Kochbuch von Karola Bettina Schneider: Kraftzeiten

Kochbuch von Karola Bettina Schneider: Kraftzeiten ★★★☆☆

Kraftzeiten nach der Chinesischen Heilkunde –
140 einfach-originelle Kochrezepte zur Stärkung,
Reinigung und für inneres Gleichgewicht
Karola Bettina Schneider
Fotos: Alexandra Schubert
AT Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Für alle, die noch nie etwas von Dojozeiten gehört haben, liefert Karola Bettina Schneider mit ihren „Kraftzeiten“ eine spannende Lektüre und ein Buch, das auf dem Markt der Bücher zum Thema „Gesunde Ernährung“ eine erfreuliche Sonderstellung einnimmt. Die Ergebnisse beim Nachkochen waren jedoch ganz unterschiedlich gut … oder auch nicht.

Geht es um das Thema Ernährung, klaffen Ideal und Wirklichkeit wie bei kaum einem anderen Thema weit auseinander. Wissen wir nicht alle, dass wir, gerade um einen oftmals stressigen Alltag zu bewältigen, besser auf uns achten müssen – zumal bei der täglichen Nahrungszufuhr, die quasi den Treibstoff liefert?

Aber nach einem langen Tag führt der Heimweg dann doch oft am Imbiss vorbei oder der Griff – endlich zu Hause angekommen – zum Telefonhörer, um dann doch den Lieferdienst zu bemühen. Kochen nach Zahlen.

Ernährung im Verlauf der Jahreszeiten

Karola Bettina Schneider (Foto links), im Allgäu praktizierende Heilpraktikerin mit eigener Praxis für Chinesische Medizin, hat nun ein Kochbuch vorgelegt, das sehr viel fundierter und ausführlicher als vergleichbare Werke aufzeigt, welche Faktoren maßgeblich das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinflussen.

Es geht dabei um die Qualität von Nahrungsmitteln, ihre kühlenden und wärmenden Eigenschaften und ihre Zuordnung innerhalb der fünf Elemente der Traditionellen Chinesischen Medizin; einen Tagesrhythmus, der die natürlichen Funktionsweisen und Rhythmen des Körpers berücksichtigt; und dann um die titelgebenden „Kraftzeiten“ oder auch Dojozeiten.

Eine Dojozeit besteht aus 18 Tagen und es handelt sich dabei um die Übergangszeiten zwischen den bekannten vier Hauptjahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Alle vier Dojozeiten zusammengenommen werden als fünfte Jahreszeit bezeichnet.

Viel Mojo im Dojo

Ich bin ganz fasziniert und wundere mich, von den Dojozeiten zum ersten Mal zu hören. Es macht alles so viel Sinn – sich vorzustellen, dass der Körper nach einem heißen Sommer langsam – Dojozeit: Vorherbst – auf den Herbst umstellt. Oder wie er nach einem frostig-kaltem Winter wie die Knospen an den Bäumen langsam erblüht, sich auf wärmere Jahreszeiten vorbereitet und wieder „in Schwung“ kommt.

Dass es sowohl für die Jahreszeiten als auch für die Übergangszeiten Nahrungsmittel gibt, die geeigneter sind als andere, den Körper positiv bei den jeweiligen „Herausforderungen“ zu unterstützen, passt natürlich auch zu den grundlegenden Ideen von regionaler und saisonaler Ernährung und ist auch generell Leitfaden einer Ernährung nach der TCM.


Ich frage mich bloß, und hier sind wir wieder bei Ideal und Wirklichkeit beziehungsweise Theorie und Praxis: Was, wenn der Winter einfach kein richtiger Winter war? Oder – wie dieses Jahr – einfach nicht enden will? Wenn der Sommer – wie in diesem Jahr – gar nicht so heiß und anstrengend ist, sondern eher die Qualitäten eines soliden Herbstes aufweist? Nicht selten war mir nach deftigen Schmorgerichten statt nach Wassermelonenshake zumute.

So orientiere ich mich bei der Auswahl der Rezepte nicht so sehr an ihrer Jahreszeitenzuordnung, sondern mehr an den tatsächlichen Wettergegebenheiten und natürlich dem Warenangebot im Bioladen um die Ecke.

Abwechslungsreich – in jeder Hinsicht

Viele der Rezepte im Buch wie die Wirsingkohl-Rouladen oder Buchweizen auf russische Art mit Rettichgemüse sind vegetarisch oder vegan, aber es gibt auch ansprechende Rezepte mit Fleisch oder Fisch wie Wildschweinragout im Römertopf oder Reissuppe mit geräuchertem Fisch. Viele Gerichte basieren auf Getreide als wesentliche Hauptzutat, so zum Beispiel in Form von Suppen, die morgens oder abends genossen werden können. Zahlreiche gelungene Fotos ergänzen das klar und gut strukturierte Layout.

Die Ergebnisse der nachgekochten Rezepte waren leider nicht durchgehend überzeugend. Von absolut köstlich (Lamm-Grünkohl-Curry) über raffiniert (Zitrusfrüchte-Crumble) und okay-aber-muss-es-nicht-wieder-geben (Rot-grüner Sommerbulgur) zu desaströs (Rote Sommergrütze) – alles war dabei.

Mich locken noch viele Rezepte in dem Buch, denen ich auch eine Chance geben werde. Aber der wirkliche Grund, das Buch zu behalten, ist für mich ganz klar der theoretische Teil, der die ersten 33 Seiten von den insgesamt 270 Seiten ausmacht. Hier gibt es wirklich viel zu lernen, und als Nachschlagewerk finde ich die „Kraftzeiten“ sehr gelungen.

Karola Bettina Schneiders „Kraftzeiten“ ist ein weiterer Baustein im Universum „Gesunde Ernährung“. In dem Buch gibt es viel zu erfahren, was das eventuell vorhandene Wissen zur Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin noch zu erweitern vermag. Die Rezepte überzeugten leider jedoch nicht durchgehend, daher ist das Buch vor allem als wertvoller Ratgeber und nicht so sehr als Kochbuch ein praktischer Begleiter.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2017

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