Kochbuch von Iwan Hediger & Yves Seeholzer: Zwei Pfannen on the road

Kochbuch von Iwan Hediger & Yves Seeholzer: Zwei Pfannen on the road ★★★☆☆

Zwei Pfannen on the road –
Die einfachste Camping-Veggie-Küche der Welt
Iwan Hediger (Fotos) & Yves Seeholzer
Gräfe und Unzer Verlag (2017)
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Maria Kufeld

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Zwei Typen, ein Van und die unendlichen Weiten des Outbacks. Mit „Zwei Pfannen on the road“ präsentiert Gräfe und Unzer Camping-Veggie-Küche, die „die einfachste der Welt“ sein will. Dazu serviert das Buch schöne Landschaftsaufnahmen, die definitiv reisehungrig machen.

Wenn man glaubt, den Kochbuchverlagen dürfte doch bald nichts Neues mehr einfallen, kommen sie mit dieser Idee um die Ecke. Ein vegetarisches Road-Kochbuch, das auf einer Reise durch Australien entstanden ist.

Ich bin direkt begeistert. Schließlich fahren wir selbst seit Jahren mit dem VW-Bus in den Urlaub – und liegen damit voll im Trend. Allein bei Instagram finden sich unter dem Hashtag #vanlife aktuell über zwei Millionen Fernwehbilder. Und genau da setzt „Zwei Pfannen on the road“ an: Neben Reise- und Rezeptinfos will es zeigen, wie du mit Bullyequipment einfach und abwechlungsreich kochst.

Ausprobiert haben das die zwei Autoren Iwan Hediger und Yves Seeholzer (Foto links li. bzw. re.) sieben Wochen lang in Down Under. Ihre Route führte von Perth die gesamte Westküste entlang bis hoch nach Darwin. Deshalb gibt es auch keine klassischen Kapitel, sondern die Info, dass die Kürbispuffer „in Albany gekocht“ wurden oder der Bohnen-Kichererbsen-Eintopf „in der Nähe von Margaret River“. Zu jedem der 50 Reisehunger-Rezepte liefern die Schweizer ein schönes Foto und stimmungsvolle Bilder von einsamen Stränden, Wäldern, Küsten, die definitiv den Globetrotter in einem wecken.

Internationale, moderne Veggieküche

Die vegetarischen Gerichte bewegen sich international zwischen italienisch (Balsamicolinsen), asiatisch (Nudelsuppe mit Tofu) und orientalisch (indisches Dal). Grünkern, Couscous, Quinoa und Hirse machen modern satt. Außerdem haben die Autoren ein Herz für süß-herzhafte Kombinationen, etwa bei der gebratenen Melone mit Tofu, Gemüse und Reis oder den Vanille-Kakao-Kartoffeln mit geschmortem Mangold.

Klassische Desserts oder (süße) Frühstücksvariationen sucht man auf den 144 Seiten dagegen vergeblich. Vielleicht auch, damit sich mit einem kleinen Grundstamm an Zutaten das meiste aus dem Buch realisieren lässt. Kokosöl, Honig, Tomatenmark sind neben Essig, Öl und Gewürzen ständige Statisten auf der Zutatenliste, die sich im Auto tatsächlich gut machen, weil sie weder kühl gelagert werden müssen noch viel Platz wegnehmen.

Pfannen-Schnellcheck und Camping-Hacks

Neben der Zubereitungszeit und den Portionen (in der Regel für zwei Personen) gibt es zu jedem Rezept den Schnellcheck mit einem Pfannensymbol. Denn nicht alle Gerichte benötigen zwei Pfannen (respektive Töpfe). Manchmal reicht eine. Einige Rezepte wie Dips und Salate kommen auch ganz ohne Pfanne aus.

Außerdem finden sich im Buch immer wieder Camping-Hacks wie: „Beim Einkauf zu parmesanähnlichen Hartkäsesorten greifen. Die überstehen am Stück problemlos ein paar Tage ohne Kühlung.“ oder „Campfire nur anfachen, wenn der Zeiger der ‚Fire Danger Rating’ auf Grün (low moderate) steht!“ Beides nützlich. Andere Hacks sind dagegen nicht wirklich outdoorspezifisch. Etwa wenn es heißt: „Verpack frische Kräuter in einer Plastiktüte! Tüte aufblasen, verknoten oder mit einem Gummi verschließen und kühl lagern.“

Der Teufel steckt im Kochdetail

Oberflächlich betrachtet ist bis hier hin vieles schlüssig. Bei genauer Betrachtung muss ich bestimmte Outdoor-Details allerdings kritisieren. Das Buch verspricht schließlich explizit, eine Reisehilfe für Bullyfahrer und Camper zu sein, die ohne Küche kochen. Das heißt: Es geht um Effizienz. Kochen soll schnell gehen, kaum bis keine Energie verbrauchen und wenig Abwasch und Müll verursachen.

Zum Weiterlesen

Leseprobe aus Zwei Pfannen on the road

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Zwei Pfannen on the road bei Instagram

Wer mit dem Buch wirklich unterwegs wäre, hätte an der einen oder anderen Stelle aber Schwierigkeiten, zum Beispiel bei den Rezepten mit Bohnen und Kichererbsen. Die werden hier tatsächlich getrocknet verwendet und nach der vierstündigen Einweichzeit „mindestens 45 Minuten“ weichgekocht. Da Campingkocher wie Küchen in Wohnmobilen mit Gas arbeiten, wäre das in dem Fall extrem schnell aufgebraucht. Genauso ging es mir bei den Linsen, die durch den Essig definitiv länger gebraucht haben als die angegeben 30 Minuten. Solche Experimente macht die Kartusche von einem Gaskocher nicht lange mit.

Und auch beim Abwasch gab es ein Problem mit den allseits beliebten Chia-Samen, die ich für einen Aufstrich verwendet hatte. Nach dem Spülen konnte ich den Schwamm vergessen. So hartnäckig klebten die kleinen Samen daran. Zu Hause kein großes Problem. Entweder weg damit oder ab in die Waschmaschine. In der freien Natur geht beides nicht so einfach. Da würde im Zweifel nur ein neuer Schwamm helfen, den man am verlassenen Strand dann auch dabei haben muss.

Ein wirklich schönes Bilder-Buch mit netten Gimmicks und spannenden, vegetarischen Rezepten. Keine Frage. Typisch GU. Aber für mich kein idealer Campingbegleiter, der das Buch eben auch und in erster Linie sein will. Dafür bleibt der Inhalt zu oberflächlich, ist die Umsetzung teilweise nicht praktikabel. Versierte Globetrotter können damit sicherlich arbeiten. Von „Zwei Pfannen on the road“ für Einsteiger-Outdoor-Köche rate ich allerdings ab.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2018

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