Kochbuch von Julia Lechner & Anton Teichmann: Raw Soul Food

Kochbuch von Julia Lechner & Anton Teichmann: Raw Soul Food ★★☆☆☆

Raw Soul Food – Vegane Rohkost macht glücklich
Julia Lechner & Anton Teichmann
Ulmer Verlag (2014)

Stefanie Will

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

„Ab heute bleibt die Küche kalt.“ Dass ich damit in meinem Haushalt nicht gerade auf grenzenlosen Freudentaumel traf, dürfte wohl klar sein. Aber ich hatte eine Mission: Mit Soul Food, köstlich wohltuendem Seelenfutter, wollte ich meinen Haushalt überzeugen, dass Rohkost eben nicht nur für Kaninchen ist. Dass sie gut tut und glücklich macht, das wusste ich bereits aus eigener Erfahrung. Eine Überzeugung, die ich nach der Lektüre dieses Buches allerdings nicht mehr pauschal teilen kann. Ja, vegane Rohkost kann glücklich machen – tut sie in diesem Fall aber leider nicht…

Dabei fing alles so gut an. Das Cover sieht nach Spaß aus, nach Genuss, nach Lust aufs, tja, Nicht-Kochen. Es geht los mit vier Kapiteln, die sich mit den Grundprinzipien beschäftigen: Was, wieso, weshalb und überhaupt: Was ist Rohkost eigentlich? Es wird erklärt, was Pflanzenstoffe sind, wie sie wirken und warum sie täglich auf unserem Speisezettel stehen sollten. Das ganze verteilt auf zehn Seiten – nicht zu viel, nicht zu wenig, und dabei immer gut verständlich.

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Die Rezepte sind unterteilt in die Kapitel „Salate“, „Rohkost to go“, „Hauptgerichte“, „Fruit Love“, „Torten, Kuchen und Pralinen“, „Dessert“ sowie „Smoothies, Shakes und Cocktails“. Dazwischen verstreut finden sich immer wieder kleine Kapitel namens „Rohkost extended“, in denen weitere Infos zu Themen wie zum Beispiel Eiweißversorgung oder die Wirkung von Superfoods gegeben werden. Als ich jedoch das erste Rezept aufschlug, Insalata mista, verschlug es mir jedwede Vorfreude. Grünzeug mit oranger Pampe. So sah es jedenfalls aus. Die Fotografie ist alles andere als gelungen, die Gerichte unansehnlich und so bunt, dass man sich fragen muss, ob nachträglich nochmal ordentlich der Photoshop-Farbpinsel angesetzt wurde. Natürlich sieht es jedenfalls nicht aus. Weil das aber nunmal gänzlich im Auge des Betrachters liegt, wollte ich mich nicht abschrecken lassen und blätterte tapfer weiter auf der Suche nach etwas, auf das ich auch tatsächlich Lust hatte.

74 Rezepte verspricht „Raw Soul Food“ – da muss ja für jeden was dabei sein. Dachte ich. „Von kinderleicht bis gourmetköstlich“ steht auf dem Cover. Wobei „kinderleicht oder gourmetköstlich“ es wohl eher getroffen hätte. Die Rezepte sind entweder so simpel, dass sie jeder einigermaßen gute Hobbykoch auch ohne Anleitung hinkriegt, oder eine hochkomplexe Wissenschaft für sich. Vielleicht hatte ich einfach nur ein schlechtes Händchen und hab ausgerechnet mit gruseliger Treffsicherheit immer Letztere ausgewählt. Jedenfalls standen mir nicht nur beim Zusammenstellen der Einkaufsliste, sondern später dann auch trotz kalter Küche die Schweißperlen auf der Stirn. Aber zum Glück gibt es bei den Rezepten Pausen. Lange Pausen…

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Auf die Schnelle lässt sich kaum ein Rezept zubereiten. Nüsse müssen 6-8 Stunden einweichen, wahlweise läuft der Dörrautomat 8-12 Stunden lang, ehe das „Broht“ fertig ist. Hin und wieder nehme ich das ja gern auf mich, aber hier ist mir das einfach zuviel des Guten. Für die Falafel mit Gurken-Dill-Sauce sind 16 Zutaten fällig, den Großteil bekommt man nicht im normalen Laden. Und bei der Menge schlägt das obendrein ganz schön zu Buche. Zugegeben: Die Falafel sahen toll aus – nicht ganz so bunt wie auf dem Foto. Geschmeckt haben sie auch, an klassische Falafel aus Kichererbsen kommen sie jedoch nicht heran. Der „Vitamin Skycrusher“ hingegen ist die Wucht und kommt bei mir seither regelmäßig auf den Tisch, vor allem als frisches Frühstück. Allerdings gehört es zu den Rezepten, die man eben auch gut ohne Buch hinbekommt. Auch sehr lecker waren die Rohkost-Torten, die jedoch nicht nur die Nerven, sondern wiederum auch den Geldbeutel extrem strapazieren. Da wird eingeweicht, aufgetaut, gemixt, gekühlt, geruht und und und…

Ob es sich gelohnt hat? Nun, wenn man am Ende der Nicht-Koch-Odyssee noch Appetit hat, dann ja. Geschmacklich war an den Rezepten nichts auszusetzen. Wenn Sie bei Verstand bleiben, Ihre Gäste und Familie nicht komplett vergraulen worden, dann lassen Sie es lieber. Rohkost macht gesund und auch glücklich – wenn man denn die Kirche im Dorf lässt und keine Wissenschaft daraus macht. Wer ernsthaft in die Rohkostszene einsteigen will, der wird hier fündig. Wer sich einfach nur gesünder und naturbelassener ernähren will: Viel Obst, Gemüse, grüne Salate und Smoothies wirken Wunder!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2015

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