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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 27, 2017

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Kochbuch von Jean-François Mallet: Simplissime ★ ★

Kochbuch von Jean-François Mallet: Simplissime
Rezension

Simplissime – Das einfachste Kochbuch der Welt
Richtig gut kochen mit maximal 6 Zutaten
Jean-François Mallet
Edition Michael Fischer (2016)

ZWEI STERNE: Begeisterung sieht anders aus.

Doris Brandl Von

Seien wir ehrlich – auch als Könner hat man eine Sehnsucht nach Simplizitäten zwischen Montag und Freitagmittag. Eine schöne Vorstellung: kurze Einkaufsliste, ratzfatz zubereitet und dann einfach nur noch genießen! Als Kochprofi müsste es Jean-François Mallet wissen, ob und wie es gehen kann – und das möchte ich auch wissen.

Über sich selbst verrät Jean-François Mallet (Foto unten) nichts in seinem Kochbuch. Ein wenig habe ich dennoch aufgespürt, dank Internet. Nach seiner Kochausbildung an einer berühmten französischen Kochschule und einigen Arbeitsjahren unter großen Küchenchefs wie Lenôtre, wechselte er zur Fotografie. Vom Fotoreporter bis zur Spezialisierung auf Food-Fotografie war es nicht weit, und nun hat der 49-jährige beide Leidenschaften zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

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Es ist ein schwergewichtiges Mammutwerk von knapp 400 Seiten mit einem schwarz/gelben Cover – plakativ und irgendwie grob. Auch die üppige Papierstärke verwundert mich. Zwar hält sie sicherlich vielen Fettflecken aus der Küche stand, sorgt aber zusammen mit den großformatigen Bildern und Schriften nur unnötig für Gewicht und Umfang. Nun aber zu den inneren Werten.

In der knappen Gebrauchsanweisung von Simplissime verspricht Mallet geniale Kombinationen von Aromen für jeden Geschmack, sowohl leckere kleine Gerichte wie auch für Gäste geeignet. Na hoppla, ganz schön hochgegriffen. Erstaune mich, Monsieur Mallet – ich warte!

 
Aufbauanleitung anstatt Rezept – IKEA lässt grüßen

Es folgt eine kurze Auflistung, was im Haushalt vorhanden sein sollte. Vom fließenden Wasser bis zur Pfanne, gefolgt von Grundzutaten wie Ölsardinen, Nudeln, Sojasauce. Die wichtigsten Küchentechniken wie Eischnee schlagen, marinieren, reduzieren, Sahne steif schlagen werden stichwortartig erklärt. Zum Schluss noch wichtige Utensilien, von Handrührgerät, Pürierstab und Mixer bis zur Küchenmaschine.

Einmal umgeblättert und schon geht’s los mit den Rezepten. Ach nein, er nennt es ‚Aufbauanleitung‘ – wie für schwedische Möbel. Sie besteht aus max. 6 Zutaten in 6 Bildern mit Mengenangaben. Bei Zucchini steht dann z.B. „x 2“ darunter. Kleine Männchen zeigen an, für wie viele Personen das jeweilige Rezept berechnet ist. Dazu noch die Zeiten für Vorbereitung und das Kochen + höchstens 8 Zeilen Zubereitungstext. Manchmal reicht für beides auch eine Seite, trotz großformatiger Bilder und Text. Einerseits fühle ich mich mit diesem Layout kurzzeitig in mein erstes Schuljahr zurückversetzt. Andererseits erscheint Kochen hier tatsächlich frappierend simpel.

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Gestartet wird mit kleinen Häppchen wie den Parmesan-Oregano-Chips, dann Suppen, Salate, Pastagerichte, Pizzen, Tartes, Gratins, sehr viele Fleischgerichte, Fisch, Gebäck, Nachspeisen und Kuchen. Zum Schluss folgt das Inhaltsverzeichnis in der Reihenfolge: Aperitifs , Vorspeisen, Hauptgänge, Desserts und abschließend das Register nach Zutaten sortiert.

Passend zu einem warmen Spätsommerabend nehme ich mir als ersten Versuch die kalte Ratatouille vor. Die dazugehörige Minze überwuchert sowieso schon meinen Balkon. Das Gemüse soll nur farblos angebraten werden und dann 45 Minuten köcheln. Ergebnis: eine langweilige matschige Masse! Auch die Minze rettet nichts mehr. Das war eindeutig zu lang – nur ein Druckfehler? Leider hat sich Monsieur Mallet ja auch das Limit von 6 Zutaten auferlegt, so kommen sowohl hier wie auch in vielen anderen Rezepten kaum Kräuter und Gewürze (außer Salz und Pfeffer) zum Einsatz. Und die sind es doch gerade, die ein Gericht erst interessant machen. Da muss ich ordentlich nachbessern, wenn ich am Tisch keine lustlos im Essen herumstochernden Gesichter sehen will.

Auch die Sorgfalt lässt teilweise zu wünschen übrig. Bei den Lamm-Mango-Spießen steht als Zutat nur Lammfleisch, aber ob aus der Keule, Rücken oder Filet – das bleibt der Kenntnis des erfahrenen Kochs überlassen. Beim Thai-Salat stehen 400 g Rindercarpaccio auf der Zutatenliste. Den Metzger, der mir überhaupt und noch dazu diese Menge aufschneiden würde, habe ich noch nicht gefunden. Wie ich mir geholfen habe (natürlich mit entsprechend mehr Zeitaufwand), steht unten im Rezept. Hier trafen trotzdem mal die 6 Richtigen (Zutaten) aufeinander – für einen leckeren Salat.

Kulinarik – Gut so oder geht’s noch?

Für einen anstehenden Kinderbesuch wollte ich mit Spaghetti Bolognese überraschen. Bei diesem Rezept wird das rohe Rinderhackfleisch zusammen mit den gekochten Nudeln zur Sauce gegeben, die nur aus angebratenen Zwiebeln, Tomaten und Wasser besteht. Zum Schluss kommt wenigstens noch Basilikum, Salz und Pfeffer dazu. Das Fleisch wird nicht vorher angebraten. Der Parmesan fehlt auf der Zutatenliste (wäre ja auch Zutat Nr. 7 gewesen), soll aber laut Text dann doch noch drübergestreut werden. Wo bleiben Knoblauch, Thymian und Rosmarin? Die Küche muss duften, das macht doch den Reiz des Kochens aus und lässt alsbald den Magen wohlig knurren. Aber bei Tomaten-Wasser-Sauce drehe ich lieber den Herd ab.

Natürlich darf man nicht mit der Erwartung kulinarischer Raffinesse herangehen, aber mit der des Geschmacks ja doch. Ein gradliniges Aroma auf der Basis eines schlichten Rezepts kann die Stärke in seiner Klarheit haben. Aber hier wurde leider auf Teufel komm raus an allem gespart, was Kochen ausmacht, damit es das Konzept erfüllt. Ich frage mich, welcher Anfänger begeistert mit diesem Ratgeber beim Kochen bleibt?

Nachgekochte Rezepte:

Parmesan-Oregano-Chips
Es funktioniert, allerdings waren mir die Chips zu salzig und scharf.

Zucchini-Gazpacho mit Basilikum
Man muss schon ordentlich Pesto dazugeben, damit das Ganze Geschmack bekommt. Ergebnis: es geht – mehr nicht.

Kürbissuppe mit Haselnüssen
Nur Sahne, Nussöl , Salz und Pfeffer machen noch keine leckere Kürbissuppe aus. Da fehlt mir der Feinschliff.

Linsensalat mit Lachs und Estragon
Mit Hilfe von reichlich Senf wird der Salat etwas interessant. Ich habe ihn mit Balsamico abgerundet. Aber Begeisterung sieht anders aus.

Kalte Ratatouille mit Minze
Schade um das schöne Gemüse. Nach nur farblosem Anbraten und 45 Minuten Kochzeit ist das Ganze eine matschige Masse, obendrein langweilig, da hilft auch keine Minze, Salz und Pfeffer.

Auberginengratin
Erstaunlicherweise funktioniert die kräuterfreie Variante, wenn auch die Auberginen selbst langweilig und geschmacklos bleiben. Hier fehlt zumindest das vorherige Anbraten der Auberginen.

Überbackener Lauch mit Reblochon
Halbierte Lauchstangen werden mit reichlich Käsescheiben belegt, gesalzen und gepfeffert und ab in den Ofen. Durch den fetten Käse wird wirklich nichts weiter benötigt und der Lauch wird trotzdem weich. Dazu gehört unbedingt ein frischer Salat.

Geschrieben im Februar 2017