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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | July 27, 2017

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Kochbuch von Jackie Kearney: VegAsia ★ ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Jackie Kearney: VegAsia
Rezension

VegAsia – Eine kulinarische Reise von Indien
nach Indonesien. 100 vegane Rezepte
Jackie Kearney
Fotos Clare Winfield
Hölker (2016)
Mehr über den Verlag

FÜNF STERNE: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut!

Stefanie Will Von

Mit der asiatischen Küche ist es ja so eine Sache. Auf der einen Seite denkt man: Reis mit Gemüse. Oder auch Reis mit Scheiß, wie ich das immer nenne. Das jetzt aber bitte nicht falsch verstehen – ich liebe genau diese Schlichtheit! Auf der anderen Seite, vor allem, wenn es nicht nur um asiatische Speisen, sondern um Asia-Streetfood geht, nun ja, dann kommen mir als allererstes gegrillte Insektenspieße in den Sinn. Umso erfreuter war ich, als ich VegAsia in den Händen hielt – das beste Streetfood aus ganz Asien, von Indien nach Indonesien, so der Claim des Buches. Das ganze aber vegan. Heißt: Reis mit Scheiß und Turbogeschmack. Genau mein Ding!

Blättert man in das Buch hinein, bemerkt man sofort die extrem angenehme Haptik – es liegt einfach toll in der Hand mit seiner für ein Kochbuch perfekten Größe: groß genug, um richtig in die Bilder eintauchen zu können, aber klein genug, um am Küchentresen Platz zu finden, ohne dabei im Weg zu liegen. Dazu das leicht raue, sehr matte Papier, bei dem man keine Scheu hat, genau die Fettflecken zu verursachen, die ein richtig gutes Kochbuch ausmachen.

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Seitenweise leckeres Streetfood

Die Aufteilung des Buches allerdings sorgte zunächst für etwas Stirnrunzeln. Drei schlichte Kapitel ist alles, was zur Orientierung beiträgt: „Indien & Sri Lanka“, „Thailand, Laos & Vietnam“ sowie „Malaysia & Indonesien“. Dazu nicht sehr aussagekräftige Untertitel wie „Chutneys, Frittiertes und Dals“ oder „Suppen, Nudeln und Currys“. Wer also etwas Bestimmtes, etwa eine Vorspeise oder ein Dessert sucht, muss erst mal blättern. Was aber nicht weiter schlimm ist. Ich jedenfalls betrachte die schlichte Kapitelunterteilung als Einladung zu einer kulinarischen Reise. Denn blättern, das tut man in diesem Buch wirklich gern.

Los geht’s mit einer wunderschönen Landkarte, illustriert von Jackie Kearneys Ehemann Lee, und einer kurzen, sehr sympathischen Abhandlung darüber, wie sie von ihrem Kindheitstraum, Springreiterin oder Tierärztin zu werden, zur Gastronomin und Kochbuchautorin wurde. Es folgen die wichtigsten Zutaten für die asiatisch-vegane Küche – von einzelnen Gewürzen und Gewürzmischungen über die Geheimnisse der perfekten Tofu- und Reiszubereitung bis hin zu Kurzrezepten etwa für vegane Fischsauce. Und dann geht es los: seitenweise leckeres Streetfood, wunderschön fotografiert von Clare Winfield und so angerichtet, dass man am liebsten direkt reinhauen möchte. Wären da nicht die daneben stehenden Rezepte …

Zuerst ein kleiner Schwindelanfall

Angesichts derer wurde mir teilweise etwas schwindelig. Ich koche ja gern und oft und leidenschaftlich. Aber einige der Rezepte muten doch recht kompliziert an, zumal nicht wenige mit einer Mammut-Zutatenliste daher kommen. Die gute Nachricht: Letztere lässt noch lange nicht auf ein Mammut-Kochprojekt schließen. Ja, es muss geschnibbelt und geraspelt, eingelegt und eingeweicht werden – typisch asiatisch eben. Hat man das aber erst einmal erledigt, ist das Kochen denkbar simpel. Kurzum: Mal eben schnell sind die meisten Gerichte nicht zu machen, dafür aber perfekt, um bei einer Flasche Wein mit dem Liebsten oder mit Freunden eine ausgiebige Küchenschlacht zu veranstalten oder zu einem Asia-Dinner zu laden, das sich gut vorbereiten und dann im Handumdrehen auf den Tisch zaubern lässt. Und am Ende wird man auch belohnt.

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Denn tatsächlich sind die Rezepte wie eine kleine Reise. Vorweg erzählt die Autorin (links ein Foto von ihr) ein paar kleine, sehr persönliche Reiseanekdoten, gespickt mit spannenden Infos zu Land und Leuten, bevor es dann mit der Zutatenliste bewaffnet ans Einkaufen geht. Einige Produkte kannte ich zwar nicht – Tofu-Puffs etwa sind mir noch nie untergekommen. Sicherheitshalber habe ich deshalb gegoogelt, ob und wie man sie selbst herstellen kann. Unnötiger Stress, wie sich beim Besuch im Asialaden herausstellt.

Es gibt die kleinen, frittierten Tofuwürfel tiefgefroren – und nein, sie sind nicht exotisch. Jeder Asialadenbesitzer weiß sofort, wovon Sie sprechen, wenn Sie nachfragen. Ganz grundsätzlich sind die verwendeten Zutaten leicht zu bekommen, teils im normalen Supermarkt, auf jeden Fall aber im gut sortierten Asiamarkt – die Tofu-Puffs habe ich sogar in einem ganz kleinen, unbekannten Asialädchen in Hamburg bekommen.

Ein wunderschönes, sehr inspirierendes Buch, das weit darüber hinausgeht, was man gemeinhin von der asiatischen Streetfood-Küche erwartet, und kulinarisches Fernweh weckt. Von Klassikern wie süßem Klebreis mit Mango oder Reisnudelsuppe bis hin zu ausgefallen Kreationen wie Frühlings-Cheela oder leichtem Soulfood wie tibetische Suppe mit Momos ist alles dabei. Wer abends spontan mal eben was kochen will, der wird vermutlich an seine Grenzen stoßen, wenn er nicht gerade das Sortiment eines Asialadens im Vorratsschrank hat. Mit ein wenig Vorbereitung sind die Rezepte jedoch allesamt recht leicht umzusetzen, auch wenn das eine oder andere, wie etwa die Momos, etwas Fingerfertigkeit erfordern. Die hab ich nicht – gelungen sind die kleinen Teigtaschen trotzdem. Sehr lecker!

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Nachgekochte Rezepte:

Masala Dosa aus Mysore
Auch hier ist Geduld angesagt, da die Bohnen und der Reis, aus denen die indischen Pfannkuchen gemacht werden, über Nacht einweichen müssen. Ist der Teig dann angerührt, muss er nochmal über Nacht fermentieren. Nicht unbedingt ein Rezept, das ich ständig machen würde, aber der Geschmack ist phänomenal! Leicht säuerlich, aber dennoch angenehm mild-würzig.

Veganes Mee Rebus
Eine tolles, cremiges Curry aus Kartoffeln, Süßkartoffeln und Tomaten. Probiert man es direkt aus dem Topf, kommt es einem zwar zunächst sehr scharf vor (zumindest ging es mir so), mit Reis serviert gleicht sich aber alles perfekt aus. Einen Punkt Abzug gibt’s wegen der Tofu-Puffs, die ich bis heute nicht verstanden habe. Das ist gewürfelter und frittierter Tofu – fettig und labbrig. Kein Biss, kein Geschmack und meiner Meinung nach völlig überflüssig. Ansonsten: ein superleckeres Rezept, das sich toll einfrieren lässt für kalte Abende, an denen es doch mal schnell gehen muss.

Geschrieben im Februar 2017