Kochbuch von Jamie Oliver: Jamies Kochschule

Kochbuch von Jamie Oliver: Jamies Kochschule ★★★★☆

Jamies Kochschule. Jeder kann kochen
Jamie Oliver, Dorling Kindersley (2008)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Letzte Woche war es wieder soweit: Bei einem Treffen mit Freunden fiel der Name Jamie Oliver und prompt gab jeder zu gerne ein Sympathie-Statement ab. Ich gehöre zweifellos zu den Fans. Das liegt vor allem an einigen seiner gelungenen Kochbücher. Zwar ist mir sein Neuerscheinungs-Tempo ein Rätsel, aber sicher ist, dass ich in jedem Titel stöbere und sogar daraus nachkoche – wie auch bei dem aktuellen Ministry of Food – Jamies Kochschule

Jamie Oliver beabsichtigt mit dem Kochbuch, eine Kampagne zu initiieren, die zu einer besseren Ernährung führt. Seine Zielgruppe sind Menschen, die noch nie gekocht haben und die sich vor allem mit Convenience- und Fast Food ernährt haben (Er bezeichnet sie als “blutige Anfänger”). Die Idee ist, dass jeder ein Rezept aus dem Buch lernt und es anschließend an zwei, drei andere Personen weitergibt usw. Über das Schneeballsystem möchte er möglichst viele Menschen erreichen und zum Kochen anregen. Mit der Gründung von Kochschulen in England unterstützt er sein Vorhaben. Seine erste eröffnete er in Roterham.

In seinem Buch Ministry-of-Food sind alle Elemente zu finden, die Jamie Oliver in seinen Kochbüchern nach und nach entwickelt hat: Das Rezept-Baukastensystem, Variationen auf einen Blick, die Step-by-Step-Fotos, „Sie-können-auch-was-anderes-verwenden“ oder „Ich bin ein Riesen-Fan“. Dazwischen leuchten „Reality“-Fotos seiner ersten Kochschul-Teilnehmer: Die Vollzeitmutter Claire Hallam, die sonst nur Chicken-Nuggets und Dosengemüse „kochte“, erzählt von ihrem ersten Koch-Erfolg mit frischem Gemüse (Das hat mich gerührt!). An den Aufnahmen gefällt mir, dass hier keine Models oder Deko-Küchen abgelichtet wurden, sondern die Leute sind auf das Sympathischste ganz sie selber.

Warum Jamie Oliver trotz medialer Dauerpräsenz so authentisch und glaubwürdig bleibt, beweist er für mich mit diesem Buch. Denn er hat hier Wort gehalten im Sinne seines Vorhabens. Seine Auswahl der Rezepte und Zutaten hat er Leuten wie Claire Hallam angepasst: Welches Fast Food und welche Zutaten sind ihnen vertraut – das waren die Ausgangsfragen für sein Buch. Seine Rezepte “baute” er auf die Antworten. Mut, Neues zu probieren, erfordert Selbstsicherheit und die gibt der Kochbuchautor seinen englischen „Kochschülern“ mittels Bekanntem. Folglich sind die erforderlichen Lebensmittel für seine Rezepte in jedem Supermarkt erhältlich (das gilt eingeschränkt für Deutschland). In Ministry of Food sind vor allem asiatische, englische und indische Rezepte neben den italienischen Klassikern zu finden, Küchen, die in England populär sind.

Eine Reihe seiner Rezeptideen kenne ich aus seinen vorhergehenden Bücher in ähnlicher Form (z. B. „Der Hack-Salat“). Tendenziell haben die Gerichte einen rustikalen Charakter, der mitunter für meinen Geschmack zuuuu bodenständig ist (z. B. Hackbraten Wellington mit Erbsen). Beim Nachkochen stellte ich fest, dass die Rezepte zuverlässig und einfach sind wie eh und je bei Jamie Oliver.

Das Kochbuch Ministry of Food ist weniger ein weiteres Buch für seine treuen Fans wie mich, vielmehr für die künftigen Schüler seiner Kochkampagne, deren Interesse an gutem Essen und Kochen gerade geweckt wird. Für sie ist das Buch ein klasse Start, dem Dauer-Abo auf Fertigessen ein launiges Ade zuzurufen!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2009

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