Kochbuch von Jamie Oliver: Jamie unterwegs

Kochbuch von Jamie Oliver: Jamie unterwegs ★★★★☆

Jamie unterwegs
Jamie Oliver, Fotos D. Loftus, Dorling Kindersley Verlag (2011)
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Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Mit diesem Buch von Jamie Oliver kann man sich lecker durch Europa kochen. Ich weiß nicht, ob ich es wirklich gegen Fernweh einsetzen werde, gegen Hunger und Appetit auf leckeres ist es sehr wirkungsvoll.

Ein Kochbuch von Jamie Oliver ist mir tatsächlich bislang noch nicht untergekommen. Meine Leidenschaft gilt ja in erster Linie dem Kochen und nicht den Kochbüchern, und da diese Welt so viele Rezepte zu bieten hat, bestand bislang auch keine Notwendigkeit mir ein echtes JO-Kochbuch zu besorgen.
Valentina hat es nun gerichtet. Sobald das Buch erschienen war, bekam ich mein nun doch heiß ersehntes Exemplar und wurde nicht enttäuscht.

Die Zusammenstellung von griechischer, französischer, spanischer, italienischer, marokkanischer und schwedischer Küche ist, nun sagen wir mal, gewagt, entspricht aber, wenn man dem Vorwort folgt, einer kulinarischen Reise, die Oliver durch Europa unternommen hat. Eine Reise, der ich zumindest am Herd gern gefolgt bin.
Doch vorerst ein paar Bemerkungen zur Aufmachung des Buches, die mir gut gefallen hat. Wer meine Chakall Rezension an dieser Stelle gelesen hat, wird sich nun vielleicht ungläubig die Augen reiben. Ist doch auch dieses Buch voll von Bildern des “Meisters” mit unterschiedlichen “Einheimischen” der vorgestellten Länder. Ja, das ist richtig, aber Jamie darf das und ich erkläre auch warum: Durch Jamie Oliver und seine Art zu kochen ist ein regelrechter Kochboom in Europa losgetreten worden, der Menschen wie mir nur Freude bereiten kann. Dabei ging es nicht schon zu Beginn seiner Karriere um seine Person, sondern er musste und hat sich in vielerlei Hinsicht einfach als guter Koch erwiesen. Die Bilder mit ihm sind nun vielleicht etwas zu zahlreich, aber es nervt auch nicht. Vielleicht deshalb, weil dieses Kochbuch geradezu in Bildern schwelgt, auch in solchen, die nur Essen abbilden…

Die Gliederung richtet sich nach den vorgestellten Ländern und je nach Land ist auch das Layout angepasst. Erwartungsgemäß kommt beispielsweise Schweden in schlichten Farben und mit dem Piktogramm eines Tannenbaums daher und in Spanien mäandert es im oberen Bereich. Insgesamt also ein einfallsreiches Konzept, das zwar nicht unkonventionell aber ebenso professionell wie gefällig ist. Mit einem Hang zu amüsanten Details wie etwa den Seitenzahlen, die als Ziffer und in der jeweiligen Landessprache ausgeschrieben sind. Besonders gut gefallen hat mir auch, dass zum Abschluss eines Landeskapitels immer die typischen Zutaten zusammengefasst vorgestellt werden. Ein bisschen Geschichte und Hintergrund, die man gern kennenlernt.

Ich selbst hatte ungewöhnlich viel Zeit, dieses Kochbuch kennenzulernen und so hieß es bald Patricia unterwegs…. nach Spanien, nach Griechenland, nach Italien, nach…. Den Abschluss dieser Reise bot das Osterwochenende, das mit dem Ende der Fastenzeit auch den idealen Zeitpunkt für das Schwelgen in neuen Gerichten markierte. Die Auswahl der Gerichte habe ich meiner Mutter überlassen, so dass wir uns auch Rezepten gewidmet haben, die ich sonst vielleicht nie nachgekocht hätte. Die sommerliche Minestrone hätte mich beispielsweise nicht besonders angesprochen, höchstens vielleicht wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen am erwähnten Wochenende. Sie ist insgesamt etwas aufwendiger, was das Ergebnis aber durchaus rechtfertigt.

Für den Einkaufszettel kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, da die notwendigen Zutaten links mit Mengenangaben gelistet sind. Das bietet sich nicht nur an, wenn wie in unserem Fall Feiertage vor der Tür stehen und man für mehrere Gerichte gleichzeitig einkaufen muss. Was sich bei der Zubereitung der Gerichte sehr gelohnt hat, war die Einstimmung auf das jeweilige Rezept, die ersten fett gedruckten Zeilen oberhalb der eigentlichen Zubereitungsbeschreibung, zumindest einmal kurz gelesen zu haben. Hier ist der Ort, wo Oliver zeigt, dass er nicht nur ein guter Koch ist, sondern auch ein grundsätzliches Verständnis davon hat, was Kochbuchleser an Information benötigen. Bei der Schweinefleischterrine verweist er beispielsweise darauf, dass die angegebenen Garzeiten nur bei der Benutzung einer bestimmten Terrinnenform stimmen.

So wurde also der klassischen Osterbraten (ich weiß auch nicht, warum es bei uns diese Tradition gibt) flankiert von allerlei Jamie-Oliver-Köstlichkeiten. Seltsamerweise hat man bei den vorgestellten Gerichten durchweg den Eindruck als seien sie besonders aufwendig, was sich dann in der Durchführung nicht bewahrheitete. Für das Lammfrikassee muss zwar allerhand geschnitten werden, aber wenn es dann im Topf ist, macht es sich quasi von selbst. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Stifado. Überrascht hat uns bei diesem Gericht, dass es recht wässrig daher kam, obwohl wir uns sklavisch an die gemachten Angaben gehalten haben. Es dickte einfach nicht ein. Kritisch hat die ganze Familie immer wieder in den Topf geguckt und schon im Geiste “lecker, aber wässrig” notiert. Kurz vor Ende der angegebenen Garzeit geschah jedoch das Wunder. Das Fleisch zerfiel wie beschrieben und die ganze Sauce bekam eine unglaublich sämige Konsistenz. Es sind genau diese Dinge, die die Qualität der Rezepte in diesem Kochbuch ausmachen und mich dieses Kochbuch sicher immer wieder aufschlagen lassen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2011

1 Kommentare

  1. Helene Schier

    Ich hätte gerne das Rezept in deutscher Sprache „Winter Pudding Bombe“ von Oliver Jamie. an oben stehender E-mail-Adresse.

    Danke und freundliche Grüsse

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