Kochbuch von Ghillie James: Amazing Grains

Kochbuch von Ghillie James: Amazing Grains ★★★★★

Amazing Grains. Die besten Rezepte aus der neuen Getreideküche
Ghillie James, Fotos Jonathan Gregson
Umschau Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wie man sich täuschen kann! Als ich das neue Kochbuch von Ghillie James erstmals in den Händen hielt, hätte ich es fast wieder weggelegt. Voll der dröge Schmöker, dachte ich. Ein ganzes Buch mit Körnerrezepten, dazu mit einem Deckblatt, das jeden Reformhausflyer aufregend erscheinen lässt. Doch dank meinen lieben Mitrezensentinnen habe ich einen zweiten Blick gewagt. Zum Glück!

„Amazing Grains“ ist bereits das dritte Kochbuch der Köchin und Gastro-Journalistin Ghillie James, das auf Deutsch erscheint und nach „Auf Vorrat gekocht“ das zweite, das wir bei Valentinas besprechen. Zwar gab es schon die ein oder andere Veröffentlichung zum Thema Getreideküche. Auch die aktuelle e&t widmet ihr eine kurze Rezeptstrecke (ein neuer Trend nach „vegan“ und „roh“?). Doch Ghillie James setzt ganz neue Maßstäbe.

Oft wollen Kochbücher Hintergrundwissen geben, und bleiben häufig doch oberflächlich. „Amazing Grains“ hingegen startet stark mit einem Kapitel über „Körner weltweit“, einem „Historischen Abriss des Getreideanbaus“, einer „Nährwerttabelle für Getreide“ und schließlich den einleitenden Teil mit „Getreide kochen“. Schon hier findet die Autorin die Balance, die auch ihre Gerichte auszeichnet: Sie liefert fundiertes Fachwissen ohne langweilig zu sein! Und mir schwant bereits, dass Getreide doch weit mehr als eine gesunde Beilage zu sein scheint!

Das Buch ist klassisch nach den einzelnen Gängen aufgeteilt. Doch lässt sich das Thema Getreide wirklich so durchdeklinieren? Gibt es für jeden Menügang Rezepte mit Körnern?

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Schon nach dem ersten intensiveren Durchblättern bin ich begeistert! Es finden sich Frühstücks-Rezepte wie Power-Porridge; Suppen & Vorspeisen wie Hühnersuppe mit Gerste oder auch Sushi; Beilagen & leichte Salate wie Quinoasalat mit Avocado, Rucola und Tahinidressing; Sättigende Salate wie Weizenschrotsalat mit Birnen und Ziegenkäse; Hauptgerichte wie Fenchel-Reis-Pastete und Desserts, hmm: Crème brulée aus Milchreis und Himbeeren; Gebäck & Getränke. Sicher schreitet Ghillie James durch die Länderküchen, wie Goa (Fisch-Reis-Suppe), Italien (Toskanische Gemüse-Farro-Suppe, Sizilianische Arancini) oder Indonesien bzw. Malaysia (Lontongs), liefert Rezepte für Jamaikareis, Taboulé oder Pilaw. Innerhalb der einzelnen Kapitel finden sich steckbriefartige Vorstellungen der einzelnen Getreidesorten. Ich bin erstaunt, und ja, überzeugt! Hier ist ein echter Schatz zu finden, der mir in seinem Reichtum vor Ghillie James so nicht bewusst war!

Schnell in den nächsten Bioladen und Amaranth, Wildreis und Co. nach Hause geschleppt! Zunächst schrecken mich die Zutatenlisten etwas ab, die gern mal etwas länger sind. Doch vieles findet sich in den eigenen Vorräten. Und hat man das Grundprinzip verstanden, kann man die Zutaten auch durch andere ersetzen. James spricht eingangs von ihrem „Fünf-Schritte-Salat für jeden Tag“, der eine Basis aus Getreide hat (1), ergänzt wird durch Gemüse oder Obst (2), etwas Herzhaftem wie Käse oder Speck (3), Samen oder Nüssen (4) und schließlich mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer (5) abgeschmeckt wird. Auch in den Rezepten selbst schlägt sie immer wieder alternative Getreidesorten vor. Gerne verwendet sie auch zwei, um verschiedene Konsistenzen und Nährstoffe einzubringen.

Überhaupt bewegt sie sich frei in verschiedenen aromatischen Sphären. Beherzt würzt sie z.B. einen mediterran anmutenden Salat mit Sojasauce. Und hat man erst mal ein Gericht nachgekocht, vertraut man sich ihr gern an. Bei fast allen Rezepten imponierte mir die Harmonie der Zutaten. Das Getreide dominiert nie ein Gericht, sondern ist stets ergänzender Teil des Ganzen. Dabei bricht sie den alten kulinarischen Dreiklang von Fleisch mit zwei Beilagen und bringt die Zutaten neu in perfekter Balance. Mit den von mir befürchteten trockenen, „gesunden“ Gerichten hat das rein gar nichts zu tun.

kochbuch-amazing-grains-ghillie-james-cover-valentinasDen Rezepten wird oft eine Art Einleitung vorangestellt, die ihre Herkunft erklärt oder eine andere interessante Information liefert. Die Zubereitung selbst ist dann recht knapp gefasst, aber so, dass keine Fragen offen bleiben. Alle meine nachgekochten Gerichte sind gelungen, bis vielleicht auf das knetfreie Körnerbrot, das etwas krümelig war.

Ein kleiner Wermutstropfen, den ich bei aller Begeisterung nicht verschweigen will, ist in meinen Augen das Layout des Buches. Zwischen den Buchdeckeln findet sich ein solch kulinarischer Reichtum, der im Layout nur unzureichend widergespiegelt wird. Das Deckblatt und sowie das gestalterische Innenleben sind viel zu nüchtern für solch ein reiches Sujet. Allerdings sind fast alle Rezepte, wenn auch zurückhaltend, mit schlichten beinahe zeitlosen Foodfotografien bebildert. Hier steht das Gericht im Vordergrund und nicht irgendein Style!

Selten fand ich es so schwierig die drei besten Nachkostrezepte auszuwählen. Dieses Buch ist ein facettenreicher Fundus an vielen köstlichen neuen Rezeptideen. Es hat meine Art Gerichte zu denken sehr bereichert. Auf dem so publikationsstarken Kochbuchmarkt erscheint selten noch etwas echt Neues. Vieles kennt man so oder in Variationen. Ghillie James ist das gelungen! – Fünf Sterne mit Sternchen! Und: Amazing!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2015

2 Kommentare

  1. Heike

    Oh wie schön… Wie habe ich auf diese Rezi gewartet! Danke Christiane, dieses Buch gehört in meine Sammlung – unbedingt!

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