Kochbuch von Ivy Manning: Natürlich selbst gemacht

Kochbuch von Ivy Manning: Natürlich selbst gemacht ★★★☆☆

Natürlich selbst gemacht –
süß, sauer, salzig – 

Hausgemachte Köstlichkeiten
Ivy Manning
Fotos Alice Gao
Fackelträger Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Natürlich selbst gemacht. Ein Titel, der bei mir zunächst Verwirrung stiftet. Klar, hier geht es nicht um Do it yourself in Haus und Garten und eingekauft wird nicht im Baumarkt. Ort der Handlung ist eindeutig die Küche. Doch wird dort nicht sowieso alles selbst gemacht, mit Unterstützung einiger Gerätschaften? Mal schauen, wohin die Reise geht.

Die Autorin Ivy Manning, die auch als Rezeptentwicklerin und Kochlehrerin arbeitet, lebt in Oregon und besucht – so verrät der Verlag – wenn sie nicht in der Küche ist, die Schnecken in ihrem Gemüsegarten. Leider erfährt man nicht, was sie dort mit ihnen treibt. Wahrscheinlich nichts Kulinarisches, vermute ich mal als leidgeplagter Gärtner.

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Passend zum Titel kommt das Buch recht rustikal daher. Vorne und hinten dicke Pappedeckel, hübsche Eckenschoner, das sieht aus wie selbst gemacht, da freut sich der Käufer, während der Bibliothekar in mir kritisch die Klebebindung beäugt und ganz fies konstatiert: alles nur Show, wenn man das häufiger aufklappt, bricht es unweigerlich irgendwann am Rücken. Aber ansonsten wirklich schön, vor allem die stilvollen und verführerischen Fotos, das sachliche Layout, die ruhige Schrift.

Ein Gespür für angesagte Rezepte

Also zurück auf Anfang. Worum geht es? Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis offenbart diese Kapitel: Eingelegtes & Konfitüren, Snacks & Häppchen, Süßes & Aufstriche, Saucen & Würzmittel, Getränke & Cocktail-Mixe. Sehr viel schlauer bin ich nun auch nicht. Eine Gemeinsamkeit schält sich heraus: das sind alles Sachen, die man auch als Fertigprodukt kaufen könnte. Köstlichkeiten, die man gut verschenken kann. Vieles davon wird in Gläsern haltbar gemacht. Circa 60 Rezepte präsentiert das Buch. Das ist nicht gerade viel, bietet also eher eine Art Potpourri. Das soll nicht abwertend gemeint sein, Anfänger und nicht nur sie können hier reichlich Anregungen finden, da die Autorin ein feines Gespür hat für angesagte Rezepte. Beef Jerky, Ricotta, Labne, Kimchi, Salzzitronen, Sauerkraut, geräucherter Speck und Räucherforelle, Mayonnaise, Senf, Cracker, Limoncello: das sind alles Dinge, die viele Hobbyköche reizen, auch mich.

Ricotta und Salzzitronen

So weit so gut. Was taugen nun die Rezepte? Ich habe das zunächst an zwei Rezepten überprüft, die ich gut kenne, Ricotta und Salzzitronen. Das Ricotta-Rezept entspricht weitgehend meiner Praxis, allerdings erhitze ich die Milch bis zum Kochen, ich hoffe, dass so mehr Milch gerinnt als bei 85°. Man hätte noch erwähnen können, dass man statt Essig auch Zitronensaft für das Gerinnen nehmen kann und dass die Molke viel zu schade zum Wegschütten ist.

Für die Salzzitronen kocht die Autorin die Zitronen zunächst weich. Warum es leicht unreife sein sollen, verstehe ich nicht, das wäre eine Erklärung wert gewesen. Das Kochen ist eigentlich nicht nötig, dürfte aber auch nicht schaden. Dann werden sie eingeschnitten, kräftig gesalzen, in ein Glas gesteckt und mit Zitronensaft übergossen. Der Hinweis, wegen Rostgefahr möglichst keine metallenen Deckel zu benutzen, fehlt leider. Nach einer Reifezeit sollen sich die Salzzitronen bis zu 6 Monate im Kühlschrank halten.

Wie lang hält denn das?

Und genau das ist der Punkt, der mich an vielen Einkochbüchern stört, nämlich dieses übervorsichtige auf-Nummer-sicher-gehen. Dass sich Ricotta nicht länger als eine Woche hält, ist klar. Aber was ist mit all den Marmeladen, Chutneys, Relishes im Buch? Bei den allermeisten Rezepten gibt Ivy Manning eine Haltbarkeit von ein paar Wochen an. Und möglichst Aufbewahrung im Kühlschrank. Mit solchen Rezepten kann ich herzlich wenig anfangen. Mein Kühlschrank ist meist rappelvoll und wenn ich etwas einkoche, soll das zwar nicht unbedingt für die Ewigkeit halten, aber doch bitte länger als zwei Wochen. Meine Bitte an kommende Generationen von Einkochbuchschreibern lautet also, entweder die Rezepte zu modifizieren oder mal auszuprobieren, wie lange das Eingemachte wirklich hält. Meine Salzzitronen halten nämlich nicht nur viel länger, sondern auch im Keller bei normalen Temperaturen. Meine Marmeladen sind auch dann noch gut, wenn sie einige Jährchen auf dem Buckel haben. Auch Chutneys muss man mitnichten im Kühlschrank aufbewahren.

Trotz dieser Kritik habe ich ansonsten mit den Rezepten gute Erfahrungen gemacht. Die Zutaten sind meist leicht zu beschaffen, die Anleitungen auch für Anfänger nachzuvollziehen und dank der vielen Fotos weiß man auch, wie das Endprodukt aussehen sollte.

Wer meine Probleme in Sachen Haltbarkeit nicht teilt, einen Riesenkühlschrank mit Ortungssoftware besitzt oder ohnehin vorhat, die selbst gemachten Speisen zu verschenken, kommt hier voll auf seine Kosten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2015

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