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Katharina Höhnk

Kochbuch von Johanna Maier: Mein Weihnachten ★★★★

Mein Weihnachten –
Ein Streifzug durch den Advent
Johanna Maier
Fotos: Helge Kirchberger
Mood-Foto: Alexi Pelekanos
Servus Verlag (2020)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Sabine Cikic

Von

Weihnachten ist für viele das Fest der Feste. Es verspricht gemütliche Stunden, viel gutes Essen und ein Beisammensein mit der Familie und lieben Freunden. Es ist auch das Fest der Traditionen, denn jeder hat sie: angefangen mit der Plätzchenauswahl für die Adventsbäckerei zu Fragen wie Baum-oder-nicht-Baum, ob und wie die Wohnung geschmückt und herausgeputzt wird bis hin zu Menü- und Musikauswahl für die Feiertage. In „Mein Weihnachten“ stellt uns Johanna Maier ihr „Konzept“ vor und gibt neben Einblicken ins Familienleben praktische Anleitungen an die Hand.

Hach, da kann man schon mal laut aufseufzen und neidisch werden. Johannas Maiers Weihnachten unterscheidet sich doch von „meinen“ Weihnachten erheblich. Zuerst einmal fehlt da natürlich der Schnee, da kann der Berliner Winter natürlich niemals mithalten. Auch das heimelige Gefühl, das sich beim Betrachten der Seiten einstellt, verspüre ich in der Adventszeit oder an den Feiertagen eher selten.

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Man muss sagen: leider. Denn auch wenn es im ersten Moment befremdet, in dem Buch neben nur rund 30 Rezepten auch so viele Bastelanleitungen, Liedtexte und Gedichte vorzufinden, muss ich mir eigentlich eingestehen, dass es vor allem schade ist, dass man diese doch so schöne Zeit des Jahres häufig gar nicht richtig genießen kann. Der Preis, den man zahlt für ein Leben in der Großstadt oder alles schlechte Planung?

Weihnachten ist immer so plötzlich

Die Adventszeit beginnt hierzulande zumindest in den Supermärkten ja bereits im August, sic! Wer wie ich dann lieber noch die Augen verschließt, wird vielleicht kalt erwischt – denn ohne eine gewisse Planung wird es halt nix mit einer besinnlichen Weihnacht. Das weiß auch Johanna Maier, die bereits im Juni die grünen Walnüsse für ihren Nusslikör einlegt oder Blumen und Kräuter trocknet für ihren Winter-Wohlfühl-Tee.

Immerhin die Plätzchenbackplanung habe ich mittlerweile im Griff: Spätestens im Oktober markiere ich meine Backtage im Kalender und ziehe diese dann auch durch. Immer im Programm: Vanillekipferl, bei uns traditionell seit 40 Jahren zubereitet mit Haselnüssen nach dem Rezept einer früheren Nachbarin.

Die Krux mit den Traditionen

Ich fremdle also zunächst mit Johanna Maiers Rezept, das Mandeln verwendet. Dann finde ich den Gedanken apart, die beiden Kekse einem Direktvergleich zu unterziehen. Eine Art Contest, kann das gutgehen? Ja! Denn auch das Maiersche Vanillekipferl schmeckt ausgezeichnet, anders, aber eben doch sehr gut. Als „unsere“ Vanillekipferl schon aufgefuttert waren, waren wir froh, so hervorragenden Nachschub in der Kekskiste zu haben. Was mich natürlich von nun an in ein Dilemma versetzen wird – backe ich jetzt stets beide Varianten, wird das eine neue Tradition?

Das mit dem Musizieren und Singen zu Weihnachten haben meine Eltern früh aufgegeben. Auch kulinarisch waren wir schon früher nie wirklich festgelegt. So kann ich mich den weiteren Rezepten ganz unbeschwert widmen. (Ich gebe zu: Anleitungen für Strohsterne oder Duftorangen lasse ich links liegen, auch erfreue ich meine Mitbewohner nicht mit den zur Auswahl stehenden Liedern und Gedichten.)

In „Mein Weihnachten“ präsentiert Johanna Maier Gerichte, die ich mir gut zur Weihnachtszeit in Filzmoos vorstellen kann: herzhaftes Roggenbrot etwa, Buchteln, Rote-Rüben-Aufstrich. Dass man dort aber nicht „hinter den sieben Bergen lebt“ und auch Johanna Maier ihre Traditionen behutsam anpasst, zeigen Rezepte wie Kurkuma Latte oder Süßkartoffelragout, die fast schon neumodisch wirken im Reigen der Klassiker.

Johanna Maier:

„Es war eines meiner liebsten Rituale: Am 24. Dezember gingen wir mit dem Vater räuchern. Der Geruch von Weihrauch, Myrrhe und getrockneten Kräutern ist für mich und meine Familie fest mit Weihnachten verbunden.“

Mein persönliches Highlight bislang: der unglaublich köstliche, lockere Grießknödel, den Johanna Maier zu gebackenen Entenkeulen mit Maronen serviert. Der ist wirklich so gut, dass er keineswegs nur einmal im Jahr auf den Tisch kommen darf! Wie auch der superzitronige Zitronenkuchen mit einer schier irrsinnigen Menge an feingehacktem Rosmarin und leckeren kandierten Ingwerstückchen. Beim Puderzuckerguss haben wir vorausschauend nur die Hälfte verwendet, der Kuchen war so genau richtig.

Der mit einer raffinierten Panade ummantelte Zander wird vorzüglich begleitet von einer Schnittlauchsauce mit Honig. Ein ganz ungewohntes Geschmackserlebnis, das uns aber voll überzeugt hat. Im Gegensatz zur Selleriecremesuppe, die uns nicht cremig genug, sondern eher von wässriger Konsistenz war. Geschmacklich war sie aber ebenfalls sehr fein und kann im Rahmen eines Menüs sicher am besten glänzen.

Johanna Maier verwendet in ihren Rezepten übrigens häufig und gerne ihre eigens entworfenen Gewürzkreationen, die sie auch online vertreibt. Ich nehme ihr das nicht übel, denn sie hat auch an diejenigen Leser gedacht, die sich die Gewürze nicht unbedingt anschaffen wollen: Auf einer Extraseite wird zu jeder vorkommenden Mischung aufgelistet, welche Einzelgewürze darin vorhanden sind. Nicht immer habe ich wirklich alle einzelnen Zutaten zur Hand, um das Gewürz nachzuahmen, aber doch den allergrößten Teil, sodass ich mit dem guten Gefühl koche, das Ergebnis möge im Sinne Maiers gelungen sein. Auch wenn dann doch das Gefühl in mir nagt, dass die Rezepte mit den „richtigen“ Mischungen noch besser sein könnten …

Johanna Maier zeigt uns ein Weihnachten, wie wir es fast schon vergessen haben. Es wird gebastelt, gesungen und geräuchert, es werden Geschichten gelesen, Gedichte vorgetragen und Plätzchen gebacken. Nach dem Toben im Schnee gibt es heißen Tee oder aufwärmenden Wermut, und selbstverständlich kommt auch das Schlemmen an den Feiertagen nicht zu kurz mit festlichen Hauptgerichten. Aber auch Rezepte für einfache Speisen finden sich in „Meine Weihnachten“, die schon in der Adventszeit für frohe Stimmung sorgen. Für manchen in der Summe vielleicht ein bisschen zu viel Drumrum in Anbetracht der wenigen Rezepte und auch ein bisschen kitschig, dennoch ein schönes Buch, das einen ganz besinnlich werden lässt. Und das ist im oftmals stressigen Advent ja auch was wert.

Veröffentlicht im Dezember 2021

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