Kochbuch von Jenny Linford: Aus Milch gemacht

Kochbuch von Jenny Linford: Aus Milch gemacht ★★★☆☆

Aus Milch gemacht – Joghurt, Ricotta
& Crème fraîche selbst herstellen
und in leckeren Gerichten verwenden
Jenny Linford, Fotos Clare Winfield
Thorbecke Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Sabine Dullinger

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Das Buch von Jenny Linford über die Herstellung von Milchprodukten hat mich als kulinarisch interessierten Menschen sofort fasziniert. Besonders das Cover des Buches inspirierte mich. Verführerische Erdbeeren und Maracuja blickten mir entgegen und lösten bei mir den Wunsch aus, sie sofort zu kosten. Mich hat besonders die Idee angesprochen, wie einfach doch in der eigenen Küche eine Käserei entstehen kann.

Jenny Linford ist eine englische Autorin, die neben einem Restaurantführer auch in mehreren Zeitungen wie z.B. The Guardian und The Times Artikel veröffentlicht hat. Sie möchte mit dem Buch beim Leser das Interesse für Milchprodukte und deren Vielfalt wecken und ihm die Möglichkeit bieten, in seinen eigenen vier Wänden nebenbei eine kleine Käseproduktion zu betreiben. Dabei wird dem Leser aus wenigen Zutaten, ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker ein großes Repertoire an Gaumenfreuden dargeboten.

kochbuch-aus-milch-gemacht-jenny-linford-autorin-valentinasGrundprodukt – Rohmilch

Wie immer ist für ein gutes Endprodukt ein einwandfreies und natürliches Grundprodukt wesentlich. Daher greift Jenny Linford auf Rohmilch, also nicht pasteurisierte und nicht homogenisierte Milch zurück. Schwierig tat ich mir bei der Beschaffung dieser Rohmilch. In ganz Deutschland gibt es nur noch ca. 40 Bauern, die offiziell Rohmilch verkaufen dürfen. Die Bezugsquellen im hinteren Teil des Buches halfen hier leider nur bedingt weiter. Wer lässt sich schon einen Liter quer durch die ganze Republik schicken …? (Links: die Autorin)

Ich habe sie durch normale Bio-Vollmilch mit einem erhöhten Fettanteil ersetzt und die Endprodukte konnten sich trotzdem sehen lassen. Wenn auch leider nicht formvollendet.

Von Butter über Buttermilch bis Käse auf Feta-Art

Das Buch ist in 16 Kapitel unterteilt, jedem Milchprodukt ist ein eigenes ausführlich beschriebenes gewidmet. In jedem Kapitel wird erst die Herstellung beschrieben, dann folgen Rezepte aus den hergestellten Produkten. Jedes Rezept wird mit ansprechenden im Shabbylook gehaltenen Bildern von Clare Winfield in Szene gesetzt.

kochbuch-aus-milch-gemacht-jenny-linford-inside-valentinasDa für mich zum Glücklichsein ein gutes Butterbrot genügt, begann ich meine Reise durch die Rezepte mit der Herstellung von Butter. Ich war überrascht, dass die Produktion ein Kinderspiel war und das Ergebnis im Gegensatz zur herkömmlichen Butter aus dem Supermarkt wunderbar streichfähig.

Interessant war für mich ebenfalls die Herstellung von Mascarpone. Das hierzu benötigte Lab kann problemlos in der Apotheke besorgt werden und so war die Erzeugung von Mascarpone eine Leichtigkeit. Denkbar einfach, nur ein paar Stunden Geduld sind gefordert. Ebenso ist bei den anderen Käsen ein wenig Zeit gefordert, bis ein köstlicher Ricotta oder aber auch Joghurt entsteht.

Über die begleitenden Rezepte

Auch die Folgerezepte sind allesamt deutlich und klar formuliert und somit gelang mir jedes Rezept ohne Probleme. Aber oft sind es Gerichte, die leider die hergestellten Milchprodukte an den Rand des Geschehens setzen. Zwar gab es Rezepte für aromatisierte Butter mit Fenchel, Chili und Safran oder Ricotta-Spinat-Klösschen und Joghurt-Spinat-Suppe, die sich auf das Masterpiece konzentrieren.

Aber das ist nicht immer der Fall wie bei dem Orangensirup-Grießkuchen mit dem Klacks Crème fraîche und bei den Mais-Muffins. Auch das Buttermilch-Brathähnchen ist zu erwähnen, das in der kostbaren selbstgemachten Buttermilch nur mariniert und dann weggetan wird, und schließlich als letztes Beispiel die Spargel-Lamm-Tacos, bei dem der Feta es nicht mal in den Titel schafft.

Es sind zudem Aromenkombinationen, die mich kaum überraschten, wenn sie auch ansprechend sind, aber das schreibt eine erfahrene Köchin. Hierüber kann man trefflich diskutieren und das haben wir auch. Nur bei der Rharbarber-Mascarpone-Tarte setzte die italienische Creme jenen besonderen Akzent, die eine selbst hergestellte verdient.

Ich kann das Buch jedem Leser empfehlen, der eine ausgeprägte Liebe zu selbstgemachten Produkten hat. Es ist ein solides und schönes Kochbuch mit gelingsicheren Rezepten und einem Fokus auf den tatsächlichen Milchprodukten. Diese können in der eigenen Küche großes Entzücken auslösen und einen zum Staunen bringen. Nur der Part der 40 Rezepte, bei denen die selbst hergestellten Milchprodukte verwendet werden, fiel aus meiner Sicht sehr blass aus, das will hier berücksichtigt werden. Die mit Aufwand hergestellten Milchprodukte stehen hier nicht immer im Mittelpunkt, wie sie sollten. Darüber kann man aber auch hinwegsehen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2015

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