Kochbuch von Julia Mirabella: Mason Jar Salads and More

Kochbuch von Julia Mirabella: Mason Jar Salads and More ★★★★☆

Mason Jar Salads and More
Julia Mirabella
Ulysses Press (2014)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dieses Kochbuch kommt aus der Abteilung Transport und Logistik: Wie kommt der Salat heil ins Büro und in die Mittagspause? Im Einmachglas!

Frischer Salat ist eine Diva. Das zarte Blattgrün sackt zusammen und verliert die Fassung, kaum dass es mit Dressing in Berührung kommt. Tomaten halten ein paar Stündchen durch, aber dann sind auch sie ausgelaugt, Gurken ergeht es nicht viel besser. Äpfel- und Birnenschnitze wiederum können Frischluft nicht vertragen und flehen um ein Dressing, das sie vor hässlicher Bräune schützt. Mal ernsthaft – wer hat Lust, eine solche mimosenhafte Truppe von Individualisten mit ins Büro zu schleppen?

Julia Mirabellas Mason Jar Salads sollen Abhilfe schaffen. „Mason Jars“ sind die nach ihrem US-amerikanischen Erfinder John L. Mason benannten Schraubgläser, die sich dank großer Öffnung leicht befüllen und ebenso leicht wieder leeren lassen. Ursprünglich zum Einkochen gedacht, sind sie derzeit der Renner unter Hobbybastlerinnen und -bastlern, die sie für alles Mögliche verwenden (das habe ich jedenfalls bei dieser Gelegenheit von einer Freundin gelernt). Auch auf dem deutschen Markt gibt es eine Auswahl solcher Gläser verschiedener Hersteller.

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Das Prinzip ist einfach: Julia Mirabella füllt die Gläser sehr dicht und in Schichten. Ganz nach unten kommt das Dressing, bevorzugt Vinaigrette, darauf als Barriere eine möglichst feste Schicht, etwa aus Kichererbsen oder Karotten, dann die weiteren Schichten, oben dann grüne Salatblätter, und ganz zuletzt Nüsse oder Käse. Wichtig ist, dass das Glas möglichst gut gefüllt ist, denn je weniger Luft übrig ist, desto besser halten sich die Zutaten frisch. Und wenn keine Zutaten dabei sind, die sich nicht gleich vom Dressing erweichen lassen, wird das Dressing auf ein Stück Backpapier gegeben, das oben eingehängt und dann mit dem Deckel festgeschraubt wird. (Wenn man das Glas wieder öffnet, ist es gar nicht so einfach, die Dressing-Pfütze unfallfrei mit dem Salat zusammenzubringen. Mein Tipp: Das Papier einfach durchstechen.)

Das Ergebnis: Alle Zutaten sind nun in einem einzigen Gefäß, das zum Essen nur noch über einem geeigneten Teller umgedreht werden muss. Das Ganze wird noch ein bisschen aufgemischt und optisch in Form gebracht – fertig. Und es kommt noch besser: Angeblich halten die auf diese Weise geschichteten Salate sogar einige Tage im Kühlschrank durch, sodass man sie auch vorproduzieren kann. Sagt Frau Mirabella.

Ich habe die Salate jeweils ein, zwei Tage fertig gepackt im Kühlschrank gelagert. Taufrisch erschienen sie mir dann nicht mehr, aber sie haben durchaus passabel durchgehalten. Ob ich Salate auf diese Weise gleich für mehrere Tage vorproduzieren würde, wage ich allerdings zu bezweifeln. Die paar Handgriffe sollten normalerweise auch morgens schnell erledigt sein. Für den Transport und eine kürzere Lagerung finde ich die Idee mit der Schichtung aber sehr clever und werde sie auch zukünftig gerne abkupfern. Auch wenn mal wieder empfindliche Zutaten übrig geblieben sind, kann ich mir vorstellen, ihre Lebenszeit auf diese Weise ein wenig zu verlängern.

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Im Rezeptteil hat Julia Mirabella eine Auswahl an Salaten mit mediterranen, orientalischen, asiatischen oder Tex-Mex-Anklängen zusammengetragen, die das „Prinzip Schichtung“ gut illustrieren. Dazu gibt es weitere Lunch-Ideen mit Couscous, Pasta, Reis, Suppe und Ratatouille sowie Snacks und Dips, die ohne Schichtung auskommen. Und für die ganz Hartgesottenen, die ihren Tag schon mit einem Frühstück-to-go beginnen mögen, gibt es auch noch ein Kapitel mit Smoothie und Porridge aus dem Einmachglas.

Was die kulinarische Raffinesse betrifft, so ist Frau Mirabella kein Wagnis eingegangen. Ihr Sortiment orientiert sich an bekannten Standards, wie man sie auch im Kühlregal eines freundlichen, gut sortierten Schnellrestaurants finden mag. Damit liefert sie aber eine solide Ausgangsbasis für Eigenkreationen. Der Anfang ist gemacht, die Bühne ist frei.

Ein kleines, unscheinbares Büchlein (wirklich BüchLEIN!), in dem eine pfiffige Idee steckt, die zum Leben erweckt werden will. Wer gerne Salat isst und sich Transport und Lagerung erleichtern will, der findet hier nützliches Handwerkszeug – und kulinarische Inspirationen, die weitergesponnen werden wollen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2014

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