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Katharina Höhnk

Kochbuch von John Gregory-Smith: Küchenschätze aus dem Libanon ★★★★

Küchenschätze aus dem Libanon –
100 orientalische Rezepte
aus dem Land der Zedern
John Gregory-Smith
Fotos: Nassima Rothacker
Christian Verlag (2020)
Mehr über den Verlag

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Laura Skandy

Von

Die levantinische Küche fand lange Zeit lediglich als Street Food Beachtung und wird nun zunehmend in ihrer Gänze zelebriert – einerseits in der gehobenen Gastronomie, andererseits unter Hobbyköch*innen, die Falafel, Hummus etc. selber kochen möchten. John Gregory-Smith, der lange Zeit im Libanon gekocht und das Land bereist hat, führt in diesem Buch ein in die kulinarische Vielfalt des Landes – und hat bei mir für Aha-Momente gesorgt.

Kochbuchautor John Gregory-SmithJohn Gregory-Smith (Foto unten) ist ein britischer Food-Journalist, der insbesondere über den mittleren Osten und Nordafrika schreibt. Neben seiner Arbeit im Print-Bereich, u. a. für den Daily Telegraph, arbeitet er regelmäßig fürs britische Fernsehen. „Küchenschätze aus dem Libanon“ ist sein sechstes Kochbuch. Darin hat er all jene Rezepte und Inspirationen verarbeitet, die er auf seiner Reise durch das Land mitnehmen durfte, so Gregor-Smith im Vorwort.

Der Einband des Buches ruft „Orient“: ein einschlägiges Muster, Autor, Titel und Untertitel, sonst nichts. Fast schon eine verpasste Chance, den Leser kulinarisch zu locken, finde ich. Dafür wartet das Buch selber mit umso mehr Fotos von Essen, Land und Leuten auf. Eine klassische Struktur nach Gängen und Zubereitungsarten leitet durch das Buch. Exkurse und Themenseiten finden sich keine, der Fokus liegt klar auf den 100 Rezepten. Zu jedem dieser Rezepte findet sich eine umfangreiche Einleitung, die Herkunft, Anekdoten und den ein oder anderen (Einkaufs-)Tipp beinhaltet.

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Vertrautes und Überraschendes

Beim ersten Durchblättern des Buches stelle ich fest: In der ein oder anderen Form habe ich viele der Gerichte schon einmal gegessen oder zumindest gesehen, aber in Gregory-Smiths Variante sind sie oft noch etwas raffinierter komponiert: Geröstete Rote Bete als Mezze kenne ich, aber nicht in der Kombination mit Radieschen und Estragon. Hummus habe ich hunderte Male gegessen, Nüsse und Butter als Topping sind mir jedoch neu. Und auch Kibbeh mit Kürbis und Spinat kannte ich noch nicht. Ganz klassische Rezepte wie Falafel oder Lammspieße finden sich aber ebenso.

Kochbuch von John Gregory-Smith: Küchenschätze aus dem Libanon

Ich lade Freunde zum libanesischen Abendessen ein und beginne erst einmal vorsichtig mit der Hummus-Variante („Kichererbsen mit Zitronen nach Akra-Art“), Falafeln und dem „Zitrusfrüchtesalat mit Halloumi“. Alle Rezepte funktionieren im Großen und Ganzen, allerdings ergeben sich kleinere Unstimmigkeiten: Der Halloumi wird bei mir trotz maximaler Pfannenhitze längst nicht so braun wie auf dem Bild. Und eine „großzügige Prise Salz“ reicht bei Weitem nicht, damit die Falafel den rechten Würzgrad erhalten. Ansonsten ein gelungenes, wenn auch nicht überragendes Essen.

Ein echtes Highlight erlebe ich dann mit dem Hähnchen-Fatteh, das laut Gregory-Smith im Libanon ein Festessen ist – ganz zu Recht! Hier muss man etwas Zeit investieren, wird dann aber mit einem wahnsinnig harmonischen, cremigen, auf den Punkt gewürzten Ergebnis belohnt. Ich entdecke hierbei auch das Siebengewürz „Baharat“ für mich – fast schon eine Geheimwaffe, die jedes (orientalische) Gericht perfektioniert, finde ich.

Ein Buch zum Erforschen

John Gregory-Smith gelingt es mit „Küchenschätze aus dem Libanon“ gut, dem Nachkochenden seine Leidenschaft für levantinische Küche zu vermitteln. Die Rezepte sind leicht nachzukochen, erfordern verhältnismäßig wenig „exotische“ Zutaten und sind schlicht und ergreifend lecker. Für einen kulinarischen Themenabend oder ein bisschen Eskapismus im Alltag also das perfekte Kochbuch.

Analytischere Geister, die sich von einem Kochbuch generelle Informationen zu bestimmten Zubereitungsweisen oder auch ein wenig Warenkunde erhoffen, werden hier eher enttäuscht. Es handelt sich hier eher um eine Rezeptsammlung, die quasi anekdotisch die libanesische Länderküche beleuchtet.

Gute bis sehr gute Resultate, viele persönliche Notizen des Autors und wenig Aufwand beim Einkauf. Klare Kaufempfehlung für Fernwehgeplagte und Freund*innen der levantinischen Küche!

Veröffentlicht im Januar 2021

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