Kochbuch von Johan Rockström & Victoria Bignet: Eat Good

Kochbuch von Johan Rockström & Victoria Bignet: Eat Good ★★★★☆

Eat Good – Das Kochbuch, das die Welt verändert. Mit einem Vorwort
von Gunhild Stordalen
Johan Rockström & Victoria Bignet
Fotos: Wolfgang Kleinschmidt
Autorenfoto: privat
Gerstenberg Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Charlotte Schrimpff

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Nur mal kurz die Welt retten? Das geht – mit Messer und Gabel und den Ideen eines Schweden.

Es kann einem schlecht werden beim Lesen. Speiübel. Und vermutlich ist das ein Grund, warum Johan Rockström und seine Mitstreiterinnen den Theorieteil ans Ende ihres Buches gestellt haben und nicht, wie üblich, an den Anfang.

Nicht, dass sie bahnbrechend Neues erzählten (zumindest nicht für die, die sich schon einmal prinzipiell mit den Zusammenhängen von Ernährung und (Planeten-)Gesundheit auseinandergesetzt haben). Aber angesichts dieser Geballtheit kann einem schon ein bisschen anders werden. Es ist ja nicht nur, was wir essen. Es sind auch die Kleider, die wir tragen, die Autos, die wir fahren, die Häuser, die wir bauen, die Urlaube, die wir machen. Unser ganzes westliches Durchschnittsdasein drängt den Planeten an den Rande des Kollapses und es muss wirklich endlich jetzt etwas passieren, damit wir ihn nicht völlig zugrunderichten. In unseren Küchen zum Beispiel, sagt Rockström und liefert das „Wie“ gleich mit.

Speiseplan zur Rettung der Erde

Johan Rockström (Foto links) ist von Haus aus Wissenschaftler und damit ein eher ungewöhnlicher Kandidat für eine Kochbuchautorenschaft. Der gebürtige Schwede leitet mit Ottmar Edenhofer das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und ist Vorsitzender des Advisory Boards der EAT-Stiftung. Letztere hat Anfang 2019 für Furore gesorgt, als sie im Rahmen einer Studie die sogenannte „planetary health diet“ vorstellten, also einen Speiseplan, der die Ressourcen zumindest von Nahrungsmittelproduktionsseite her nicht weiter belastet. Denn Anbau und Verarbeitung unserer Lebensmittel sind für etwa 25 bis 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Heißt: Wenn wir unsere Ernährungsgewohnheiten ändern, ist das ein verdammt guter Schritt in die richtige Richtung.

Wer jetzt um seine Currywurst fürchtet, darf sich entspannen: Die „Planetendiät“ verlangt von niemandem, Veganer zu werden (auch wenn das dem Klima tatsächlich guttut) oder nie mehr Schokolade zu essen (dito). Aber die Dosis macht das Gift: Maximal 300 bis 500 Gramm Fleisch pro Kopf und Woche werden empfohlen (= aktuell verzehrt der Durchschnittsdeutsche mehr als das Doppelte). Und auch das „Was“ ist interessant: Die ressourcenintensiven roten Fleischsorten sollten besonders selten auf dem Teller landen, wirklich wild aufgewachsenes Wild sei am wenigsten bedenklich.

Solche Informationen findet man bei Rockström nicht nur im erwähnten, knapp 65 Seiten starken Theoriekapitel, sondern auch in handlicheren Einheiten bei den Rezepten selbst. Da geht es um Transportwege von Pflanzenöl (Raps sticht Olive), die Sache mit der Saisonalität oder das Thema Lebensmittelverschwendung. Wenn man dann Artischocken mit Kräuteröl als Vorspeise kredenzt, ein „Quinotto“ mit Sprossen und Kräutern zum Hauptgang und zweierlei Schokomousse als Nachtisch, hat man richtig (und) gut gegessen.

Darf es ein bisschen mehr sein?

Theoretisch. So ansprechend, ausführlich und sorgfältig „Eat Good“ gestaltet ist, so schwer tue ich mich mit mancher Empfehlung. Stichwort Quinoa: Mag sein, dass seine Erzeugung viel weniger Wasser verbraucht als beispielsweise Reis. Trotzdem wird auch dieses Pseudogetreide einmal quer um den Globus geflogen, weshalb ich die absolute Klimafreundlichkeit latent infrage stelle. Oder die Sache mit den Eiern und der Milch: Hinten wird betont, wie wichtig es wäre, deren Konsum zu reduzieren – und dann tauchen beide doch in gefühlt jedem zweiten Essen auf.

Zum Weiterlesen

Der Autor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und auf Twitter

Das mag spitzfindig sein – jemand, der sich dem Thema zum ersten Mal widmet, freut sich vielleicht, wenn der Weg von der so fatalen Durchschnittsdiät hin zu mehr Klimafreundlichkeit am Tisch ohne größere Radikalitäten verläuft. Mich persönlich hat diese Inkonsequenz allerdings ein bisschen gestört. Wobei das auch alles ist, was es zu meckern gibt: Die probierten Rezepte von Malin Landqvist klappen und schmecken, und das komplette Antlitz des Buches ist nichts als wunderschön.

Also: Wer das mit der Weltrettung in der eigenen Küche versuchen will, holt sich Rockströms „Eat Good“ dazu. Die Klimasuppe, die er einem eingebrockt, löffelt sich ziemlich entspannt. Plus: Sie tut nicht nur dem Planeten gut, sie dürfte auch den eigenen Organismus freuen, schließlich decken sich die Empfehlungen für eine klima- und gesundheitsfreundliche Ernährung fast nahtlos. Win-win!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2019

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