Kochbuch von Josita Hartanto: Vegan schnell schnell

Kochbuch von Josita Hartanto: Vegan schnell schnell ★★★★☆

Vegan schnell schnell
genial einfach – einfach genial

Josita Hartanto, Fotos Sebastian Happe
NeunZehn Verlag (2014)

Simone Brokmeier

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Als Fleischesser gehört man heute gefühlt fast zu einer aussterbenden Rasse wie seinerzeit ein T-Rex. Vegetarisch oder besser vegan zu essen ist hip, schaut man sich heute die Kochbuchabteilung der verbliebenen Buchhandlungen an. Vegan for fun, for youth, to go, tut gut, lecker, regional und wie sie nicht alle heißen.

Josita Hartantos zweites Kochbuch Vegan schnell, schnell sticht für mich dabei wohltuend hervor: Ihre Kreationen sind so spannend, ansprechend und einladend, dass ich trotz meiner zwei Carnivoren die Herausforderung gerne annahm. Schmeckt vegan auch herkömmlichen Gaumen, kann ich tradierte Geschmacksgewohnheiten zugunsten einer Tier-lieben Küche ändern und ist sie ein Genuss?

Der Beginn – eine Küchenkatastrophe

Der Anfang misslang leider völlig. Nicht nur, dass aufgrund der lediglich für zwei Personen konzipierten Rezepte, der Schnippel- und Koch-Aufwand eben doppelt so hoch ist und demnach in einem Vier-Personen-Haushalt das Essen nicht wie versprochen in 30-45 Minuten auf dem Tisch stehen kann.

Nein, der Spätzleteig funktionierte schlichtweg nicht! Statt Eiern wird dem veganen Teig neben Grieß und Stärke auch Kichererbsenmehl beigefügt (so viel dazu, dass man keine Spezialzutaten bräuchte …) So weit, so gut. Aber der Teig war viel zu flüssig und konnte unmöglich in irgendeine Form von Spätzle geschabt, -presst oder -hobelt werden! Also anteilig mehr von sämtlichen Mehlsorten beigefügt, bis es langsam einem Spätzleteig ähnelte.

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Großartig: Apfel-Gurkensalat, Senf-Dill-Sauce & Kartoffelsotto

Leider nicht der beste Auftakt, zum Glück aber die einzige Schwierigkeit, die es zu meistern galt. Im Gegenteil – die Bouletten aus Kidneybohnen und gekochten Kartoffeln hatten so eine perfekte geschmeidige Konsistenz und schmeckten so lecker, dass diese das Zeug zu einem Klassiker in meiner Küche haben.

Aber Josita (links) wäre nicht eine begehrte Vegan-Köche Europas, hätte sie die Bulette nicht noch mit zwei anderen Krachern kombiniert: ein Apfel-Gurkensalat, der in einem heißen (!) Würzsud durchzieht und eine so simple wie sensationelle Senf-Dill-Sauce. Das ist genau das, was Jositas Küche ausmacht: aus alltäglichen Zutaten geniale Kombinationen zaubern.

Ein so scheinbar bodenständiges Essen wie das Lauch-Kartoffel-Gemüse (von ihr als „Kartoffelsotto“ zubereitet) kommt durch gebratenen Brokkoli und eine Romana-Gremolata groß raus. Dabei ist die Bandbreite ihrer Rezepte von asiatisch inspiriertem Rettich-Tempeh-Salat über deutsche Hausmannskost bis mediterran gegrilltem Romana so enorm, das passt in keine Schublade. Wunderbar!

Inklusive Emotionicons 🙂

Die 90 Rezepte sind wie in ihrem Vorgängerbuch vegan genial in vier Kapitel gegliedert: Suppen/Vorspeisen, Hauptgerichte, Snacks und kleine Sattmacher sowie Desserts und „anderer Süßkram“. Auch das ist typisch für die 1981 geborene Köchin – sie schreibt so jugendlich-frisch und macht ihr eigenes Ding, weil sie es einfach kann.

Da sind Emoticons im Text, sie nennt Sojamilch beim Namen, auch wenn der Gesetzgeber es nicht erlaubt, und verwendet Zucker, weil er ihr schmeckt – überlässt es aber jedem seine eigenen Alternativen zu verwenden. Das ist souverän und hat Stil.

Ganz sie selbst

Als gelernte Köchin mit eigenem veganen Restaurant im Prenzlberg muss sie nicht krampfartig gut-bös-revolutionär sein oder welche Labels auch immer andere Kochbuchautoren brauchen. Warum sie sich diesmal für das knallrote Cover in Shorts und Rollschuhen hat ablichten lassen, wissen wohl nur die Verlags- und Verkaufsprofis. Aber man schaut gerne hin.

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Kniffe fürs schnelle Mogeln

Das Layout selbst finde ich sehr ansprechend: die Rezepte sind klar strukturiert, die Zutaten übersichtlich in Gruppen daneben angeordnet. Kleine Doodles hier und da und feine farbige Linien, die die Überschriften unterstreichen, lockern das klare Weiß angenehm auf. Daneben zu allen Rezepten ein ganzseitiges Foto.

Hier war ich mir allerdings nicht ganz sicher ob ich den Stil des Fotografen uneingeschränkt schätze. Mal kommt der Kürbis zu rot und die Brokkoli-Röschen zu grün (und roh!) rüber, mal erinnert mich die Couscous-Tomate an mein erstes vegetarisches Kochbuch von 1987. Dann aber ist das Arrangement aus grünen Spätzle, Pfifferlingen und roten Zwiebeln so appetitlich, dass ich es sofort ausprobieren wollte.

Zu Beginn jedes Kapitels gibt es praktischerweise nochmal ein eigenes Rezeptregister, begleitet von einem schönen Stillleben – sehr gelungen! Dazu eingangs ein paar grundsätzliche Hinweise zu den Grundzutaten im „Hamsterschrank“, zur Ausrüstung und ein paar generelle Kniffe zum „schnell mogeln“ bevor es losgeht.

Zugegeben, überzeugte Veganer werden wir wohl auch in absehbarer Zeit nicht werden, aber Hartantos Rezepte werden weiter willkommen sein. Als nächstes werde ich die Maroni-Knödel oder den Sesam-Frenchtoast mit Avocado meinen Raptoren auftischen. Ihr Kochbuch inspiriert, lebt Genuss und begleitet mit einem sympathischen wie unkomplizierten Tonfall.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2015

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