteilung ist für mich das „Little Library Coobook“ kein Buch, das man zum Kochen in die Hand nimmt. Also nicht nur. Es ist – wie lange habe ich darauf gewartet, diese lautmalerische Bezeichnung endlich in einer Rezension unterzubringen? – ein Schmöker! Man verliert sich in diesem Buch, und zwar deshalb, weil hier alles richtig ist. Es ist ein richtig gutes Buch.

Jedem Gericht ist eine Doppelseite gewidmet. Und das ohne Schnörkel. Die Bezeichnungen sind prosaisch wie etwa „Blätterteigtaschen mit Rind“ oder „Schmorhuhn aus dem Ofen“. Direkt im Anschluss folgt ein Zitat aus dem Roman, das zu diesem Rezept inspiriert hat. Anders, als ich erwartet habe, hat Kate Young sich nicht an Rezepte in den Romanen gehalten oder gar Bücher auf Rezepte hin durchforstet. Und das ist gut so. Vielmehr hat sie entscheidende Stellen aus ihren Lieblingsbüchern, wo es um Essen geht, zum Anlass genommen, ein Rezept zu kreieren. Anlass und Idee zu den Rezepten schildert sie direkt unter dem Zitat. Das kann eine kleine Reise, eine Vorliebe oder eine lang zurückliegende Begegnung sein. Und spätestens hier hatte es mich voll erwischt.

Ich muss zugeben, dass das nicht allzu schwer ist, wenn sich jemand 100 Rezepte lang mit meinen beiden Schwächen, also Kochen und Büchern, beschäftigt. Aber es hätte auch gehörig schiefgehen können. Nicht auszudenken, wenn Young in eine besserwissende Literaturbeflissenheit abgedriftet wäre oder in erbsenzählende Rezeptangaben aus Originaltexten.

Kümmelkuchen als Hobbit-Dessert

Beides ist – habe ich schon erwähnt, dass es ein wunderbares Buch ist? – zum Glück nicht geschehen. Das wird auch daran deutlich, dass die Autorin sich traut, auch mal ungewöhnliche, nicht gefällige Rezepte einzubinden. Und dass, weil an dieser Stelle eben das Buch wichtiger war, weil dem Leser hier vor allem ein Buch ans Herz gelegt wird. Ein Aspekt, der dieses Kochbuch von allen anderen, die ich kenne, sehr unterscheidet und zugleich auszeichnet. Viele der Bücher sind Weltliteratur und einige kannte ich schon. Aber meine Liste der „Muss ich noch lesen“-Bücher ist gewaltig angewachsen.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

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Die Rezeptliste auch, wenn auch nicht um Kümmelkuchen. Das ist so eins dieser nicht gefälligen Rezepte. Er wird im kleinen Hobbit als Nachtisch serviert. Youngs Rezept ergibt einen saftigen Kuchen, der es aber sicher nicht in die Hitliste der Nummer-eins-Nachtische schaffen wird. Dafür ist er zu herb, zu anstrengend, zu eigenwillig. Dennoch ist an dem Rezept nichts auszusetzen. Es ist gutes Handwerk. Und das gilt für alle von mir aus diesem „Schmöker“, weil nur lesen ging ja nicht, ausprobierten Rezepte. Sie lassen sich gut zubereiten. Die Mengenangaben stimmen, und auf Zeitangaben zur Gesamtdauer hat die Autorin netterweise verzichtet.

Interessanterweise war sie noch mit etwas anderem zurückhaltend, was mir erst auffiel, als ich versuchte, zu ergründen, wieso ich eigentlich so begeistert von diesem Buch bin. Kate Young ist sehr zurückhaltend. Obwohl sie viele persönliche Geschichten preisgibt und eigene Vorlieben schildert, kommentiert sie beispielsweise nie, wie ein Gericht schmecken wird. Woanders fällt da schnell ein „Es wird ihre Gäste begeistern“ oder auch nur „schmeckt köstlich“. Im „Little Library Cookbook“ findet man keinen solchen Hinweis. Auch die hier und da ausgesprochenen Empfehlungen, etwa zur Menge des Essigs im Himbeer-Shrub, sind so formuliert, dass man sich von der Autorin bei der eigenen Interpretation des Rezeptes ernst genommen fühlt: „Ich zum Beispiel verwende die ganze angegebene Essigmenge, während Ihnen möglicherweise etwas weniger reicht.“ Es ist diese vollendete Kochbuchhöflichkeit, die mich so überzeugt.

Und sagte ich schon, dass es ein fantastisches Buch ist?

Veröffentlicht im August 2019

1 Kommentare

  1. Ingrid

    Ach, liebe Patricia

    ich wollte es doch nicht mehr tun – Kochbücher kaufen. Und nun ist es nach Deiner flammenden Rezension doch wieder passiert (eBook macht‘s möglich), und schwupps bin ich schon bei Elena Ferrante! Und genauso begeistert wie Du!

    LG Gritt

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