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Viel Freude!
Katharina Höhnk

Kochbuch von Ivana Sanshia Ströde: Südafrika – Das Kochbuch ★★★★★

Südafrika – Das Kochbuch
Ivana Sanshia Ströde
Fotos: Janina Lechner
Autorenfoto: Jennifer Knott
Edition Michael Fischer (2020)

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Simone Brokmeier

Von

Südafrika: Ein schwarzes Cover mit goldenen Lettern, Zebras und pink Blüten, die den Kontinent umrahmen. Es schaut so stylish aus, dass ich gleich neugierig wurde, denn die Bildsprache ist ein hübscher Bruch mit der üblichen Ethno-Darstellung. Was mich unter „Regenbogen-Küche“ erwartet? Ich hatte zugegeben keine Ahnung, was die südafrikanische Küche ausmacht, aber genau dafür sind Kochbücher da – zum Entdecken. Auf zu Braai und Babalas.

Ivana Sanshia Ströde (Foto unten) arbeitet als Privatköchin in München. Als Tochter indisch-südafrikanischer und deutscher Eltern ist ihre kulinarische Heimat multikulturell. Mit diesem Kochbuch will sie Anfängern die Angst vor dem Kochen nehmen, sie aber vor allem auf den Geschmack der südafrikanischen Küche bringen.

Kochbuchautorin Ivana Sanshia Ströde

Stämme der Khoi-San & Bantus

Dass diese aus ganz vielen verschiedenen Einflüssen besteht, erläutert sie eingangs in der Geschichte der Landesküche: Von der ersten Khoi-San-Bevölkerung, die Jäger und Sammler waren, über die Bantus, die Getreide anbauten und Rinderherden hielten, bis zu den vielen Einwanderern aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland sowie die indischen Sklaven hinterließen alle Ethnien Spuren in der Küche Südafrikas. In dieser Zeit verwoben sich viele Traditionen an Länderküchen mit dem Lebensmittelangebot vor Ort.

Das Kochbuch bietet zum einen ganz klassisch die Kapitel Appetitanreger, Fisch & Fleisch, Beilagen und Desserts. Darüber hinaus aber auch Spezialitäten wie die Currys aus Durban, das berühmte Braai (Grillen) oder die Cape-Malay-Gerichte. Ein kleines Kapitel mit Getränken rundet die Vielfalt zudem ab, etwa Rooibos-Punsch mit Pfirsich oder Milktart-Martini. „Babala“ heißt übrigens „betrunken“, viele Rezepte funktionieren aber auch ohne Alkohol.

Kochbuch von Ivana Sanshia Ströde: Südafrika – Das Kochbuch

Die Fotos von Land, Leuten, Tieren und Gerichten sind fast wie aus einem Foto-Reisetagebuch. Alles spielt sich auf schwarzen Seiten und festem Papier ab. Das Buch ist sehr hochwertig und zudem ansprechend mit frischer Grafik gestaltet. Jedes Rezept hat eine eigene Seite und ist bebildert – die Küche präsentiert sich sehr appetitlich. So verlockend, dass wir spontan unseren diesjährigen Kochabend – wir kochen seit über 25 Jahren in einer Gruppe mit acht Freunden – unter das Motto Südafrika gestellt haben. Aus 80 Rezepten dann eine kleine Auswahl zu treffen, war schwierig, so verlockend klingen die Rezepte. Es hat sich gelohnt.

Was ist Bobotie?

Ein kleines Probekochen hatte ich mir vorab gegönnt, und zwar das Sambal aus Möhre und Chili sowie das Bobotie. Beides erwies sich als Lehrstunde. Ersteres ist nämlich nicht das, was man sich hierzulande als Würzpaste vorstellt, sondern ein Karottensalat, der mit Zitronensaft, ordentlich Chili, Erdnüssen und Rosinen aufgepeppt ist und eine tolle Bereicherung für jeden Grillabend oder ein Buffet ist.

Ein Bobotie wiederum ist eine Hackfleischpastete mit einer Milch-Eier-Kruste überbacken und eine traditionelle Spezialität aus Cape Malay. Ursprünglich stammt das Gericht von den javanischen und indischen Sklaven, die im 17. Jahrhundert nach Kapstadt verschifft wurden. In den Fleischteig kommen hier noch Apfel, Mangochutney, Rosinen und Mandeln und natürlich dürfen auch die exotischen Gewürze nicht fehlen. Unbedingt auf gute Qualität beim Currypulver achten, bei der nicht unerheblichen Menge würde es sonst schnell nach Currywurst schmecken! (In diesem Rezept hat sich ein kleiner Fehler bei den Zutaten eingeschlichen, die Milch wurde doppelt aufgeführt – einmal 125 ml sollten genügen.) Ansonsten ist das wirklich ein Seelenwärmer, der bei uns locker 6 bis 7 Personen satt und glücklich gemacht hat – und nicht nur vier.

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Ivana Sanshia Ströde bei Instagram

Für unseren Kochabend haben wir dann wirklich das gesamte Spektrum aufgefahren: von fermentierten Bohnen und hausgemachtem Ingwerbier über Fischfrikadellen mit Chili-Mayo-Dip, Salat-Wraps mit frittierter (!) Avocado, gesmoktem Kalbsrücken bis zu einem Rooibos-Beeren-Sorbet. Das war wirklich eine bunte und leckere Angelegenheit.

Die Zutaten sind größtenteils in gut sortierten Supermärkten zu bekommen, lediglich der Springbock musste – wie von der Autorin vorgeschlagen – ersetzt werden, wir haben uns für einen Kalbsrücken entschieden. Das Fleisch zieht über Nacht in einer Marinade aus Sternanis, Orangenschale, Zimt, Rooibos-Teeblättern und Szechuanpfeffer. Das klingt so köstlich wie es schmeckt.

Das Kochbuch Südafrika von Ivana Sanshia Ströde entpuppte sich als große Freude in der Küche und befriedigte unsere Lust am Entdecken, ganz besonders in diesen reisearmen Zeiten. Das hochwertig gestaltete Buch hält Geschichte und Rezepte Südafrikas bereit, die eine Bereicherung sind. Ich habe eine ganze Reihe neuer Aromenwelten kennengelernt.

Veröffentlicht im Dezember 2020

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