Kochbuch von Jenny Linford: Knoblauch

Kochbuch von Jenny Linford: Knoblauch ★★★★☆

Knoblauch – Über 65 fantasievolle
Rezepte mit der beliebten Knolle
Jenny Linford
Fotos Clare Winfield
ars vivendi (2016)

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wenn man sich im Familien- und Freundeskreis mit Kulinarischem beliebt machen will, gibt es Themen, die sich deutlich besser eignen als andere. Mit Kuchen, Weihnachtsplätzchen und Desserts stehen die Chancen nicht schlecht – Knoblauch ist wohl eher ein Wackelkandidat.

Unterboten wird Knoblauch auf der Beliebtheitsskala allenfalls noch von Innereien, und auch mein Lieblings-Mittester mag sich diesmal angesichts meiner selbstverschuldeten Herausforderung partout nicht solidarisch erklären. Mein „Projekt Robinson“ will daher gut geplant sein. „Projekt Robinson“, das ist mein Arbeitstitel für ein kleines Dinner im Zeichen des Knoblauchs. Gemeinsam mit Freunden – der eine Teil knoblauchenthusiastisch, die andere skeptisch, aber immerhin neugierig genug wollen wir ein paar der Rezepte verkosten. An einem Freitagabend, versteht sich, zwecks Vermeidung olfaktorischer Spätfolgen in maximaler zeitlicher Distanz zum Montagmorgen (und natürlich auch, weil „Freitag“ überhaupt der passendste aller Wochentag für ein Projekt namens „Robinson“ ist).

Die vielen Facetten des Knoblauch

Aber zunächst zum Buch. Nach „Aus Milch gemacht“ und „Tomate“ ist es bereits das dritte aus der Feder der Britin Jenny Linford (Foto links), bei dem sie ein einziges, vielseitiges Lebensmittel in den Mittelpunkt rückt. Zur Einführung stellt sie „Familie Knoblauch“ vor: Allium Sativum und seine botanischen Verwandten wie Elefantenknoblauch oder Bärlauch, aber auch veredelte oder konservierte Formen wie schwarzer, frittierter oder eingelegter Knoblauch. Welche Abbildung zu welcher Beschreibung gehört, kann ich mangels Bildunterschriften leider nur (halbwegs) erraten.

Die Rezeptauswahl ist bunt und – wen wundert’s – eher herzhaft als lieblich. Dips, Fleisch, Salate, Fisch, Gemüse, Meeresfrüchte, Pasta, Kartoffeln, Brot, Suppe, mal mediterran, mal orientalisch oder asiatisch, mal einfach, mal edel, da wird wirklich jeder fündig. Viele Rezepte kennt man so oder ähnlich, von Tzatziki (bei dem Knoblauch bekanntermaßen nicht fehlen darf) bis Hummus (das ich persönlich eigentlich lieber „ohne“ genieße).

Die Kapitelüberschriften „Milder Knoblauch“, „Die Sonnenseite des Knoblauchs“, „Soul-Food“, „Feuriger Knoblauch“, „Wilder Knoblauch: Bärlauch“ und „Knoblauch zum Fest“ geben nicht allzu viel Orientierung, aber bei gerade einmal gut 65 schön bebilderten Rezepten ist das kein Grund, sich zu verlaufen.

Zwischen den Rezepten finden sich außerdem kleine Exkurse rund um den Knoblauch und Kultur, von Anbau, Zubereitung und Lagerung über seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bis zu Knoblauchfestivals, und natürlich darf auch der Volksglaube nicht fehlen, der wesentlich mehr zu bieten hat als Vampire.

Was ich aber vermisse: Neue Kreationen oder wirklich ungewöhnliche Kombinationen finde ich kaum, wenig Überraschendes oder gar Irritierendes. Überhaupt rückt die Knolle selbst selten so richtig in den Mittelpunkt – bei den allermeisten Rezepten bleibt sie mit ein bis zwei Zehen eine Zutat unter vielen, und Rezepte mit „Knoblauch pur““, wie etwa die im Salzbett im Ofen gegarten Knoblauchknollen, die ich bei Arthur Potts Dawson kennenlernen durfte, gibt es gleich überhaupt nicht.

Aber nun zu „Projekt Robinson“: Damit es nicht allzu harmlos ausfällt, muss ein Rezept in den Mittelpunkt, das Knoblauch im Namen trägt und ihm alle Ehre macht – die Wahl fällt auf „Huhn mit vierzig (!) Knoblauchzehen“. Eine gute Wahl, ein köstliches Huhn, dem tatsächlich alle etwas abgewinnen können. Und auch die weiteren Kostproben aus dem leichtfüßigeren Teil des Sortiments schließen sich da nahtlos an – tadellose Rezepte, solide und verlässlich. Die Herausforderung, das Feuerwerk, das ich mir erhofft hatte, ist ausgeblieben. Dafür hat „Knoblauch“ einen festen Platz unter meinen aktuell liebsten Alltags-Kochbüchern erobert. Damit hätte ich wiederum überhaupt nicht gerechnet.

Knoblauch – ein heikles Thema? Nicht für Jenny Linford. „Knoblauch“ ist ein freundliches Feelgood-Kochbuch mit abwechslungsreichen Rezepten, alltagstauglich und auch für Knoblauch-Einsteiger geeignet. Eine ansprechende Rezeptauswahl hat sie da zusammengetragen. Schade jedoch, dass sie dem unverwechselbaren Charakterdarsteller nur immer wieder die Nebenrolle zuteilt. Für Fortgeschritten-Neugierige und echte Knoblauch-Enthusiasten ist da noch Luft nach oben.

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2017

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