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Katharina Höhnk

Kochbuch von John Wang & Storm Garner: New York ★★★★

New York – 88 neue Kultrezepte aus über 40 Ländern, John Wang & Storm Garner, Fotos: John Taggart, Christian Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Laura Skandy

Von

Der „Queens Night Market“ in New York ist ein Gigant der Streetfood-Kultur: Aussteller*innen aus über 90 Ländern präsentieren hier jeden Samstag ihre Spezialitäten, über 15.000 Menschen kommen wöchentlich zum Probieren. 88 der gebotenen Speisen lassen sich mit diesem Buch nachkochen – wenn man einen gewissen Aufwand in Kauf nimmt.

Kochbuchautoren John Wang & Storm Garner
Kochbuchautoren John Wang & Storm Garner

Co-Autor des Buches ist John Wang (Foto links, li.). Er gründete den Queens Night Market, um Menschen die Chance zu geben, trotz horrender Mieten ein gastronomisches Kleinunternehmen aufzuziehen. Das Konzept des Night Markets kannte er von seinen Reisen nach Taiwan. Storm Garner (Foto links, re.), seine jetzige Ehefrau und Absolventin eines Oral-History-Studienprogramms, nutzte die kulturelle Vielfalt des Marktes ab 2018, um die Geschichten der Aussteller*innen festzuhalten. Zusammen haben Wang und Garner in „New York“ einerseits eine eklektische Auswahl der Rezepte des Marktes festgehalten, andererseits die Standbesitzer*innen zu Wort kommen lassen.

Herausgekommen ist ein Werk zwischen Erzählband und Kochbuch. Die Geschichten der Köch*innen handeln von Migration und Flucht, aber auch von fremden Esskulturen, Familientraditionen und dem Leben in New York. Auch zu jedem Rezept gibt es eine kurze Einordnung des Urhebers, in der Hinweise zur Länderküche allgemein und Informationen zur Zubereitung zu finden sind. Das Buchdesign hebt sich vom derzeit gängigen, puristischen Look ab: Bunt ist es, mit vielen Zeichnungen und Fotos vom Night Market.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website & Instagram des Queens Night Market

Große Vielfalt, überfordernde Zutatenlisten

Beim ersten genaueren Blick auf die Rezepte stelle ich fest: Puh, das hatte ich mir entspannter vorgestellt. Viele der Gerichte bestehen aus mindestens zwei, drei Komponenten, jede mit einer Vielzahl an Zutaten. Streetfood bedeutet eben nicht „schnell zubereitet“, eher „gut vorzubereiten“.

Hinzu kommt, dass viele der verwendeten Lebensmittel in Deutschland (und vermutlich auch in den USA) bestenfalls in Spezialläden oder Onlineshops erhältlich sind. Ein kleiner Auszug: Pani-Puri-Oblaten, Pandan-Blätter, getrocknete Granatapfelkerne (anardana), weiße Kalkpaste, Chanachur-Snack-Mix, idli-Reis, Wiri-Wiri-Kirsch-Chili, dehydrierte Kartoffelflocken …

Kochbuch von John Wang & Storm Garner: New York
Kochbuch von John Wang & Storm Garner: New York

Ich habe aus der Vergangenheit gelernt und vermeide mittlerweile die Anschaffung von Spezialzutaten, die ich dann häufig doch nur ein einziges Mal verwende. Meine Küche ist klein! Also wähle ich bewusst Gerichte, die ich weitestgehend mit hiesigen Zutaten zubereiten kann.

Ich beginne im Sommer mit dem Antiguanischen Ginger Beer. Dafür werden Reis und Ingwer aufgekocht, abgekühlt und bei Zimmertemperatur stehen gelassen, sodass sie leicht anfermentieren. Heraus kommt ein ziemlich scharfes, erfrischendes Getränk, das auch als Gastgeschenk gut ankam. Nur die Zuckermenge habe ich drastisch reduziert.

Viele Treffer, ein Rezept mit Fragezeichen

Ein absolutes Highlight sind für mich die guyanischen Ananasplunder, eine Art gefüllter Pie-Teig mit würziger Ananaskonfitüre – die Kombination aus blättrig-buttrigem Teig und Fruchtgeschmack ist absolut perfekt! Auf die herzhafte Seite wechselnd teste ich den sudanesischen Tomatensalat, der mit Sesamöl und Erdnussbutter angemacht wird – ein potenzieller Sommerklassiker!

John Wang:

„Hinter der entspannten Atmosphäre des Queens Night Market stehen ernste Ambitionen: Es soll ein öffentlicher Raum geschaffen werden, der alle willkommen heißt, egal woher man kommt und wie viel man verdient – eine Würdigung der Menschen, ihres Essens und ihrer Geschichten, die New York zu dem machen, was es ist.“

Die polnischen Kopytka, eine Art Gnocchi, mit Butterbröseln und Speck serviert, begeistern ebenso – echtes Soulfood mit wenigen Zutaten. Und die Kimchi-Pfannkuchen sind erstaunlich einfach, schmackhaft und vollwertig.

Nur beim Chotpoti, einem Kichererbsen-Kartoffel-Eintopf aus Bangladesch, stoße ich auf Probleme: Hier stimmen die Garzeiten nicht, es kommt viel zu wenig Salz ans Gericht, unklare Mengenangaben („eine kleine Kartoffel“) zwingen zum Improvisieren. Statt vier Portionen kommen in meiner Rechnung maximal zwei heraus, das Ergebnis empfinde ich als eher durchschnittlich. Vermutlich zeigt sich hier einfach, dass durch die unterschiedlichen Rezeptautor*innen eine gewisse Varianz in der Qualität der Rezeptbeschreibungen nicht ausbleibt. Absolut verschmerzbar, wenn man auf die durchweg sehr guten Resultate der restlichen Testreihe blickt!

Viele tolle Ergebnisse, ein breites Spektrum an Länderküchen. Wer „literarische“ Kochbücher mag, findet hier ein Highlight. Für Freund*innen einer sehr minimalistischen, zutatenreduzierten Küche ist dieses Buch allerdings nichts.

Veröffentlicht im März 2022

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