Kochbuch von Jenny Linford: Tomate

Kochbuch von Jenny Linford: Tomate ★★★★☆

Tomate. Kochen – Braten – Einmachen
Jenny Linford
Fotos Ryland Peters & Small
Thorbecke Verlag (2016)
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Ulrike Thyll

Von

Das österreichische Wort „Paradeiser“ trifft es für mich am besten: die Tomate ist DAS paradiesische Sommergemüse schlechthin und verspricht mit ihrer Prallheit und ihrer roten Farbe Genuss pur.

Die Tomate ist außerdem vielseitig genug, um Stoff für ganze Kochbücher zu liefern und wer eine Tomatenschwemme im Garten hat, wird froh sein über reichlich Rezepte an einem Ort versammelt. Tomatenkochbücher gibt es auf dem Markt allerdings schon einige.

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Der schnelle Wohlfühleffekt

Das Tomatenbuch von Jenny Linford, einer bekannten britischen Food-Journalistin und Autorin zahlreicher Kochbücher, ist ein Alltagskochbuch im besten Sinne. Die 75 Rezepte aus den Bereichen „Kleine Happen“, „Suppen und Salate“, „Geflügel, Fleisch und Fisch“, „Gemüsegerichte“, „Reis- und Nudelgerichte“, „Brote und Gebäck“, sowie „Saucen, Salsas und Eingemachtes“ benötigen nicht mehr als zehn Zutaten pro Gericht, alle entweder sowieso in gut sortierten Küchen vorrätig oder leicht im Supermarkt zu beschaffen, und die meisten Gerichte sind in etwa 30 Minuten zubereitet und unkompliziert.

Wer wie Jenny Linford für Zeitungen wie The Guardian und The Times schreibt, muss Rezepte anbieten, die den Wohlfühlfaktor fürs Wochenende versprechen, ohne dass es in Arbeit ausartet.

Das Buch selbst kommt recht bescheiden daher: mittleres Format, mattes Papier, zahlreiche ganzseitige Bilder mit reduziertem Styling, übersichtliche Strukturierung des Rezeptdrucks, häufig illustriert durch das gegenüber positionierte Foto. Es finden sich eine Reihe von Klassikern, wie Gazpacho, Ketchup, Panzanella, Pizza, aber auch zahlreiche weniger gängige Rezepte aus aller Welt oder Variationen von Klassikern.

Dazwischen streut Jenny Linford Kapitel über Tomatensorten und den Umgang mit Tomaten in der Küche, Selbstanbau, passende Küchenpartner, Tomatenerzeuger in verschiedenen Ländern und ein Plädoyer für den Erhalt unseres Tomatenerbes. Hier finden sich nützliche Informationen, die allerdings wegen der Beschränkung auf eine oder zwei Seiten jeweils nur Basisinfos sein können.

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Unnötige Skepsis

Vor Beginn der Kochversuche war ich eher skeptisch, ob die Gerichte überhaupt Spaß machen würden. Hatte ich das nicht alles so oder so ähnlich öfters schon mal gemacht und woanders stehen?

Ich war schnell positiv überrascht. Die Ergebnisse der kurzen Kochoperationen waren allesamt wohlschmeckend und es ist doch wirklich eine Menge wert, wenn man mal schnell was Leckeres zaubern kann ohne großen Aufwand. Ihr Gazpacho-Rezept (links ein Foto der Autorin) ist im Handumdrehen fertig, zumal ich mir endlich einen Sparschäler zum Entfernen der schlecht verdaulichen Paprikahaut zugelegt habe und nun auch noch das lästige Rösten im Backofen wegfallen lassen konnte.

Die Kombination von Melonen und Tomaten im Salat hatte ich vorher noch nie gewagt und fand sie herrlich erfrischend. Durch Ersetzen der vorgeschlagenen Grundzutaten kann man die Rezepte zusätzlich noch einfach aufpeppen. So habe ich z. B. Rotweinessig durch zufällig vorhandenen Paprikaessig ersetzt, wenn Paprika im Rezept verwendet wurde oder einfach Eier in das Tomaten-Speck-Gratin geschlagen und es zum Frühstücksgericht umfunktioniert.

Jenny Linfords Kochbuch bietet Alltagsköchen und -köchinnen aller Kompetenzstufen zahlreiche Anregungen zur Variation ihrer Küche oder zur Bewirtung von Gästen. Wer ein Kochbuch zur schnellen Bewältigung einer Tomatenschwemme sucht oder saisonal viel mit Tomaten kochen möchte, ist hier richtig. Die Betonung liegt auf „unkompliziert“: Vorkenntnisse in Küchentechnik sind nicht erforderlich. Tomaten brauchen nicht viel Gedöns, um in ein schmackhaftes Gericht verwandelt zu werden. Das ist der Anspruch dieses Kochbuchs, den es voll erfüllt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2017

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