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Katharina Höhnk

Kochbuch von Julia Georgallis: How to Eat Your Christmas Tree ★★★★

How to Eat Your Christmas Tree – Die besten Rezepte mit Kiefer, Tanne & Co. für ein nachhaltigeres Weihnachtsfest, Julia Georgallis, Fotos: Lizzie Mayson (Food) et al., Ars Vivendi Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sabine Cikic

Von

Baum oder nicht Baum – das ist jedes Jahr die Frage, an der sich die Geister scheiden. Von „Unbedingt!“ über „Nur, wenn man ihn danach noch einpflanzen kann!“ zu „Niemals!“ stehen sich die Fronten gegenüber. Wird die Entscheidung leichter mit diesem Büchlein von Julia Georgallis?

Bäume sind zweifellos wichtig für das Ökosystem unseres Planeten, sie gelten als „Kohlenstoffdioxid-Staubsauger“. Und dass es schlecht ist, wie der Mensch mit der Ressource Regenwald umgeht, dürfte auch jedem klar sein. Sieht man dann in der Nachweihnachtszeit die vertrockneten Weihnachtsbäume am Straßenrand liegen, kann es einen schon traurig und nachdenklich stimmen ob dieser Verschwendung.

Kochbuchautorin Julia Georgallis (© privat)
Kochbuchautorin Julia Georgallis (© privat)

So ging es der Bäckerin und Produktdesignerin Julia Georgallis (Foto links). Sie fragte sich, worin dieses uralte Brauchtum begründet liegt und wie es passieren konnte, dass aus einer Verehrung für immergrüne Bäume, die einst als „heilige Symbole der Ewigkeit, Widerstandsfähigkeit und Stärke“ galten, eine Konsumtradition einer modernen Wegwerfgesellschaft werden konnte.

Von geglückten und missglückten Experimenten

Georgallis erzählt, wie sie mit ihrer 2015 gegründeten Kochgruppe wilde Experimente veranstaltete auf der Suche nach Rezepten, mit denen sich die Haltbarkeit der Ware Weihnachtsbaum ein weniger verlängern ließe. Man glaubt ihr gerne, wenn sie von desaströsen Ergebnissen schreibt, die es natürlich nicht in das nun vorliegende Werk geschafft haben.

Zum Weiterlesen

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Nach einigen Tipps, wie sich Weihnachten ganz allgemein nachhaltiger gestalten lässt und wie sich Weihnachtsbäume jenseits der Küche wiederverwerten lassen sowie einer illustrierten Statistik zum Thema „Wenn wir keine Weihnachtsbäume mehr fällen würden …“ geht es los mit den „Weihnachtsbaumarten“. Hier gibt es Überraschungen – Bambus, Pinie, Wacholder, um einige zu nennen –, die Georgallis aber plausibel erklären kann.

Eine Warenkunde der etwas ungewöhnlicheren Art

Nach dieser Warenkunde der etwas ungewöhnlicheren Art folgen die Rezeptkapitel, die unterteilt sind in „Fermente & Eingemachtes“, „Festessen“, „Süßes“ und „Getränke“. In vielen der 32 Rezepte sind die sattgrünen Nadeln der Teil des Weihnachtsbaums, der kulinarisch sein Scherflein beisteuern soll, etwa beim gepökelten Fisch, wo je nach verwendeter Nadelart 350 g bzw. 700 g Nadeln der Pökelmischung hinzugefügt werden.

Kochbuch von Julia Georgallis: How to Eat Your Christmas Tree
Kochbuch von Julia Georgallis: How to Eat Your Christmas Tree

In einigen Rezepten verwendet Georgallis Asche, die zuvor dadurch gewonnen werden muss, dass Weihnachtsbaumzweige im Ofen bei höchster Temperatur verkohlt und nach dem Abkühlen in der Küchenmaschine zu feinem Pulver zermahlen werden. Mit der ungewöhnlichen Zutat, die man dann allerdings nur in kleinen Mengen verwendet, brät und backt sie anschließend Gemüse oder verfeinert eine Honigglasur damit, die sich z. B. auf Zimtschnecken streichen lässt.

Ich gehe es etwas weniger abenteuerlich an und beginne mit der Smreka. Dabei handelt es sich um ein bosnisches Erfrischungsgetränk, das auch im Sommer hervorragend schmecken soll. Es besteht aus Wacholderbeeren, Zitrone und etwas Zucker, aufgefüllt mit Wasser. Nach 1–2 Wochen Fermentationszeit ist es fertig. Georgallis schreibt, dass das Getränk auch mal nach zerstoßenen Paracetamol-Tabletten schmecken könne. Ich setze vorsichtshalber nur die halbe Menge an und bin erleichtert. Keine Spur von Paracetamol, allerdings auch nicht der erwartete „Gin“-Geschmack, den ich aufgrund der vielen Wacholderbeeren und der Ankündigung der Autorin erwartet hatte. Dennoch aber ein süffig-herbes Getränk, das ich zum Experimentieren im Sommer sicher noch einmal zubereiten werde.

Julia Georgallis:

„Weihnachtsbäume sind Kulturpflanzen, vergleichbar mit Apfel- oder Orangenbäumen. Ganz gleich, ob man sie verzehren möchte oder nicht, sollte man beim Einkauf darauf achten, dass beim Anbau so wenig Chemikalien wie möglich eingesetzt wurden, dass auf faire Praktiken geachtet wurde und dass es sich um regionalen und/oder nachhaltigen Anbau handelt.“

Ein Crumble geht immer

Auch der leckere Pflaumen-Wacholder-Crumble setzt auf die aromatische Beere, die ja oft nur ihren Weg ins Sauerkraut findet. Ich hatte noch eingefrorene Zwetschgen aus eigener Ernte zur Hand und war überrascht, wie ausgeprägt und dominant, aber doch sehr stimmig der Geschmack der Wacholderbeere ein so vertraut wirkendes Dessert zu bestimmen mochte. Eine echte Entdeckung, allerdings würde ich davon abraten, dieses Gericht Kindern zu servieren.

Mein einziges ausprobiertes Rezept, bei dem schließlich auch selbst geerntete Fichtennadeln zum Einsatz kamen, waren die in Rote-Bete-Apfelessig eingelegten Eier. Der Geschmack der Nadeln war tatsächlich sehr besonders und fein, allerdings war das Rezept insgesamt nicht so unser Ding. Die Eier waren, obwohl nach den angeratenen 36 Stunden verzehrt, doch sehr fest und der Essigsud doch arg sauer. Hier würde ich vorher erst noch mit dem Sud experimentieren und ausprobieren, ob nicht auch 12 oder 24 Stunden Ziehzeit reichen, damit die Eier weicher bleiben. Optisch nämlich ein Rezept, wie es kaum besser zu Weihnachten passen könnte.

Dein Freund der Baum – hier von einer ganz unbekannten Seite. In „How to Eat Your Christmas Tree“ gibt Julia Georgallis Anregungen, wie der Weihnachtsbaum mehr sein kann als ein bloßes Deko-Objekt, das nach vollbrachtem „Dienst“ lieblos entsorgt wird. Ihr ist ein Buch gelungen, das ohne billige Gags und ohne reißerisch nerdig zu sein, einige spannende Rezepte mit der Zutat „Baum“ bietet, die zum großen Teil ganzjährig machbar sind. Die Autorin nutzt aber auch die „Gelegenheit, zu hinterfragen, ob Weihnachtsbäume wirklich nötig sind“. Sie tut dies mit einer feinen Schreibe, teilweise wissenschaftlichen Quellen und vielen Tipps. Als bekennende Weihnachtsbaumliebhaberin gebe ich zu: Hier habe ich einiges gelernt – und bin von „Unbedingt!“ schon deutlich abgerückt.

Veröffentlicht im Dezember 2021

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