Kochbuch von Josita Hartanto: Vegan genial

Kochbuch von Josita Hartanto: Vegan genial ★★★★☆

vegan genial – aufregend anders kochen
Josita Hartanto, Fotos Sebastian Happe Sinémus
Neunzehn Verlag, 2013

Stefanie Will

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Als ich vor drei Jahren anfing, mich vorwiegend – und streckenweise komplett – vegan zu ernähren, wurde ich noch schief angeschaut: kein Fleisch, keine Eier, nicht einmal Milch?! Wie trostlos. Wie lustlos. Und so sahen die wenigen veganen Kochbücher, die es damals gab, auch aus. Im besten Fall war auf dem Cover einfach ein oller Brokkoli zu sehen, im schlimmsten eine Ökolatschen tragende und Karotten knabbernde Mutti. Wollte ich so sein? Nein. Musste ich so sein? Nein. Und das beweist Josita Hartanto mit ihrem Erstlingswerk „Vegan genial – aufregend anders kochen“.

Schon das Cover ist ansprechend. Ja, auch hier ist eine Frau zu sehen. Aber: Sie, die Autorin, ist jung, sympathisch und lässig, wie sie da mit ungestylten Haaren und Ringelsocken im Schneidersitz rückwärts auf dem Küchenstuhl sitzt. Kein bisschen öko, kein bisschen spießig. Vegane Ernährung ist nicht nur modern. Sie ist zukunftsweisend. Und sie kann viel mehr als nur Karotten und Tofuwürfel. Das stellt Hartanto gleich im Vorwort klar: „Ich möchte in meinem Kochbuch nicht Omas alte Rezepte in veganisierter Form oder die 999. vegane Bolognese beschreiben.“ Halleluja!

Dabei fing es mit genau solchen Fleischersatzprodukten an. Hartanto arbeitete als Köchin in einem Berliner Hotel, als sie die vegane Lebensweise für sich entdeckte. Sie „schmuggelte“, so schreibt sie, Tofu und Sojamilch in die Küche und jubelte sie den Menüs unter. Mittlerweile führt sie in der Hauptstadt ihr eigenes Restaurant, das Lucky Leek – „glücklicher Lauch“. Auf frischem Obst, Gemüse und leicht erhältlichen Zutaten liegt auch der Fokus ihres Buches. Exotische Produkte, deren Namen man kaum aussprechen kann, sucht man (fast) vergeblich. Ein paar Zutaten wie Agar Agar, Galgant und Tamarinde sowie nützliche Vorräte, die man im Haus haben sollte, erklärt sie im Glossar gleich zu Beginn – kurz und bündig, um Neulinge nicht zu überfordern und alte Veganer-Hasen nicht zu langweilen. Ebenso hält sie es mit der Übersicht über die wichtigsten Küchenutensilien, wobei auch hier wieder Wert auf Einfachheit gelegt wird. Es muss nicht exklusiv oder teuer sein. Als Schleifstab für ihre Messer benutzt die Autorin einen „für 5 Euro aus dem Asialaden, der voll und ganz seinen Dienst erfüllt“. Und dann kommen die Rezepte, die dem gestandenen Hobbykoch genauso viel Freude bereiten sollen wie dem blutigen Anfänger …

„Vegan genial“ ist unterteilt in vier übersichtliche Kapitel: „Suppen & Vorspeisen“, „Hauptgerichte“, „Snacks & kleine Sattmacher“ sowie „Desserts“. Und genau so klar strukturiert ist auch der Rest des Buches. Auf 224 Seiten tummeln sich fast 100 Rezepte, die alle für vier Personen sind – eine einzigartige Sammlung von Leckereien, die Hartanto im Laufe ihrer 13 Veganer-Jahre eigens kreiert hat. Wie wäre es zum Beispiel mit Koriander-Walnuss-Frikadellen? Oder einem Doppelkeks mit Schokocreme? Blättert man, findet man immer auf der einen Seite die Zutatenliste mit einer kurzen, aber dennoch sehr anschaulichen Anleitung ohne Schnickschnack und auf der gegenüberliegenden Seite ein großzügiges Bild. Meinen Geschmack hat Sebastian Happe Sinémus mit seiner Fotografie leider nicht getroffen: Alles ist sehr aufgeräumt, top-gestylt und makellos, was auf den ersten Blick sogar etwas abschreckend wirkt. Seite für Seite springen einem kleine Kunstwerke entgegen, filigran dekoriert, als würde man im bebilderten Repertoire eines Sternekochs blättern.

Meine Sorge war aber zum Glück (fast) umsonst. Beinahe alle Rezepte ließen sich leicht nachkochen und ohne große Mühe genau so anrichten, wie auf den Fotos. Vor allem die Hauptgerichte sind köstliche Meisterwerke, die nicht nur bei Gästen mächtig Eindruck schinden. Die Kürbiskern-Kartoffelplätzchen mit karamellisiertem Chicorée und Birne etwa sind mein neues Leibgericht und absolut alltagstauglich! Einzig die Desserts bereiteten mir Kopfzerbrechen. Die kleinen Küchlein, die Zitronentörtchen etwa, welche in Muffinformen gebacken werden, wollten sich einfach nicht herauslösen. Auch die Backzeit ist zu knapp berechnet – ein paar Minuten musste ich meistens noch dran hängen. Was aber nichts daran ändert, dass sie vorzüglich schmecken.

Mein Fazit: Vier Sterne für ein fast geniales Kochbuch, dessen Rezepte nicht immer perfekt, dafür aber außergewöhnlich und für Anfänger wie für Fortgeschrittene kochbar sind. Eine tolle Bereicherung für Veganer, Teilzeit-Veganer und alle, die sich davon überzeugen wollen, dass eine pflanzliche Ernährung eben doch nicht trostlos und lustlos ist.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2013

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