Kochbuch von Jacqueline Vogt, Ingo Swoboda: Fische aus heimischen Seen & Flüssen

Kochbuch von Jacqueline Vogt, Ingo Swoboda: Fische aus heimischen Seen & Flüssen ★★★☆☆

Fische aus heimischen Seen & Flüssen
Jacqueline Vogt, Ingo Swoboda, Fotos A. Walter, Kosmos Verlag (2011)
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Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Fisch essen ist für mich, und ich denke, so geht es vielen, in den letzten Jahren immer mehr zur Gewissensfrage geworden. Einerseits überfischte Meere, andererseits Zuchtfische vom anderen Ende der Welt, die schlecht gehalten und mit Antibiotika vollgepumpt werden. Fische aus heimischen Seen & Flüssen verspricht schon im Titel Abhilfe aus diesem Dilemma. Aber reicht ein löblicher Ansatz für ein gutes Kochbuch?

Meine unterbewusste Reaktion auf das Fisch-Dilemma: Ich kaufe und koche mittlerweile recht selten Fisch. Der Ehrlichkeit halber muss ich allerdings sagen, dass mein Fisch-Rezeptrepertoire auch etwas dünn ist. Das Kochbuch von Jacqueline Vogt und Ingo Swoboda füllt für mich also eine ideelle und reelle Leerstelle. Und ich war bei seinem Erscheinen ziemlich begeistert, einfach weil es das Problem direkt angeht und konkrete Auswege sucht.

Das Buch gibt zunächst kurze Informationen zu Einkauf und Lagerung, dem Umgang mit Fisch und seiner Zubereitung. Später, zwischen den Rezepten folgen kurze Artikel zu: Fisch filetieren, Eine Basis kochen, Fische aus der Zucht und Berufsfischer auf Seen und Flüssen.

Die Rezepte selbst sind nach den verschiedenen heimischen Fischarten sortiert: Bachsaibling, Felchen, Aal, Flussbarsch, Flusskrebs, Forelle, Hecht, Karpfen/Brasse/Wels, Rotauge, Schleie und Zander. Das fand ich sehr interessant, zumal noch kurze einleitende Infos inklusive Fangzeit zu jeder Fischart gegeben werden. Da ist mir erstmal bewusst geworden, wie schlecht ich mich auskenne. Was zum einem meiner Unkenntnis geschuldet ist, aber auch dem Umstand, dass diese Fischarten in meinem Einkaufsalltag nicht vorkommen. Es ist nämlich gar nicht mal so leicht diese deutschen Fische frisch und saisonal zu bekommen. Doch dazu schweigt das Buch.

Das Konzept der Kosmosreihe, dass auf eine „Rundumbetreuung“ seiner Leser setzt, ist für mich bei dem von mir ebenfalls hier besprochenen Saucenbuch sehr gut aufgegangen. Da war die Thematik an sich aber auch etwas komplexer, und Kategorien wie „Das ist wirklich wichtig“ absolut sinnvoll. Die Rezepte des Fischbuchs hingegen sind nicht unbedingt so, dass es dieser Kategorie wirklich bedürfte.
An anderer Stelle hingegen hätte ich mir schon etwas mehr Tiefgang gewünscht. Wie eben Einkaufstipps oder eine Antwort auf die Frage, ob der Genuss heimischer Fischarten wirklich so unbedenklich ist. Kann die Binnenfischerei auf Flüssen und Seen unsere gestiegenen Bedürfnisse tatsächlich befriedigen? Und: Fische aus heimischer Aufzucht leben auch nicht in freier Natur, sondern werden mit Kraftfutter (Knochenmehl?) gefüttert, vielleicht auch mit Medikamenten behandelt? Ist die Regionalität automatisch eine Garantie? Darauf habe ich in den kurzen Texten leider keine Antwort bekommen.

Wirklich interessant für mich war allerdings die Info, dass die Haut des Süßwasserfischs von einer klaren Schleimschicht bedeckt ist. Bei der Zubereitung der Bachsaiblinge überkam mich nämlich zunächst ordentlich Empörung, weil ich dachte total vergammelte Exemplare erwischt zu haben…

Die unkapriziösen Rezepte sind sinnvoll und übersichtlich strukturiert, und in gewohnter Kosmos-Manier, problemlos nachzukochen. Aber sie sind eben auch keine kulinarischen Höhenflüge oder so, dass ich sofort das halbe Buch hätte nachkochen wollen. Wobei ich in der Rezeptauswahl auch aufgrund der jeweiligen Fangsaison etwas eingeschränkt war. Hier soll ein möglichst breites Publikum angesprochen werden, und dass lässt diese Reihe etwas praktisch daherkommen. Dem entsprechen die Fotos, mit denen beinah jedes Rezept bebildert ist. Sie sind gefällig anzuschauen und machen durchaus Appetit.

Gut gefallen hat mir auch diesmal, dass man sich bei Konzeption und Rezepten ganz stark an den potentiellen Nachköchen orientiert hat. So gibt es zu vielen Rezepten Abwandlungen oder Alternativvorschläge, Anrichtungstipps und mögliche Beilagenideen. Das nenne ich serviceorientiert!

Fische aus heimischen Seen & Flüssen ist ein absolut zeitgemäßes Kochbuch mit ehrenwertem Ansatz. Es liefert solide Rezepte, bleibt aber in der Substanz leider etwas blass. Was auch dem Umstand geschuldet sein mag, dass das durchaus bewährte Kosmos-Kochbuchkonzept sich eben nicht auf jeden kulinarischen Inhalt sinnvoll anwenden lässt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2012

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