Kochbuch von Karin Iden: Das neue Kochbuch durchs Jahr

Kochbuch von Karin Iden: Das neue Kochbuch durchs Jahr ★★★★☆

Das neue Kochbuch durchs Jahr
365 saisonale Rezepte

Karin Iden
Stiftung Warentest (2013)

Doris Brandl

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Bei der Stiftung Warentest denke ich zuerst an Waschmaschinen- und Zahncreme-Testergebnisse, eingestuft von ‚sehr gut‘ bis ‚mangelhaft‘. Aber auch Lebensmittel werden genau unter die Lupe genommen und so ist es fast naheliegend, dass aus den gesammelten Erkenntnissen Ratgeber und Kochbücher entstehen. Wie wird wohl hier das Testurteil ausfallen?

Fürs Kochen in allen Lebenslagen bietet die Organisation reichlich Lektüre. Mein Testbuch ist sogar bereits die 3. Auflage des Klassikers ‚Durchs Jahr mit 365 saisonalen Rezepten‘. Über die Autorin Karin Iden finde ich leider nichts im Buch. Dabei ist sie als freiberufliche Fachjournalistin mit 60 Kochbüchern und zahlreichen Diät-Büchern ein echter Profi. Angefangen als Diätassistentin bei Findus (Tiefkühlfirma im Nestlékonzern) für Verbraucherfragen und Rezeptentwicklung und später als Redakteurin und Leiterin des Kochstudios der Zeitschrift „Menü von A-Z“ (erste Food-Zeitschrift in Deutschland) , beschäftigt sie sich heute mit der Alltagsküche und regionalen Traditionen rund ums Essen. Die ehemalige Berlinerin lebt heute in Hamburg. Auf Valentinas haben wir bereits ein Buch von ihr vorgestellt.

Der erste Anblick gefällt mir. Das Cover ziert einen appetitlich angerichteten Salatteller. Schwergewichtig – na ja, bei 365 Rezepten kein Wunder – und mit über 500 Seiten ein fast Respekt einflößendes Werk. Auf den ersten 45 Seiten wird jede Menge Grundwissen vermittelt über Energie, Nährstoffe, Vitamine, Planung, Einkauf, Lagerung, Tipps für Resteverwertung, Garmethoden, Grundrezepte, Saisontabellen. Erklärungen, welche Fette die richtigen für uns sind, warum Kohlenhydrate wichtige Energielieferanten sind und wofür wir Ballaststoffe brauchen. Bei dem aktuellen Diät-Hype um Low Carb vielleicht ganz hilfreich, mal wieder daran erinnert zu werden, wodurch unser Organismus eigentlich funktioniert. Gut finde ich auch zwei Seiten mit den Abbildungen der wichtigsten Gewürze und Kräuter. Ein weiteres nettes Detail fällt gleich beim Durchblättern auf: die Seitenzahlen sind schwarz unterlegt und mittig am äußeren Rand angeordnet. Darin ist links die jeweilige Jahreszeit aufgeführt und rechts das Gemüse. Magentafarbige Seitenzahlen heben besondere Kapitel hervor, wie z.B. Powerdrinks im Frühling, Rohkost und Einmachen im Sommer oder Pasta und Pilze im Herbst. Das erleichtert den schnellen Überblick.

Nun zu den Rezepten: Wenn auch nicht rein vegetarisch, spielt Gemüse hier eindeutig die Hauptrolle und zwar durchweg durch alle Jahreszeiten. Die erste Begeisterung lässt nach. Alles nur gesund und das mir als Fisch- und Fleischfan? Aber die Rezepte sind gut beschrieben und mit hilfreichen Tipps versehen. Hier merkt man, dass eine routinierte Kochbuchautorin am Werk war. Die Fotos sind auf das Gemüse, Obst oder fertige Gericht konzentriert. Kein Chichi, keine Dekoration die das Auge vom wesentlichen ablenken könnte.

So geht’s im Frühling mit Artischocken los und endet bei den Zitrusfrüchten im Winter. Die Reihenfolge richtet sich ausschließlich nach dem jeweiligen Gemüse bzw. Obst. Fleisch und Fisch spielen hier eine untergeordnete Rolle. Aber sie sind schon auch dabei und meine Laune bessert sich gleich wieder. Bin ich doch immer versucht, zumindest etwas Speck unterzumogeln. Beim Sauerkrautauflauf lag er schon griffbereit neben dem Herd. Gut, dass ich mich beherrscht habe. Und siehe da – mir hat nichts gefehlt, obwohl er ganz vegetarisch ist. Aha, es geht also auch ohne.

Beim jeweiligen Gemüse findet sich erst einmal eine kurze geschichtliche Abhandlung, allgemeine Hinweise zur Zubereitung und Varianten, nützliche Würz- und Küchen-Tipps. Aber nichts überflüssiges, keine Anekdötchen. Zum Schluss gibt es ein Lebensmittel-Wörterbuch. Hier lerne ich, dass je nach Region Kartoffeln auch als Erdäpfel bezeichnet werden, aber auch als Aapern?! Das habe ich noch nie gehört. Das Zutatenregister, sortiert nach den Hauptzutaten und weiteren Untersortierungen finde ich etwas unübersichtlich.

Ein gut funktionierendes, grundsolides Werk mit allen wichtigen Informationen ausgestattet. Bestens geeignet für Einsteiger und die normale Alltagsküche. Die Rezepte sind ausreichend beschrieben und in der richtigen Reihenfolge der Arbeitsabläufe. Hier werden keine exotischen Zutaten oder Gewürze benötigt. Mit fehlte teilweise in den Rezepten etwas Raffinesse oder der letzte Pfiff, das Highlight sozusagen. Wenn mir auch manch andere Kochbücher zu viele Anekdoten enthalten, vermisse ich hier ein wenig den persönlichen Touch. Mein persönliches Testurteil: „Gut“!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2014

2 Kommentare

  1. angie

    Aapern heißen die kartoffeln in der oberlausitz 🙂
    angie

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