Kochbuch von Jamie Oliver: Jamies Wohlfühlküche

Kochbuch von Jamie Oliver: Jamies Wohlfühlküche ★★★★☆

Jamies Wohlfühlküche
Essen, das glücklich macht

Jamie Oliver, Fotos David Loftus
Dorling Kindersley (2014)
Mehr über den Verlag

Isabel Geigenberger

Von

Jamie Jamie Jamie!! Seit mehr als zehn Jahren tänzelt und scharwenzelt er nicht nur durch die britische Fernsehlandschaft, nein, sein Auftreten und seine Rezepte kommen auch im Rest Europas richtig gut an. Fast jeder hat schon von ihm gehört, ihn gesehen oder eines seiner Kochbücher im Schrank stehen.

Auch hier wurden schon etliche Werke besprochen, übrigens durchgehend mit 4 Sternen. Dazu noch das zweimonatliche Magazin am Kiosk – kein Wunder, dass ich schon den einen oder anderen Jamie-müden Seufzer vernommen habe. Mich allerdings stecken seine Unbekümmertheit und seine lebendige Begeisterung für die Waren, mit denen er umgeht, immer wieder an, vor allem in den Videos, die auch mein fünfjähriger Sohn gern ansieht.

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Jamie (links ein Foto von ihm) hat mittlerweile eine ganze Entourage von Mitarbeitern mit verschiedenen Spezialgebieten um sich geschart hat, z.B. das Ernährungsteam, das dafür sorgen soll, dass „Jamies Gerichte so gesund wie möglich sind, ohne dass der Genuss darunter leidet“. Bei der aktuellen „Wohlfühlküche“ muss sich dieses Ernährungsteam des Öfteren grummelnd in den Hintergrund zurückziehen. Dafür ist im Anhang eine Nährwerttabelle für jedes Gericht zu finden, in denen Kalorien, Fett, Gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate und Zucker je Portion angegeben werden. Kann man zu Rate ziehen, muss es aber nicht. Dankeschön!

Andere Helfer an Jamies Seite bekommt man übrigens in Jamies Video-Reihe Cook Clever zu sehen: die Spezialisten für gute Bezugsquellen, die für die Aufbewahrung von Lebensmitteln, die Preisvergleicher. Mir gefällt diese Offenheit, auch im vorliegenden Kochbuch finden die Helfer ihren Platz: in der langen Dankeschön-Tirade ebenso wie bei den netten Kinderbildern etlicher Mitarbeiter. Man merkt, das Team und auch der Fotograf waren mit Spaß bei der Arbeit. Apropos Fotos: Wie bei bisher allen Jamie-Büchern war auch hier David Loftus am Werk – er ist mit Jamie international berühmt geworden und liefert auch hier wieder exzellente Food-Fotografie, die den Herstellungsprozess und die Strukturen und Texturen der Zutaten appetitlich einfängt. Ich freue mich immer, wenn mein Kochergebnis zum Wiedererkennen auf dem Bild führt, und das ist hier ziemlich durchgehend der Fall.

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Dieses Mal geht es also um „Wohlfühlküche“, Gerichte also, die uns ein behagliches Gefühl geben, uns aufmuntern, das gewisse „Etwas“ mitbringen und besondere Momente feiern. Er hat diese gut hundert Rezepte in den Kategorien Nostalgie, Gute-Laune-Küche, Muntermacher, Rituale, Kleine Sünden und Süsses Glück versammelt. Nostalgie beherbergt natürlich britische Kinderheitsträume wie Shepherd’s Pie, Bohnen auf Toast, das brit-indische Tikka-Masala oder Fish & Chips. Zur Nostalgie gehört auch das Porridge-Ritual, das nostalgisch beschrieben wird und viele Anregungen zur Zubereitung und Verfeinerung bereithält.

Bei den Muntermachern finden sich tendenziell eher die exotischen Rezepte und gesunden Salate. In der Guten-Laune-Küche stecken viele asiatische Rezepte (kann ich gut verstehen), aber auch andere internationale Spezialitäten. Rituale scheinen für Jamie vor allem mit der italienischen Küche verwoben zu sein, viele Pasta-Rezepte, Risotto, aber auch selbstgemachte und selbstgeräucherte Krakauer sind hier zu finden. Kleine Sünden beherbergt eher etwas flottere Gerichte: während bei anderen Rezepten auch mal mit 6 oder 8 Stunden Zubereitungszeit gerechnet wird, sind es hier dann doch maximal 3 Stunden 45 Minuten. In jeder Kategorie finden sich Rezepte für die unterschiedlichste Personenanzahl: von den Zutaten für ein Single-Bacon-Sandwich über klassische 4-Personen-Familien-Mengen hin zum Sandwich mit Auberginenfüllung für 16 Personen, das als Party-Hit angeboten wird. Außer von seinen zahlreichen Reisen lässt sich Jamie hier auch gern von Kollegen inspirieren, denen er mit dem einen oder anderen Rezept seine Huldigung ausspricht.

Bei uns ist es Gewohnheit, dass bei einem neuen Kochbuch jedes Familienmitglied Rezepte markieren darf, die es gern probieren möchte. Als meine elfjährige Tochter diesmal an der Reihe war, konnte ich das Buch vor lauter Post-Its kaum mehr erkennen, was auch daran lag, dass „unbedingt-kochen-Rezepte“ gleich drei Zettel erhielten. Dazu gehörten natürlich die Burger, die Schoko-Rezepte, die Käse- und Speck-Toasts. Aber auch die anderen Familienmitglieder wurden fündig, was für eine gelungene Rezeptauswahl spricht. Beim Nachkochen dann die gewohnte Jamie-Qualität, gut erklärt, gut fotografiert, nette Tipps und gelungene Endergebnisse (nur das Gado-Gado konnte uns nicht überzeugen). Die chinesischen Ribs und die Gnudi werden sicherlich wiederholt werden. Auf der Wunschliste der Familie stehen noch die Klasse Hackbällchen, zunächst schreckte mich der Wareneinsatz: 1 kg pures Fleisch im Bällchen und dann noch mal 200g in der Sauce? Und guten Cheddar muss ich auch erst noch finden. Kommt aber noch. Ebenso wie das Rührei Masala, der Fisch in Miso-Marinade und vielleicht auch der Retro-Schichtsalat. Eine Handvoll weiterer Rezepte aus diesem Kochbuch kann man übrigens – samt Nutzerkommentaren – auch auf Jamies Webseite finden. Also Jamie Jamie Jamie – für uns immer wieder ein Vergnügen!

Ein echter Kessel Buntes, von Jamie und seinem eingespielten Team frisch angerührt: BritFood, Asia, Pasta, große Braten und kleine Snacks, von allem etwas in gewohnter Qualität: schön zum Stöbern, eher üppig und nicht so die ganz schnelle Küche.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2015

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