Kochbuch von Jane Lawson: Das Winterkochbuch

Kochbuch von Jane Lawson: Das Winterkochbuch ★★★★★

Das Winterkochbuch.
120 Rezepte die Leib und Seele wärmen
Jane Lawson, Fotos B. Stevens
Christian Verlag (2009)
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Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Um ganz ehrlich zu sein: Diesem Buch stand ich skeptisch gegenüber. Erstmal, was soll das überhaupt sein, ein Winterkochbuch? Ist doch eine bisschen allgemeine inhaltliche Klammer. Und dann die Umschlaggestaltung: Schlittschuhe in einem winterlichen Fenster, dekoriert mit pinken Lackschneeflocken… Hm, ob das was ist? Doch glücklicherweise hatte ich Gelegenheit, einen Blick hineinzuwerfen, denn dieses Buch ist innen hui!

Schlägt man den schweren Band auf, finden sich geschmackvolle opulent inszenierte Food-Stilleben mit nordisch-klarem Hintergrund . Hier haben der Fotograf Brett Stevens und die Foodstylistin Lynsey Fryers eine ganz eigene, wie ich finde sehr moderne (auch was die Wahl des Interieurs angeht), Bildsprache gefunden, ohne dass die einzelnen Gerichte jedoch total stilisiert und somit nicht realistisch nachkochbar wären.

Janet Lawson, die lange als Chefköchin in Sydney arbeitete und schon einige Kochbücher veröffentlicht hat, ist eine bekennende Liebhaberin des Winters und seiner kulinarischer Genüsse. (Linkes Foto: Cover der englischsprachigen Originalausgabe). Da ihr Heimatland Australien diese Liebe nur bedingt erwidert, hat sie auf Reisen durch Deutschland, Österreich, Tschechien und Ungarn, Russland und dem Baltikum, Skandinavien, Frankreich, der Schweiz und Italien eine Vielzahl winterlicher Rezepte zusammengetragen. Der Band beinhaltet hochprozentige Heißgetränke und gehaltvolle Eintöpfe ebenso wie festliche Braten für bis zu 20 Gäste.

Qualität in Breite und Tiefe

Leider erwähnt Lawson jedoch nur im Vorwort ihre kulinarischen Streifzüge. Dabei hat sie gewiss einiges an spannender Recherche für das vorliegende Kompendium betrieben. Auf diesem Weg hätte ich als Leserin sie gern begleitet. Denn interessant ist doch gerade, warum sie die beschriebene Variante eines Gerichts wählt oder in welchem Land ein Rezept seine Ursprünge hat. Diese Hintergrundinformationen hätten das Buch unabhängig von der reinen Rezept- bzw. Zubereitungsebene noch gehaltvoller gemacht.

Janet Lawson ist unbenommen ein Profi, das schlägt sich in jedem ihrer Rezepte nieder. Ihre Art zu Kochen bleibt nie an der Oberfläche, sondern – und das ist das Besondere – sucht Qualität in Breite und in Tiefe eines jeden Gerichts: die Bohnen-Maronen-Suppe mit Jakobsmuscheln wird mit selbstgemachtem Petersilienöl verfeinert, die Miesmuscheln im Fenschelsud durch einen Klecks Creme Fraiche bereichert. Es sind diese Details, die ein Gericht noch runder machen, und die mir als „Nachkoch“ ein echter Zugewinn waren.

Ein Kochbuch für besondere Anlässe

Das heißt allerdings auch, dass dieses Rezeptsammlung nicht unbedingt etwas für Every-day-cooking ist (ein halbes Kilo Pilze in kleinste Würfelchen zu schneiden, kann nach einem langen Arbeitstag schon zur Geduldsprobe werden…). Das Kochen der Gerichte will geplant sein, denn die Liebe zum Detail schlägt sich auch in eher umfangreichen Zutatenlisten nieder und ist daher eher etwas fürs Wochenende. Dem entsprechen die umfangreichen Portionenberechnungen: die Rezepte sind häufig für 6-8 Personen (Sonntagsgäste) berechnet. (Das Runterrechnen auf meinen Zweieinhalb-Personen-Haushalt fand ich etwas anstrengend.) Ein weiterer kleiner Wermutstropfen in hellgrauer (!) Farbe ist die recht kleine schwer leserliche Schrift.

Kurzum: Das ist ein tolles Buch! Die Rezepte sind vielleicht teilweise etwas aufwendig, aber keine Hexerei, und mit Zeit und guter Planung für einen geübten Homecook kein Problem. Sich von Lawson durch die, wenn auch etwas textlastigen Rezepte leiten zu lassen, habe ich als großen kulinarischen Gewinn erlebt. Dieses Buch bringt definitiv Kochvergnügen! Mir hat es in diesen schneereichen Tagen zwischen den Jahren viel Freude bereitet bei einem Holunderpunsch mit Gin und Zitrone die Speisenfolge für das kommende Wochenende zu planen!

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Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2010

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