Kochbuch von James Ramsden: Love Your Lunchbox

Kochbuch von James Ramsden: Love Your Lunchbox ★★★★☆

Love Your Lunchbox
101 Rezepte für die Mittagspause

James Ramsden, Fotos Martin Poole
Christian Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Egal, wie viel Stress ich habe, ich möchte einmal am Tag etwas Warmes essen. Und bloß nicht immer das Gleiche! Alltags wird also am Abend immer schön gekocht und am Wochenende das Frühstück und Kaffee und Kuchen zelebriert. Fahre ich in den Urlaub, muss mindestens ein gutes Messer mit und am besten auch noch eine gescheite Pfanne. Meine Mahlzeiten im Büro sind dagegen Waisenkinder der Kategorie: „Stulle to go“. Eben schnell satt werden. Daher liebe ich die Idee von einem selbstgemachten, abwechslungsreichen Lunch. Aber lässt sie sich auch im Alltag umsetzen? Zusammen mit James Ramsden?

Das Buch Love Your Lunchbox von James Ramsden hat mich sofort begeistert. Schon auf dem Titelbild leuchtet ein farbenfroher, total appetitlicher asiatisch anmutender Lunch. Das will ich sofort nachkochen und morgen im Büro vor den neidischen Augen der Kolleginnen verspeisen!

Alles für eine köstlich kleine Pause

Leider bleiben bei uns selten genügend Reste übrig, die ich noch mit ins Büro nehmen könnte. Aber wie schön wäre es, sich im stressigen Arbeitsalltag eine köstlich kleine Pause zu gönnen! Ich starte also voller Elan in das Projekt Lunchbox!

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Ramsden unterteilt sein Buch in 10 Kapitel wie Reste vom Wochenende, in dem er Vorschläge macht, wie man mit den Resten der Wochenendschwelgerei einen leckeren Lunch bereichern kann. Ein Kapitel widmet sich den Supernudeln. Welches ich besonders interessant finde, denn als Grundlage für die asiatisch angehauchten Nudelrezepte, soll man zuerst einen Shot Pot, also eine Art Suppenkonzentrat herstellen, was man dann kurz vor dem Essen mit heißem Wasser „streckt“. Super Idee!

Außerdem die Kapitel Alles auf Toast, Gestern Abendessen – heute Mittagessen, Herzerwärmend, Sommerliches Mittagessen, Sandwiches, Spartanisch, Zweites Frühstück und abschließend Das Arsenal für Ihr Mittagessen, in dem es Rezepte für Saucen, Pickels und Chutneys gibt, die den Lunch aufpeppen sollen!

Ganz klar – es schmeckt vorzüglich

Ich beginne mit den Gebratenes Gemüse mit Linsen, Chili und Feta. Auch dieses Rezept ist, wie viele andere in dem Buch, köstlich bebildert. Die Fotos sind überhaupt allesamt modern und einfach appetitanregend, wenn leider auch nicht alle Rezepte bebildert sind.

Die Kochzeit für meinen ersten Versuch wird mit 20 Minuten angegeben, aber eben nur, wenn man geröstetes Gemüse über hat. Hab ich nicht, also schnippeln und rein in den Ofen. Dann Linsen kochen, Rucola waschen, Feta schneiden und Dressing mischen. Alles in Töpfchen und am nächsten Tag ins Büro geschleppt! Hm, das war nicht ganz unaufwendig, aber: Es hat sich gelohnt, es war köstlich! Wenn ich Linsen auch eine etwas schwierige Zutat für einen Tag im Büro finde …

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Überhaupt sind einige wenige Rezepte nicht unbedingt das, was ich als Brain Food bezeichnen würde. Nach einer Portion der rustikal anmutenden Linsen & Wurst würde ich vermutlich eher die Ruheliege suchen, als frisch und fröhlich an den Schreibtisch zurückzukehren.

Aber …

Natürlich sind dem Konzept der Lunchbox Grenzen gesetzt: Kalte Pizza (Zwiebel-Anchovis-Pizza) schmeckt, wie ich finde, doof und in der Mikrowelle verliert sie jegliche Knusprigkeit. Salat, der als Beilage teilweise vorgeschlagen wird, muss ja irgendwie im Büro zubereitet werden, oder eben zuhause. Aber das heißt, man ist mit drei Töpfen unterwegs: Gericht, Salat, Dressing … Da komme ich mir dann schon etwas spleenig vor, wenn ich so im Büro auffahre und dann noch die ganze Spülmaschine mit meiner Tupperware blockiere. Oder Ramsden schlägt öfter getoastetes Brot als Beilage vor, nicht in jedem Büro gibt es aber einen Toaster.

Doch das muss die kulinarische Idee des ansonsten konzeptionell sehr gelungenen Buches nicht schmälern. Die Anleitungen sind präzise unterteilt in die Arbeitsschritte Zuhause, in das was In jeder Lunchbox kommt und schließlich Fertigstellung im Büro. Außerdem sind die meisten Rezepte für zwei Portionen ausgelegt, das heißt die Arbeit halbiert sich. Es finden sich Infos, ob man das Gericht einfrieren kann bzw. wie lange es sich im Kühlschrank hält. Das nenne ich durchdacht und serviceorientiert! Ach, und die Zubereitungszeit bzw. Kochzeit wird natürlich auch noch minutiös angegeben!

Auch in James Ramsdens „Lunchbox“ macht gutes Essen natürlich Arbeit und kostet Zeit. Lecker sind alle seine Rezepte, aber sie haben es letztlich nicht so ganz in meinen Alltag geschafft, weil es ihnen an dem Funken Praktikabilität fehlt. Aber es gibt ja auch noch andere Anlässe.

Update: Die Rezension ging 2014 anlässlich der englischen Originalausgabe online und wurde nun anlässlich der deutschsprachigen Ausgabe editiert. K.H.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2015

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