Kochbuch von Judith & Surdham Göb: Vegane Powerdrinks mit Superfoods

Kochbuch von Judith & Surdham Göb: Vegane Powerdrinks mit Superfoods ★★★★☆

Vegane Powerdrinks mit Superfoods
Judith & Surdham Göb
Fotos Oliver Brachat
ZS Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Stefanie Will

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Smoothies sind sowohl privat als auch beruflich mein täglich Brot, Superfoods seit vielen Jahren meine Leidenschaft. Insofern freut es mich natürlich, dass das Thema immer mehr Mainstream, das Sortiment der Biomärkte immer umfangreicher wird. Zugleich langweilt mich aber auch die schiere Überpräsenz an Büchern, die immer wieder behaupten, das Smoothie-Rad irgendwie doch nochmal neu erfunden zu haben. Klar, dass ich skeptisch war, als ich erst die Buchpräsentation von Judith und Surdham besuchte und mich dann etwas später in der Küche ans Werk machte …

Surdham Göb – der Name dürfte dem einen oder anderen bekannt sein. Drei vegane Kochbücher hat er bereits geschrieben. Nun also Nummer vier. Der erste Unterschied: Bei „Vegane Powerdrinks mit Superfoods“ war erstmals seine Frau Judith, eine Yoga praktizierende Heilkräuter-Expertin, mit von der Partie. Was den Vorteil hat, dass wesentlich mehr Tiefgang vor allem hinter den Kräuter-Smoothies steckt. Heißt: Hier wird nicht nur behauptet, das giftgrüne Zeug sei gesund, sondern in einem ganzen Kapitel auch erklärt, warum, wieso, weshalb und wo man das jeweilige Kraut, ob Borretsch, Brennnessel oder Beifuß, überhaupt bekommt. Der zweite Unterschied liegt auf der Hand: Es wird nicht gekocht. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Was nicht heißen soll, dass die Küche kalt bleibt. Aber dazu später mehr.

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Es muss ein Hochleistungsmixer sein.

Fangen wir mit dem ersten Eindruck an. Nun ja, die Ampeloptik des Covers – ein grüner, ein gelber und ein roter Smoothie – ist kein besonders kreatives Meisterwerk. Die Fotografie ist platt, nicht wirklich mein Geschmack. Das ändert sich aber, sobald man das Buch aufschlägt: Sympathische Fotos aus dem Göb’schen Familienalbum erwarten einen da. Das Paar in der Küche (links) und im Garten, dazu Oliver Brachat, der Fotograf des Buchs. Und auch wenn das Coverfoto eher enttäuscht, das Innenleben überzeugt mit knapp 140 Seiten voll wunderschöner Smoothie-Fotografie in leuchtenden Farben, die Lust macht, sofort den Turboknopf des Mixers zu drücken.

Womit wir beim ersten Problem wären: Es muss ein Hochleistungsmixer sein. Ich selbst liebe meinen Vitamix – eine Investition, die aber nicht jeder tätigen möchte. Das Gerät ist teuer. Zu teuer, um als Staubfänger im Regal zu landen, nur weil die anfängliche Smoothie-Euphorie nicht langanhaltend war. Zugegeben: Einige Rezepte lassen sich mit einem Standard-Mixer zubereiten. Nicht aber zum Beispiel die warmen Schoko-Nuss-Getränke, die dieses Buch trotz anfänglicher Zweifel zu einem der Standardwerke in meiner Küche gemacht haben.

… ein bisschen wie flüssige Nutella!

Aber eins nach dem anderen. Zunächst einmal heißt es Warenkunde büffeln. Was beinhaltet ein gesunder Drink? Welche Kräuter gibt es? Welche Superfoods? Woher kommen sie? Was können sie? Dazu Basic-Rezepte für diverse Pflanzendrinks wie Mandel- oder Cashewmilch. Es folgen die Kapitel „Classic Smoothies“, „Limos“, „Wirldkräuter-Drinks“ und „Power-Drinks Hot & Cold“ sowie zum Abschluss ein ausführlicher Saison-Kalender. So weit so gut.

Wie gesagt: Einige Rezepte lassen sich sicherlich auch mit einem normalen Mixer zubereiten. Der Birnen-Kardomom-Shake mit Pistazien-Fluff etwa. Oder die Wassermelonen-Estragon-Limo – eine tolle Variation zum meinem Lieblingssommerdrink aus Wassermelone und Minze! Mit Letzterer kombinieren die Göbs lieber Beeren in ihrer ebenfalls sehr erfrischenden Erdbeer-Minz-Limo. Sobald aber Nüsse involviert sind, wird es schwierig ohne einen Hochleistungsmixer. Der Macadamia-Schoko-Smoothie ist ein Traum aus einer hellen und einer dunklen Schicht und war der Hit beim Kindergeburtstag meiner Nichte.

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Zu meinen persönlichen Favoriten gehören der Hot-Chocolate-Schock, der genau das ist: heiß, schockierend schokoladig und Dank feiner Levantiner Haselnüsse ein bisschen wie flüssige Nutella! Eine andere Top-Kreation ist die heiße Schoko-Kaffee-Melange, die ich gern am Wochenende als köstlichen Wachmacher zubereite. Zur Erklärung: Ein Hochleistungsmixer erzeugt beim Mixen so viel Wärme, dass man Drinks erwärmen, ja, sogar Suppen richtig heiß machen kann, wenn man ihn einfach drei bis vier Minuten ununterbrochen laufen lässt. Mit einem Standardmixer geht das nicht – einer von zwei Gründen, weshalb ich einen Stern bei der Bewertung abziehe.

Das Superfoodige hat Preis

Der andere Grund: Viele Zutaten erfordern mehr als einen (teuren) Superfood-Einkauf im Biomarkt. Für den Aloe-Gurken-Smoothie mit Koriander etwa braucht man ein Blatt frische Aloe Vera. Gerade in unseren Gefilden wächst die aber nun mal nicht an jeder Ecke. Ich züchte sie seit etwa fünf Jahren in meiner Wohnung – und nein, ertragreich war die Ernte bisher nicht. Für den Weizengras-Smoothie benötigt man frisches Weizengras. Das verkneife ich mir seit Jahren, weil man mir wahrscheinlich eine Kuhglocke um den Hals hängen würde, wenn ich anfangen würde, im Wohnzimmer Rasen anzubauen. Sicherlich kann man das Gras durch Pulver ersetzen, muss dann aber selbst experimentieren, um die richtige Menge zu finden. Angaben zu Alternativzutaten gibt es nämlich nicht.

Ein schönes Buch, dass mir viele Anregungen für neue Geschmackskombinationen und köstliche Warmgetränke gegeben hat. Wer einen Hochleistungsmixer hat, der kann den Sternabzug getrost ignorieren. Wer keinen hat, der wird einen Teil der Rezepte nicht oder nicht perfekt zubereiten können. Wen das nicht stört: bitte sehr, geschmacklich waren alle Rezepte ein köstlich-gesundes Erlebnis für jede Tageszeit, jede Jahreszeit und jede Gemütslage!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2016

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