Kochbuch von José Marechal: Crème brûlée

Kochbuch von José Marechal: Crème brûlée ★★★★☆

Crème brûlée: Verführerisches Geheimnis der französischen Küche
José Marechal, Hädecke Verlag (2011)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Lässt Nachtisch-Verweigerer schwach werden

Ich kenne niemanden, der Crème Brulée nicht mag. Die Kombination der zuckrigen Knusperkruste mit kühl-schmelzender Sahnecrème lässt selbst Nachtisch-Verweigerer schwach werden. José Maréchal belebt den Dessertklassiker durch 35 köstliche und stimmige Variationen neu.

Der Hädecke-Verlag macht sich seit einiger Zeit mit einer Reihe kleiner Bücher um die kulinarische Welt verdient. Verschiedene Autoren handeln in einem überschaubaren Rahmen, hier auf 72 Seiten, ein spezielles Thema ab. Eine verlegerische Idee, die mich total anspricht. Denn gerade durch die Konzentration auf ein Sujet, habe ich das Gefühl dieses zu durchdringen. Der Erkenntnisgewinn, den ich mir durch das angeleitete Kochen erhoffe, wird so voll erfüllt.

Eine herrliche Zeit liegt hinter mir: In kurzen regelmäßigen Abschnitten habe ich verschiedene Crème Brûlée-Variationen zubereitet und verzehrt. Herrlich, weil die zunächst befürchtete kulinarische Eintönigkeit ausblieb. Maréchal gelingt das, was ich erst angezweifelt hatte: eine abwechslungsreiche Neuinterpretation des bewährten Klassikers. Dabei sind die Rezepte in sich stimmig und keineswegs konstruiert. Unterteilt in die Kategorien: klassisch oder verspielt, aromatisch, gewürzt oder exotisch, fruchtig und Schokolade, Kaffee oder Karamell kreiert er, ohne sich zu weit von seinem Ausgangspunkt zu entfernen, neue Versionen mit eigenem Charakter.

Einige der Crèmes, wie Vanillecreme mit Spekulatius werden zwar nicht karamellisiert, was ich schade, weil eben typisch für Crème Brûlée, finde. Aber das ist natürlich der Endlichkeit einer solch monothematischen Herangehensweise geschuldet. Und es gibt auch Kombinationen, die meinen Geschmack nicht treffen: Crème Brûlée mit Foie Gras finde ich absolut verzichtbar. Daneben bringt er aber auch richtige Knaller, wie die Gefrorene Crème Brûlée oder eine fruchtige und auch etwas leichtere Crème, die mit Möhren und Orangensaft zubereitet wird. Dabei sind die Abweichungen von der klassischen Zubereitungsweise häufig nur minimal, aber eben geschmacklich bedeutend und stets harmonisch.

Die Rezepte sind einheitlich strukturiert mit übersichtlichen Zutatenlisten und einleuchtender Zubereitungsweise. Da kann nichts schief gehen – außer man kann sich nicht entscheiden, welches Rezept man denn nun zuerst machen soll… Schlichte fotografische Stilleben bei denen die cremigen Protagonisten im Vordergrund stehen, runden die Sammlung ab.

Wie José Maréchal dieses kulinarische Thema variationsreich und konsequent durchdefiniert, finde ich durchweg gelungen! Dank ihm kann man nun einen Monat täglich Crème Brûlée essen, ohne dass Langeweile aufkäme…

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2011

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