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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | August 23, 2017

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Kochbuch von Jonas Cramby: Texas BBQ: meat, smoke & love ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Jonas Cramby: Texas BBQ: meat, smoke & love
Rezension

Texas BBQ: meat, smoke & love
Jonas Cramby
Hädecke Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling - zum Schwärmen gut!

Simone Brokmeier Von

meat – smoke – love. Frei übersetzt heißt der Untertitel für mich pure Lebenslust, Spaß, Genuss. Selten hat mich ein Buch gleich beim allerersten Durchblättern so angesprochen, animiert, ja glücklich gemacht, wie Jonas Crambys Anleitung zum Texas BBQ. Aber Vorsicht – wer meint, das sei eine nette Variante vom einfachen Samstag-Abend-Grillen sei gewarnt!

Das allseits bekannte Nackensteak-Würstchen-Auf-den-Rost-Legen ist damit nicht gemeint. Und auch wer glaubt, dass er sich schon mit indirektem Grillen im Kugelgrill Lorbeeren verdient hätte, wird hier schnell liebevoll belehrt, dass BBQ eine ganz andere Hausnummer ist!

Hauptzutat ist Zeit

Aber was ist es dann? Auf jeden Fall das Gegenteil von Fleisch bei großer Hitze schnell garen. Dieses BBQ braucht Zeit. Viel Zeit. Nein, sehr viel Zeit. Die Zubereitung erstreckt sich fast über den ganzen Tag. Erst wird das Fleisch mit einer selbstgemachten Gewürzmischung, die so schöne Namen wie Angel Dust trägt, trocken mariniert. Dann wird der Smoker hergerichtet und das Fleisch für mehrere Stunden sanft im Rauch zur Vollendung gegart.

So ist die viert-wichtigste Zutat neben Fleisch, Gewürzen und Rauch auch Geduld. „Kaufen Sie deshalb im nächsten Baumarkt einen Campingstuhl. Gern mit Flaschenhalter an der Armlehne.“ Es sind Sätze wie diese, wofür ich den Schweden umarmen könnte!

Diese relaxte Haltung, einfach mal das Leben genießen. Ja, ja, ja! freuen sich mein Mann und ich und überlegen, wie wir mit unserem 200 Euro teuren „Einsteigermodell Kugelgrill“ das Smoken nun bewerkstelligen könnten. Schnell war klar, dass dieser nicht wirklich zum Texas BBQ taugt und so haben wir uns spontan noch ein Weihnachtsgeschenk in Form eines echten Smokers gegönnt.

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Unser erstes Testobjekt waren Schweinerippchen (Baby Back Ribs) aus der Region East Texas. Bei seinem Roadtrip mit Familie quer durch Texas, der am Ende des Buches amüsant beschrieben ist, hat Cramby über 80 Original Rezepte gesammelt, zum Teil adaptiert oder variiert, alles genau beschrieben und immer wieder mit witzigen Kommentaren versehen. Zugegeben, ein wenig skeptisch war ich schon, als endlose Rauchschwaden aus dem neuen Smoker zogen und man über vier Stunden bangt ob sich der Aufwand für das Ergebnis tatsächlich lohnt …

Und dann die Sides – mmh

Während mein Mann auf unserer schnee-bedeckten Terrasse den Smokevorgang mit Temperatur und Kohlemenge geduldig überwachte, widmete ich mich in der Küche den Beilagen. Ehrensache, dass bei diesem Festessen auch das Drumherum absolut stilgerecht sein muss. Zum Glück finden sich nach den drei Fleischkapiteln (unterteilt in die Regionen Central, East und West) auch noch jede Menge passende Sides (Beilagen).

Von hausgemachtem Sourdough Bread und mexikanischen Hefebrötchen über Pickles, Beans und Cheesy stuff bis Coleslaw, Salsas und Potatoes reicht sein Repertoire. Man spürt auf jeder Seite: dieser Mann lebt für die authentische texanische Küche. Er liebt das urige Volk und diesen way of life so sehr, dass eine Tochter auch folgerichtig den Zweitnamen Margarita trägt.

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Wem der enorme Fleischkonsum oder das traditionell Männer-dominierte Freiluft-Garen nun zu macho-mäßig rüberkommt, dem ruft der Vater zweier Töchter zu: dieses Buch ist euch gewidmet, meine Mädchen (links ein Foto des Autors)! Auch dass man nicht zu oft Fleisch konsumieren und ohnehin nur Fleisch aus artgerechter Haltung verwenden sollte wird ebenso selbstverständlich wie lässig eingeworfen. Diese unaufgeregte, entspannte Haltung ist es, die mich auf jeder Seite angesprochen hat.

Entspannt und humorvoll

Hier ein selbstironischer Kommentar („ich nickte ihm zu und fühlte mich geschätzte 400 Prozent cooler als ich eigentlich bin“), da ein aufmunterndes Resümee „Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Was habe ich richtig gemacht? Sollte ich noch ein Bier trinken?“, hach, der Mann versteht zu leben. Die Fotos dazu, egal ob von einem Straßenzug oder einem Hotdog, sind genauso appetitanregend und bodenständig, wie das rustikale Essen selbst.

Natürlich will ich nicht jeden Tag Fleisch essen und zu viel Südstaaaten-Flair wäre mir auf Dauer zu einseitig. Aber, so Cramby, in Texas steht BBQ für mehr als nur Essen, es ist Hingabe. Und das finde ich das Reizvolle an dieser Art BBQ: mit Liebe und Geduld, aus Respekt vor dem Tier – unserer Nahrung – ein Fest zu feiern. Eben Fleisch, Rauch und Liebe.

Nachgekochte Rezepte:

Classic Coleslaw
In Bayern macht man Krautsalat ja genauso wenig mit Mayonnaise an wie Kartoffelsalat. Aber seit meiner Zeit in Amerika finde ich ab und an den echten Coleslaw mit Mayo ja schon richtig gut. Hier gefiel mir die Mischung aus rotem mit weißem Kohl und Karotten sowie das würzige Dressing mit zweierlei Senf und Apfelessig sehr gut.

Apple Slaw
Obwohl mein Mann eigentlich keinen Sellerie mag, fand er die Kombination aus Äpfeln, Fenchel und Stangensellerie genau so sensationell knackig, frisch und lecker wie wir.

Baked Sweet Potatoes with Maple Cinnamon Butter
Ich war ein wenig unter Zeitdruck und habe deshalb die Süßkartoffeln nicht im Ganzen, sondern in Scheiben geschnitten gebacken. Aber der Extra-Kick durch die Zimtbutter lohnt auf alle Fälle, auch wenn der Autor selbst diese Idee nur „für wagemutige Geschmacksknospen“ empfiehlt.

Chile con Queso
Die bekannte Nacho-Käse-Sauce zum Dippen kannte ich bislang nur aus mexikanischen Restaurants und nicht selbst gemacht. Zugegeben, ganz gelungen ist sie mir nicht, sie wurde ein wenig fest, aber eine schöne Bereicherung für unser Tex-Mex Festessen war es dennoch.

Frijoles de Olla
Bohneneintopf mit Speck, Bier, Mozzarella, Crème Fraîche und Chili abgeschmeckt. Deftig!

Geschrieben im Mai 2015