Kochbuch von Ingrid Pernkopf & Christoph Wagner: Das Beste aus der Knödelküche

Kochbuch von Ingrid Pernkopf & Christoph Wagner: Das Beste aus der Knödelküche ★★☆☆☆

Das Beste aus der Knödelküche
Ingrid Pernkopf & Christoph Wagner
Fotos Peter Barci
Pichler Verlag / Styria Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Heike Dölling

Von

Zwei Sterne: Begeisterung sieht anders aus.

„Das Beste aus der Knödelküche“ von Ingrid Pernkopf, einer gestandenen Gasthofsfrau vom Landhotel Grünberg am See in Gmunden, versprach ein Gesamtkunstwerk rund um den Knödel zu sein und alle Fragen zu diesem runden Ding restlos zu beantworten. Österreich – zu gern erinnere ich mich an Skiurlaube in meiner Kindheit, die köstlichen Mehlspeisen und Beilagen, die für mich als norddeutsche Pflanze geradezu exotisch waren! Ich war gespannt.

In Oberösterreich – so lernen wir in der Einleitung – ist der Knödel (Kloß, Knedlicek, Knedelach) kulinarisches Kulturgut. Es ist typisches Knödelland, wie auch Südtirol, Bayern und Böhmen. So besagt dort auch ein Spruch: Wenn einer jungen Frau oder Magd die Knödel gut gelingen, dann hat sie das Zeug zu heiraten. Dieses runde Ding einfach als Sättigungsbeilage zu bezeichnen, wäre nicht gerecht. Für die Autorin sind Knödel Teil des kulturellen Erbes der österreichischen Küche, Heimat und Tradition. Frau Pernkopf hat 20 Jahre Knödelerfahrung und führt zusammen mit ihrem Mann einen Gasthof in Gmunden. Sie ist Verfasserin mehrerer Kochbücher, leitet Kochkurse und ist TV-Köchin.

Am besten hat mir das erste Kapitel gefallen, in dem Frau Pernkopf allerlei Wissenswertes über Knödel, Teige und deren Verarbeitung etc. erzählt. Es fehlt nur eine ausführliche Erklärung über Mehlsorten, die Bezeichnung griffiges oder glattes Weizenmehl war mir zu dürftig. Ansonsten geht es ums Knödelbrot, Kochmethoden, Einfrieren, Teigprobleme etc. Auch das nächste Kapitel über Knödelteige von Brand- bis Topfenteige war auf den ersten Blick vielversprechend. Bei näherer Betrachtung ging es hier aber schon los mit der Verwirrung. Ein Beispiel: Erdäpfelteig wird mit mehr als 24 Variationen durchdekliniert. Frau Pernkopf überfordert den Leser mit Informationen, so dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Bestimmt seh‘ ich jetzt im Traum einen riesengroßen Knödelbaum und suche sehnsuchtsvoll nach dem One-and-only-Rezept für den Superknödel, Tascherl, Laibchen. In den folgenden Kapiteln – „Knödel als Suppeneinlage“, „Vorspeise oder zwischendurch“, „Hauptspeise“, „Beilage“, „Nachspeise“ – kam ich unter anderem auf 41 Semmelknödelvarianten, diverse Topfenknödel usw. und – war frustriert.

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„28 Füllungen pikant und süß“ inkl. Varianten ist ein Abschnitt, der auch nicht unbedingt aufregend, sondern eher ein wenig altbacken daher kommt. Kärntner Holzfällerfülle – Selchfleischfülle, auch hier erinnert mich die Zusammenstellung der Rezepte an Urlaub auf dem Bauernhof im Nachbarland. Gefüllte Rehtascherl, Hascheeknödel, Bierfleischknödel, Durcheinanderknödel mit Stöckelkraut, trotz Glossar musste ich so manche Zutat googeln, mein „Paradeiserwissen“ reichte bei weitem nicht aus.

Gut, dachte ich, dann suche ich jetzt nach Marillen- und Zwetschkenknödeln, ganz klassisch. Ich wurde nicht fündig, es gab zwar eckige Zwetschgenknödel und welche mit Dörrpflaumen, und so entschied ich mich schließlich für Fruchtknödel, aber der erhoffte Aha-Effekt blieb aus. Am Schluss ein Kapitel mit dem schönen Namen „Was den Knödel schmückt und veredelt“ und „Ein Hoch den Knödelresten“ – hier war ich richtig ein wenig empört. Eine langweilige Rahmsauce wird z.B. zu Paprikasauce, Räucherfischsauce, Käsesauce mit Schmelzkäse oder Pestosauce verfeinert. Hier wird die Grundsauce mit Basilikum-, Bärlauch-, Mohn-, Tomatenpesto vermengt bzw. eingemixt und damit abgeschmeckt. Die Knödelreste werden zu Lasagne oder Auflauf verarbeitet oder in Essig und Öl eingelegt.

Einige Rezepte werden von etwas altmodischen, wenig reizvollen Fotos begleitet. Seltsam auch, dass Professor Christoph Wagner als Co-Autor genannt wird. Er sollte schon das Vorwort ihres ersten Knödelbuches schreiben, verstarb dann aber. Im Buch sind Rezepte von Freunden und Wirtskollegen. Von Herrn Wagner, der ein Kenner der österreichischen Küche und Kochbuchautor war, stammt das Rezept der Gulaschknödel.

Zuviel Vielfalt überfordert: Ich war bereit, meine kulinarischen Österreich-Kenntnisse erheblich zu erweitern, aber irgendwann verließ mich die Lust am Knödelkochen aus diesem Kompendium. Wie sagt man so schön, weniger ist mehr, und ich hatte mir ein ultimatives Buch über die Knödelei gewünscht, dass ich, wann immer mir nach diesen Kugeln ist, zu Rate ziehen kann, ohne in diversen Büchern nach dem passenden Rezept zu forschen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2014

3 Kommentare

  1. Anne M.

    Die Rezension beinhaltet eigentlich das, was ich mir – als Deutsche mit einigen Südtirolerlebnissen – unter einem Knödelbuch vorstelle … Außer, dass ich auch Marillenknödel zum Abschluss erwartet hätte.
    Knödel lassen sich (traditionell) in -zig Versionen herstellen und sind (meist) nur eine Beilage. Ich kann die Rezension nicht nachvollziehen.

  2. Katharina

    Schade – sah eigentlich vielversprechend aus, das Buch!

    Mein Lieblings-Serviettenknödelrezept stammt übrigens aus Hans Gerlachs „Kochen fast ohne Geld“ – und ohne „Valentinas Kochbuch“ wäre ich nie darauf gekommen, das Buch zu kaufen…

    • Katharina

      Das werde ich gleich mal blättern. Der Gerlach kann es einfach. 🙂
      Ja, schade. Sehr ansprechend zunächst.

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