Kochbuch von James M. Tanner: Nur 5 Zutaten!

Kochbuch von James M. Tanner: Nur 5 Zutaten! ★★★★☆

Nur 5 Zutaten!: 100 pfiffig-köstliche Rezepte unkompliziert und schnell zuzubereiten
James M. Tanner, Fotos A. Schonnemann, Styria (2011)
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Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Von Hannah Stahl

Wer oft unter Zeitdruck etwas auf den Tisch bringen muss, dem bietet „Nur 5 Zutaten“ von James Tanner eine erfreulich vielfältige Sammlung, die die unterschiedlichsten Geschmäcker berücksichtigt und Raum für Kreativität lässt. Wer dabei den Eindruck hat, dass etwas fehlt, hat immer noch die Freiheit, MEHR als 5 Zutaten zu verwenden.

„Wieso nur 5 Zutaten? Das gefällt mir aber gar nicht,“ meinte meine Freundin Rieka, „warum soll ich mich derart einschränken? So ein Buch würde mich überhaupt nicht reizen.“ Hm. Eigentlich hat sie recht – Einschränkung klingt einfach nach Spaßbremse. Warum soll man sich ausgerechnet bei etwas so Kreativem wie Kochen auf kleinliche 5 Zutaten festlegen lassen? Was reizt mich also gerade an diesem Buch? Zuerst einmal bin ich neugierig, ob eine Rezeptsammlung wie diese funktioniert, ob sie Sinn macht. Werden hier wirklich neue Ideen vorgestellt oder soll uns doch nur wieder alter Wein in neuen Schläuchen untergejubelt werden? Ich bin gespannt.

James Tanner, der sich nach einer hochkarätigen internationalen Kochausbildung auch als TV-Koch im britischen Fernsehen einen Namen gemacht hat, eröffnete 1999 im zarten Alter von 23 Jahren zusammen mit seinem Bruder Christopher sein eigenes Restaurant in Plymouth: “Tanners Restaurant”: http://www.tannersrestaurant.com/index.html, das 2007 und 2008 zum Restaurant des Jahres gekürt wurde. 2006 eröffnete das Bruderteam ein zweites Restaurant in Plymouth.

Nur 5 Zutaten ist sein zweites Kochbuch, jedoch das erste, das übersetzt wurde. Das Buch besteht aus 5 Kapiteln – Kleine Leckereien, Besondere Kreationen, Vegetarische Köstlichkeiten, Desserts, Brote und Saucen. Besonders gut gefallen mir die matt gehaltenen und sehr ansprechend arrangierten Fotos von Anders Schønnemann und die ausgewählt schlichten Requisiten wie Geschirr, Stoffe und Holz. Ein schönes Buch (wenn man vom etwas einfallslosen Cover absieht).

In der Einleitung schreibt James Tanner, er sei seine „absoluten Lieblingsgerichte durchgegangen und habe die Rezepte zum Teil etwas verschlankt, damit Sie mit fünf einfach zu besorgenden Zutaten besonders feine Gerichte zubereiten können“. Es handelt sich also um eine kunterbunte Rezeptsammlung, in der man auf traditionell Britisches (Toad in the Hole/Bratwurst im Teig, Scones, Brombeer-Apfel-Crumble) trifft, aber auch auf Internationales (Kürbiscurry mit Pak Choi, Ente mit Hoi-Sin-Sauce und Ingwer, Patatas Bravas, Lammhack-Burger, Ciabatta mit sonnengetrockneten Tomaten, Pot au feu) und auf Klassiker (Rindergulasch in Rotwein, Lammschmorbraten, Kartoffelgratin) sowie auf gemäßigt Kreatives (Geeiste Melonen-Avocado-Suppe, Lachs mit Karamell-Croutons, Zitronen-Confit und Rucola, Baiserroulade mit Himbeeren und Maracuja). Das mag auf den ersten Blick etwas planlos klingen, ergibt aber als persönliche Favoritensammlung durchaus Sinn – und macht auf jeden Fall Spaß!

Ich blättere mich durch das Angebot und bin überrascht, wie viele Gerichte auch mit wenigen Zutaten so gut klingen, dass ich mich nur schwer entscheiden kann, was ich ausprobieren möchte. Übrigens: die Basiszutaten Öl, Salz und Pfeffer laufen außer Konkurrenz, sie zählen nicht zu den 5 Zutaten.

Da es bei mir abends oft schnell gehen muss, wird das Buch gleich auf seine Alltagstauglichkeit hin überprüft: Ich suche mir ein unaufwendiges Pastagericht aus, Penne mit Chorizo, das in null komma Nichts auf dem Tisch steht und wirklich gut schmeckt. Einziges Manko: mir fehlt eine frische, gesunde Komponente, sprich: Gemüse. Aber sowas lässt sich ja jederzeit beliebig ergänzen – ich muss mich schließlich (außerhalb des Rezeptetests) nicht sklavisch an die 5-Zutaten-Klausel halten.

Auch die anderen Rezepte, die ich nachgekocht habe, schmecken größtenteils richtig gut, sind schnell fertig und somit Kandidaten zum Entstressen der Unter-der-Woche-Küche. Ich bin angenehm überrascht und muss gestehen: das hatte ich so nicht erwartet.

Gut gefällt mir auch, dass ich Rezepte finde, die sich untereinander bzw. mit Vielem aus meinem Alltagsrepertoire harmonisch kombinieren lassen. Neben Rezepten mit preiswerten Zutaten gibt es gelegentlich auch Gerichte mit teureren Zutaten (Rinderfilet, Ente, Petersfisch, Garnelen, Feigen), aber das Verhältnis stimmt, und die meisten Rezepte sind zutatentechnisch alltagstauglich. Außerdem eignen sich die feineren Zutaten-Rezepte für besondere Anlässe mit wenig Zeit. Zum Thema Fertigprodukte: außer Blätterteig und Mürbeteig (den ich niemals kaufen würde, da er sehr schnell selbst gemacht ist) aus dem Tiefkühler bzw. der Kühltheke und Pesto aus dem Glas konnte ich keine weiteren Fertigprodukte entdecken. Sehr lobenswert!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

2 Kommentare

  1. Tami

    Ich schleich jedesmal wenn ich in meinem Stammbuchladen bin um das Buch herum… seit Wochen! Aber ich glaube die Rezepte, die du angeschnitten hast (vor allem Penne mit Chorizo), tun jetzt ihr übriges… zumindest zum Ideen holen scheint das Buch gut zu sein.
    Danke für die Rezension!

    • Katharina

      Oh ja, greif zu. Das Buch ist nämlich bereits nach einem 3/4 nach Erscheinungsdatum “vergriffen” und eigentlich nur noch antiquarisch beziehbar – mit Ausnahme der verbliebenen Exemplare beim Buchhändler. 🙂

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