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Katharina Höhnk

Kochbuch von Julia Komp: Meine Weltreise in Rezepten ★★★★

Meine Weltreise in Rezepten – Wie ich meinen geliebten Stern an den Nagel hängte, mich durch 20 Sehnsuchtsländer kochte und viele kulinarische Souvenirs mit nach Hause brachte, Julia Komp, Fotos: Melanie Bauer, Gräfe und Unzer Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dietmar Adam

Von

Wenn Deutschlands jüngste Sterneköchin sich auf eine Weltreise begibt, darf man gespannt sein auf allerlei kulinarische Entdeckungen. Meine Erwartungen waren hoch, gehört doch Nicole Stichs ähnlich konzipiertes Buch „Reisehunger“ zu meinen absoluten Lieblingen.

Kochbuchautorin Julia Komp
Kochbuchautorin Julia Komp

Julia Komp (Foto links) hat in jungen Jahren schon viel erreicht – erst der Michelinstern, dann vom Schlemmer-Atlas als Köchin des Jahres ausgezeichnet, schließlich ein eigenes Restaurant, das orientalische und mediterrane Spezialitäten auf hohem Niveau serviert. Und dann eben in einer Auszeit diese Weltreise, die sie in zwanzig Länder führte und nun in Buchform präsentiert wird. Wobei Weltreise ein wenig übertrieben ist, bleibt doch die westliche Hemisphäre außen vor. Aber macht nichts, es geht schließlich um ihre Sehnsuchtsländer und die liegen nun einmal eher im Osten. Korea und Indien nennt sie von der kulinarischen Warte aus betrachtet ihre Highlights.

Auf in fremde Kochwelten

Ganz offen spricht sie organisatorische Probleme an. Eigentlich hätte sie gerne von spannendem Streetfood berichtet. Aber da sie nicht nur probieren, sondern auch selbst am Kochtopf wirken wollte, scheiterte das vor allem an mangelnden Sprachkenntnissen. So lernte sie die Eigenheiten der jeweiligen Küchen hauptsächlich durch Kurzpraktika in Restaurants kennen. Wichtig waren aber auch Treffen mit anderen Kochenthusiasten und der Besuch von Märkten, die vielleicht den intensivsten Eindruck fremder Kochgewohnheiten vermitteln.

Zum Weiterlesen:

Leseprobe beim Verlag

Website und Instagram der Autorin

Mehr Kochbücher für Reiselustige bei Valentinas

Wenig überraschend ist das Buch geografisch geordnet. Über den Vorderen Orient geht es zunächst nach Südostasien, dann nach China, Korea und Japan und schließlich auf den indischen Subkontinent, bevor die Reise in Nordafrika endet. Ihre Erlebnisse auf den einzelnen Etappen schildert sie tagebuchartig. Viele Begegnungen sind dabei, an die sich die Autorin sicherlich gerne erinnert, die mir aber als Leser entbehrlich scheinen. Stattdessen hätte ich mir mehr Tiefe bei den kulinarischen Erkenntnissen gewünscht.

Ambitionierte Küche auch für wenig Geübte

Kommen wir nun endlich zu den Rezepten, denn die stehen klar im Vordergrund. Hier besteht der Reiz des Buches darin, zu sehen, was eine ambitionierte Sterneköchin mit fremden traditionellen Gerichten anfängt. Gefreut habe ich mich, dass Julia Komp einleitend den Leser ermutigt, ihre Rezepte nicht als in Stein gemeißelt zu sehen, sondern zu experimentieren und auch mal den einen oder anderen Teil eines Menüs wegzulassen. So verstehe ich ihr sechsgängiges Menü „Gegrillter Lammrücken / Persische Limone & Rote Bete“ als Angebot für ein festliches Essen, das aber auch gut funktioniert, wenn ich auf einzelne Positionen verzichte.

Kochbuch von Julia Komp: Meine Weltreise in Rezepten
Kochbuch von Julia Komp: Meine Weltreise in Rezepten

Positiv überrascht war ich, dass vieles relativ unkompliziert nachzukochen ist. Nur selten werden Gerätschaften eingesetzt, die nicht jeder in der Küche hat, wie Sous Vide oder Siphon. Hochpreisige Zutaten, die mir sonst mitunter die Sterneküche verleiden, fehlen hier fast vollständig, mal abgesehen von Goldpulver und vergoldeten Schokoperlen.

Süßes und Deftiges aus dem Nahen und Fernen Osten

Meinen aktuellen Vorlieben entsprechend fand ich vor allem die nah- und die fernöstlichen Rezepte besonders verlockend. Bei den arabischen war das vor allem Süßes wie das traditionelle Basbousa, eine Minz-Pannacotta und das arabische Kaffeedessert mit Kaffeecreme, Gewürzeis, Rosen-Pannacotta und Kardamommousse. Im fernöstlichen Kapitel blieb ich an herzhaften Gerichten hängen, etwa die winterliche Kimchisuppe und das Okonomiyaki, das es gleich in zwei Varianten gibt.

Julia Komp:

„Zurückgekommen bin ich mit einem Koffer voller Gewürze und vielen tollen Ideen für neue Rezepte, für die ich den authentischen Geschmack modern interpretiert habe. Leichter und mit mehr Gemüse. Fine Dining eben. Aber keine Sorge: Sie brauchen keine Profiküche, um meine Rezepte nachzukochen, und Sie müssen auch nicht immer alle Komponenten auf den Teller bringen. Machen Sie es einfach wie ich und experimentieren Sie. Probieren Sie, was Sie anspricht. Werden Sie kreativ, jonglieren Sie mit den Mengen und würzen Sie nach Ihrem Geschmack. Haben Sie Mut zu Salz und Säure und kochen Sie vor allem mit Liebe und Gefühl. Das ist das Allerwichtigste.“

Auch küchentechnisch konnte ich dazulernen, etwa wie Klebreisbällchen mit Sesamfüllung gemacht werden oder mal Streusel mit Kichererbsenmehl zu variieren. Auch die Kombination Sellerie mit Erdnusscreme fand ich reizvoll. Nicht nur optisch ein Hingucker sind die glasierten Auberginenscheiben.

„Sehr übersichtlich“

Wichtig für eine Sterneköchin ist natürlich auch das gekonnte Anrichten, ein Aspekt, der bei eher nüchtern und pragmatisch veranlagten Hobbyköchen wie mir gerne vernachlässigt wird. Damit bietet sich der Übergang zu den Fotos nahtlos an. Ich gestehe, da ist mir als Erstes ein eher boshaftes Zitat von Loriot eingefallen: „Sehr übersichtlich“. Aber in der gehobenen Küche wird nun mal Wert gelegt auf kleinteilige Arrangements, die etwas hermachen sollen. Da werden auch gerne Ausstechförmchen eingesetzt. Diese – nun ja – niedlichen Sternformen haben mich schon ein wenig irritiert. Wie auch die zahlreichen Erinnerungsfotos, auf denen die Autorin in die Kamera lächelt.

Trotz meiner Kritik an einigen Details bleibt doch insgesamt ein sehr positiver Gesamteindruck. Abwechslungsreiche, exotische Speisen auf gehobenem Niveau zu präsentieren, die aber nicht allzu schwer nachzukochen sind – das ist Julia Komp ausgesprochen gut gelungen.

Veröffentlicht im Mai 2022

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