Kochbuch von JJ Goode, Helen Hollyman et al.: Munchies

Kochbuch von JJ Goode, Helen Hollyman et al.: Munchies ★★★☆☆

Munchies – Late Night Meals from the World’s Best Chefs
JJ Goode, Helen Hollyman, and the Editors of Munchies
Fotos: Brayden Olson, Illustrationen: Justin Hager
Ten Speed Press (2017)

Maria Kufeld

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Was kommt bei den weltbesten Köchen auf den Tisch, wenn sie die Nacht zum Tag machen? Die Serie Chef’s Night Out von Munchies zeigt es. Das erste Kochbuch des Vice-Senders lässt nach über 200 Episoden Revue passieren – mit schmutzigen Gerichten, starken Bildern und einem eingeschnappten Mario Batali.

„We have an amazing cookbook available to help you get into shape for a very cold winter“, frötzelt Chris Grosso, Produzent von Munchies und Viceland auf Instagram und trifft damit charmant ins Schwarze. Denn wenn das Buch etwas ist, dann vor allem ziemlich krass. Üppige bis üppigste Gerichte, überladene Fotos, an denen ordentlich an Kontrast und Sättigung geschraubt wurde. Und das alles von Promi-Chefköchen wie David Chang oder Anthony Bourdain.

Insgesamt 75 Köche, die in der Sendung Chef’s Night Out zu sehen waren, versammeln sich im ersten Munchies-Kochbuch. Das Konzept der Serie? Ein Chefkoch nimmt seine Freunde und den Zuschauer nach Feierabend mit in die Stadt, um in seinen Lieblingsrestaurants, Imbissbuden und Bars zu essen und – pardon – zu saufen. Tatsächlich eskaliert die eine oder andere Folge ob des exzessiven Alkoholkonsums etwas. Die Zunge wird locker, die Sprache teils unverständlich, und zu später Stunde gehen auch gern mal Gläser zu Bruch. Und wenn man denkt, da geht jetzt nichts mehr, kehren die Köche zurück in ihren Laden, um der Mannschaft ein Lieblingsgericht oder Signature Dish zu kredenzen.

Von Late-Night-Carbonara bis Foie gras

Genau die wurden für das Buch gesammelt. Unterteilt in die Kapitel „Drinks“, „Sandwiches“, „Dinge mit Tortillas“, „Hardcore“, „Nudeln, Reis und Getreide“, „Fleisch und Fisch“, „Dessert“ und „Der Morgen danach“ schwelgt man einmal um die Chefkoch-Welt. Manchmal sympathisch einfach mit einer „Late-Night-Carbonara“, dann wieder aufwendig à la Fernet-Branca-Ingwerbrot mit Foie gras oder ziemlich exklusiv wie das Rührei mit Seeigel.

Selbst wenn man nicht vorhat selbst zu kochen, macht das Durchblättern verdammt viel Spaß. Für die Einheitlichkeit hat Justin Hager die Köche in Porträts illustriert, Brayden Olson das Essen opulent fotografiert. So unterteilt sich jedes Gericht in den Text über Koch, Restaurant, Anekdoten der jeweiligen Chef’s-Night-Out-Folge und dem dazugehörigen Rezept. Zwischendurch finden sich amüsante Anleitungen für „How to drink Vodka like a Russian“ oder „How to do Caviar right“.

Vor der Logistik des Buches ziehe ich den Hut. Der Aufwand, im Nachgang ein Best-of zu recherchieren und so ansprechend versaut zu präsentieren, war garantiert harte Fleißarbeit. Und dass das Format ein entsprechendes Standing hat, wird nicht zuletzt davon unterstrichen, dass Mario Batali das Vorwort geschrieben hat. In dem fragt er sich, warum mit ihm noch nicht (durch-)gedreht wurde. Als langjähriger Fan des Formates findet er: „The show has a beautiful premise: you get to see not only what chefs actually like to eat late at night, at the end of a long shift, but also who they are.“ Bis dahin kann und muss man wirklich sagen: ein spannendes Projekt hochwertig umgesetzt.

Gefrorenes Gemüse und jede Menge Essig

Doch beim Nachkochen fallen mir leider immer wieder Schnitzer auf. Einmal kommen gefrorene Erbsen in ein Nudelgericht, die laut Beschreibung an keiner Stelle aufgetaut bzw. blanchiert werden. Darauf musste ich zwischendurch selbst kommen. Noch schwieriger wurde es, wenn Mengenangaben am Ende nicht passten. So geschehen bei dem Fried Rice. Ein halber Cup Essigpickles versaute alles. Bei einem Garnelen-, Feta-, Tomatentopf blieben so viele Shrimps übrig, dass ich am nächsten Tag noch ein Curry gekocht habe.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Website von Munchies

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Jetzt kann man oder Munchies als Verteidigung vorbringen, dass sie in erster Linie nicht für korrektes Essen, sondern für extreme Kulinarik stehen. Ob Kochen mit Gras, der Selbstversuch beim ekligsten Pizzaservice Deutschlands oder wie man sechs Bier in 40 Sekunden trinkt – alles Geschichten, über die die Vice-Tochter eine Sendung gemacht oder einen Text geschrieben hat.

Und überhaupt: Der Name „Munchies“ verrät ja schon viel. Schließlich nennt sich so auf Englisch der Fressflash, den man bekommt, wenn man kifft und daraufhin alles Essbare – und davon ziemlich viel – in sich hineinstopft. Unkontrolliert und sicherlich nicht nach Rezept. Aus dem Grund bin ich gefühlt nachgiebiger mit den Fehlern. Korrekt sind sie trotzdem nicht. Zumal sie das so aufwendig produzierte und optisch wertige Buch in seiner Qualität doch etwas schmälern.

Selten habe ich so viele ungesunde bis unverschämte Gerichte (Rührei mit Chips – Hallo?) gesehen, die ich sofort essen wollte. Munchies kommt aus den U.S.A. Entsprechend üppig bewegt sich das Buch oft zwischen Chicken Wings, Nachos und Mac and Cheese. Perfektes Après-Suff-Futter, bei dessen Anblick man das Kochen glatt überspringen möchte. Da ist es wirklich schade, dass bei den Rezepten gelegentlich geschludert wurde.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2019

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