Kochbuch von Jade O’Donahoo: Eat This, My Friend

Kochbuch von Jade O’Donahoo: Eat This, My Friend ★★★★★

Eat this, my friend – Everday
vegetarian recipes for sharing (engl.)
Jade O’Donahoo
Fotos: Huw Rodgers
Hardie Grant Publishing (2017)

Laura Skandy

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Auf meiner Australienreise fiel mir dieses Buch in die Hände. Fast hätte ich es liegen gelassen – zu einfach schienen die Rezepte, zu kurz die Zutatenlisten. Zu meinem großen Glück siegte die Neugier und zurück in Deutschland entdeckte ich einen echten Schatz an unkomplizierten, schnellen, köstlichen vegetarischen Gerichten. Eine absolute Empfehlung für alle Feierabendköch*innen und auch sonst jeden, der nicht gern fünf Töpfe parallel verwendet.

Jade O’Donahoo eröffnete mit 25 im Herzen Melbournes das „Switch Board“, einen Coffee Shop mit Lunchangebot, zubereitet in einer winzigen Küche. Diese räumliche Beschränkung führte dazu, dass O’Donahoo auf alles Aufwendige verzichten musste – „Everything we made needed to be dead easy, and not require fancy kitchen equipment“.

Wenige Jahre später wurde das „Switch Board“ geschlossen. Zurück blieben Stammgäste, die O’Donahoo anflehten, ihre Rezepte zu veröffentlichen. Es entstand zunächst ein Blog, auf dem O’Donahoo ihre Rezepte präsentierte, dann ein Kochbuch. Die Illustrationen für ihr Buch gestaltete sie selbst. Diese sind es auch, die als erstes ins Auge fallen: einfache Buntstiftzeichnungen, die den persönlichen Charakter des Buches unterstreichen.

Unterteilt sind die Rezepte ganz schlicht nach Mahlzeiten (Breakfast, Lunch, Dinner), zudem finden sich „Sweets“, „Sides“ und Grundrezepte („Make your own…“). Präsentiert werden 60 Gerichte – und das ohne viel Drumherum. Kurze Einleitungen zu den Rezepten machen Lust und bieten mitunter auch hilfreiche Hinweise zur Umsetzung.

Rezepte wie aus dem Freundeskreis

Beim Nachkochen der Rezepte stellte sich bei mir unmittelbar ein Wohlgefühl ein – der Verzicht auf exotische Zutaten, die Schlichtheit der Zubereitung, die genauen Hinweise zur Umsetzung wecken Vertrauen und erinnern fast an eine Rezeptsammlung, wie man sie sich aus dem Freundeskreis zusammenstellt: kurz, knapp, präzise, versehen mit persönlichen Hinweisen und Kniffen.

Ich begann ganz schüchtern mit dem „Choc-Tahini Spread“, einer „gesunden“ Variante des auch in Australien bekannten Nuss-Nougat-Aufstrichs, bestehend aus Tahini, Ahornsirup, Kokosöl und Kakaopulver. Die zum Brunch eingeladenen Freund*innen waren prompt begeistert und forderten das Rezept an. Derart bekräftigt, wagte ich mich ans „echte“ Kochen und probierte eine Art Reispilaw mit Spargel und Pecorino – wieder einfach, wieder ein Erfolg. Die Ricotta-Gnocchi mit Kürbis und Salbeibutter wurden vom Freundeskreis ebenfalls begeistert aufgenommen usw. usf.

Der größte Hit für mich: O’Donahoos Rezept für Blumenkohlsalat, welches sie als ihre Lieblingszubereitung für Blumenkohl deklariert – mit einigem Recht, wie ich finde! Bissfest gekochter Blumenkohl wird hier mit gerösteten Mandeln, Schalotten und Korinthen kombiniert und mit einer einfachen Vinaigrette serviert. Absolut köstlich, geschmacklich auf den Punkt und zugleich puristisch. Wollte ich das ganze Buch in einem Rezept vorstellen, dieses wäre es.

Superfood und Kokosöl

Einziger Kritikpunkt an dem Buch aus meiner Sicht: eine Tendenz zum Gesundheitswahn. Gerade im Kapitel „Sweets“ wird deutlich, dass O’Donahoo gerne „ungesunde“ Zutaten ersetzt (Zucker! Weißmehl!) und die ganze Bandbreite dessen verarbeitet, was Rohköstler*innen und Superfood-Anhänger*innen lieben: Medjool-Datteln, Kokosöl, Leinsamen, Reissirup, Vollkorngetreide usw.

Mir persönlich widerstrebt der Trend zur Verdammung von Lebensmitteln und ich werde schnell misstrauisch, wenn es beim Kochen und Backen zentral um ein Ersetzen bestimmter Zutaten geht. O‘Donahoo allerdings scheint alles andere als eine Dogmatikerin zu sein. Sie präsentiert zum einen auch ganz klassische Desserts, rät zum anderen zur großzügigen Verwendung von Butter und zur Vermeidung von fettarmen Milchprodukten. Somit konnte ich über das ein oder andere allzu „superfoodige“ Rezept letztlich gelassen hinwegsehen.

„Eat This, My Friend“ ist das Kochbuch für (Teilzeit-)Vegetarier, die schnell etwas Köstliches auf dem Tisch haben wollen. Der Spaß beim Kochen bleibt auch nicht auf der Strecke, unter anderem wegen der gelungenen Illustrationen und der persönlichen Handschrift der Autorin, was die Beschreibung ihrer Gerichte angeht. Dieses Buch verdient volle fünf Sterne!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2020

2 Kommentare

  1. Katharina

    Viel Freude damit!

  2. Alexandra

    Die Rezension hat mich sehr neugierig gemacht. Leider ist das Buch auf dem deutschen Markt im momentan nicht zu bekommen, auch nicht wenn man sich überwindet, doch beim bösen Amazon nachzusehen. Jetzt habe ich es mir von meiner besten Freundin, die in England lebt, zum Geburtstag gewünscht, bei Waterstones ist es lieferbar.

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