Kochbuch von Jamie Oliver: Cook clever mit Jamie

Kochbuch von Jamie Oliver: Cook clever mit Jamie ★★★★☆

Cook clever mit Jamie
Günstig einkaufen – Bewusst essen – Alles verwerten
Jamie Oliver, Fotos David Loftus
Dorling Kindersley Verlag (2013)
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Stefanie Will

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Seit Jahren warte ich darauf, dass bei Jamie Oliver irgendwann der Heidi-Klum-Abschalt-Effekt eintritt. Denn seit er sich 2002 mit seiner ersten TV-Show „The Naked Chef“ über Nacht auf den internationalen Promi-Olymp katapultierte, hat er nicht weniger als elf weitere Kochsendungen moderiert sowie 13 DVDs und 14 Kochbücher veröffentlicht. Nun also Nummer 15: „Cook clever mit Jamie“. Und wieder ist es ein Bestseller. Zu Recht. Denn der Brite trifft mit seinem jüngsten Werk mehr denn je den Zahn, oder besser gesagt, den Geschmack der Zeit: „Mit diesem Buch lernen Sie, mit wenig Geld nachhaltig und lecker zu kochen“, verspricht er und zeigt auf knapp 300 Seiten, wie man sich bewusst und gesund ernähren kann, ohne den Geldbeutel oder die Umwelt zu strapazieren.

Zugegeben, beim ersten Durchblättern war ich skeptisch. Nicht, weil ich mir Sorgen um meine kulinarische Befriedigung machte, ganz im Gegenteil: Ob simples Brathähnchen, feines Rindercarpaccio oder saftige Lachs-Tacos – alle Gerichte sind äußerst ansprechend fotografiert und machen Lust, sich gleich in die Küche zu stellen und loszulegen. Aber kann man solche Köstlichkeiten wirklich nachhaltig, gesund, lecker und billig zugleich zubereiten? Sofort denke ich an den Pferdefleischskandal – der einzige Skandal daran war meiner Meinung nach, dass es tatsächlich Leute gibt, die glauben, für ’ne Mark fünfzig ein Pfund Hack von 1A-Bio-Qualität zu bekommen. Jamie gehört nicht dazu, wie sich bald herausstellt.

jamie-oliver-clever-valentinasLos geht’s allerdings mit einer Enttäuschung. Das erste, sehr allgemein gehaltene und meiner Meinung nach überflüssige Kapitel „Günstig einkaufen“ ist, nun ja, eine Abhandlung darüber, was man im Tiefkühler sowie im Kühl- und Vorratsschrank haben sollte: diverses TK-Gemüse und -Obst, Butter, Milch und Eier sowie Öl und Essig. Die Erleuchtung? Eher weniger. Dann folgen tatsächlich noch Einkaufstipps, allerdings anno irgendwann im letzten Millennium: „Einkaufsliste schreiben“, „Vergleichen“, „Nie hungrig einkaufen gehen“ … Ich erspare Ihnen den Rest. Das Trauerspiel dauert aber nur wenige Seiten, dann wird es interessant. Es folgen die sieben Kapitel „Gemüse“, „Huhn“, „Rind“, „Schwein“, „Lamm“, „Fisch“ und „Mehr Rezepte“ – letztere passten wohl thematisch in kein anderes Kapitel, also wurden sie zum Ende hin zusammengepfercht. Käse-Omelett mit Erbsen etwa qualifiziert sich nicht wirklich als Gemüse, passt aber auch in keinen anderen Bereich. Lecker war es trotzdem.

Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Inhaltsverzeichnis, in dem die einzelnen Rezepte aufgeführt werden – sehr gut gegen lästiges Blättern. Zudem kommt die Kategorie „Mein guter Freund, der …(Gemüse-, Fleisch- oder Fischhändler)“ und damit das Thema Nachhaltigkeit ins Spiel. Dazu gibt es jede Menge Tipps zum Erkennen frischer, qualitativ hochwertiger Ware. Adieu Supermarkt! Das macht nicht nur Lust aufs Essen, sondern auch aufs Einkaufen. Dem Preis-Thema widmet sich Jamie, indem er weniger bekannte Zutaten vorstellt. Teures Rinderfilet sucht man vergebens, dafür lernt man Alternativen kennen. Das „Schaufelstück“ etwa: „Mein Lieblingssteak“, erklärt der Autor. „Es ist erstklassig im Geschmack, Konsistenz und Marmorierung und hat eine gute Größe.“ Recht hat er, wie ich feststelle, als ich sein „Steak für Kenner mit Pommer und grünen Bohne“ vertilge.

Das Thema „Alles verwerten“ greift Jamie allerdings nur am Rande auf. Dass man aus Obstresten Smoothies oder Blechkuchen machen sollte, ist nicht die Erkenntnis des Jahrhunderts, interessant sind aber die vereinzelten Geschmacksexplosionen wie der „Asia-Salat mit Lamm“ aus Lammresten. Für Kochanfänger dürfte es zudem interessant sein, wie man solchen Überschuss gar nicht erst entstehen lässt. So zeigt Jamie zum Beispiel, wie man ein Huhn fachmännisch zerteilt und komplett verwertet. Ans Eingemachte geht’s auch zum Schluss nochmal, wenn jedes Rezept in seine Einzelteile zerlegt wird. Stichwort: Nährwertangaben. Neben Kaloriengehalt der einzelnen Gerichte werden die Mengen von Fett, gesättigten Fetten, Kohlenhydraten sowie Zucker angegeben. Fakten, die so mancher Koch am liebsten unter den Esstisch kehren würde. Jamie hat keinen Grund dazu. Ja, manche Gerichte sind etwas deftiger, alles in allem jedoch eine sehr ausgewogene, gesunde Mischung.

Ein fantastisches Buch für alle, die ein aufrichtiges Interesse an gesunder, nachhaltiger Ernährung haben. „Cook clever mit Jamie“ liefert neue Ideen und Anstöße, um mit Marktschreiern und Bio-Metzgern ins Gespräch zu kommen. Allerdings muss man bereit sein, sich diese Zeit zu nehmen. Und auch, wenn das Buch an manchen Stellen etwas langatmig erscheint, hat es viele interessante und spannende Inhalte, die andere Kochbücher nicht aufweisen können. Aber das Wichtigste ist: Die Rezepte sind allesamt köstlich sowie leicht vor- und zuzubereiten, ob man nun für sich oder einen Tisch voller hungriger Gäste kocht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2014

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