Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Viel mehr vegetarisch

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Viel mehr vegetarisch ★★★★☆

Viel mehr vegetarisch –
200 neue Rezepte aus dem River Cottage
Hugh Fearnley-Whittingstall
Fotos: Simon Wheeler, Illustrationen: Mariko Jesse
AT Verlag (2018)
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Isabel Geigenberger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Quer durch den Gemüse-, aber auch Obstgarten leitet uns der britische TV-Liebling Hugh Fearnley-Whittingstall erneut: bunt, knackig, gesund und überraschend.

Viel hatte ich von ihm bereits gehört und gelesen bei meinen lieben Kolleginnen, von anfänglicher Skepsis zu großer Begeisterung war alles dabei und „Hughie“ aka HFW konnte immerhin dreimal bereits die volle Valentinen-Sternenzahl erringen.

Regelmäßig bringt der britische Liebling neue Kochbücher heraus. Ein bisschen nerdig fand ich ihn, mit der schwarzen Brille und einem Kleiderstil des Understatements (unten ein Foto von ihm). Brite halt. Irgendwas musste ja dran sein. Und voilà: „Viel mehr vegetarisch!“ kam zum mir als Rezensions-Objekt – wie überaus passend mit vegetarischer Tochter und frisch angelegtem Gemüsegarten.

Vom Hippie zum Nerd?

Der nerdige Stil seiner Erscheinung ist eine Weiterentwicklung seines früher deutlich hippie-artigeren Stils. 1997 zog HFW von London für eine Art Selbstversorger-Experiment aufs Land in das River Cottage, begleitet von Kameras und den Gedanken seiner Fans. Mittlerweile finden im Unternehmen River Cottage Kochkurse und Events statt, sehr erfolgreiche Fernsehshows und Bücher werden dort entwickelt. Regional, saisonal, artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Fischerei sind die Themen, mit denen HFW an die Öffentlichkeit geht.

Mut zur Variation in der veganen Welt

Für „Viel mehr vegetarisch“ arbeitet der Autor wieder mit seinem bewährten Team Simon Wheeler als Fotografen und Mariko Jesse als Illustratorin zusammen. Format und Volumen sind stattlich, die Fotos appetitlich und abwechslungsreich, dabei nicht zu sehr inszeniert und realitätsnah. Eine sehr lange Einleitung begründet ausführlich die gesundheitlichen und gesellschaftlich-ökologischen Vorteile eines erhöhten Gemüseverzehrs – wer hätte das gedacht.

Alle Rezepte in dem Buch sind vegan, und das schaffen sie ganz ohne Verrenkung.
8 Kapitel unterteilen die Vielfalt: Gemüse satt, Volle Würze, Ofengemüse, Üppige Salate, Suppen dick und dünn, Rohkost, Mezze, Tapas, Beilagen, Kartoffeln und Getreide. Eine Seite Foto, eine Seite Rezept, klar gegliedert. Zeitangaben fehlen, die Mengen sind zumeist für vier Personen ausgelegt.

Hugh Fearnley-Whittingstall ermuntert uns stets, seine Rezepte mit offenem Verstand zu betrachten und so mutig zu sein, sie abzuwandeln, Zutaten zu ersetzen und uns nicht sklavisch an die Mengenangaben zu halten. Das ist sehr sympathisch und kommt mir sehr entgegen. Ganz konkret schlägt er am Ende fast jedes Rezepts unter „Mal anders“ Varianten vor. Die Rezepttitel sind ausgesprochen schnörkellos, zumeist eine Auflistung der Zutaten und Zubereitungsart, nur selten verirrt sich ein Adjektiv wie „duftend“. Umso wichtiger werden zum Verständnis eines Rezeptes das Foto und die einleitenden Worte.

Und so begann ich zu kochen, die Auswahl erfolgte querbeet: mal nach vorhandenen Zutaten, mal nach Anlass oder attraktivem Foto, mal um schwer vorstellbare Kombinationen zu kosten. Alles gelang, alles schmeckte, nur gelegentlich vermisste ich den Wow-Effekt. Das fröhliche Loskochen fiel auch durch die Bodenständigkeit der Zutaten leicht. Bei so manch anderem Kochbuch ist ohne Einkaufsliste und Shoppingtour nichts anzufangen, „Viel mehr vegetarisch“ nimmt zwar auch Anleihen an orientalischen Geschmäckern oder stellt mal Algen in den Mittelpunkt, das bleibt aber sehr im Rahmen und bietet darüber hinaus Work-arounds. Spannend und relativ häufig sind die Kombinationen von Gemüse und Obst z. B. Tomaten, Orangen und Mandeln, Rosenkohl, Rhabarber und Apfel oder Kürbis, Brombeeren und Apfel.

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Besonders gut bleibt das Erbsen-Hummus in Erinnerung, beim Damenbrunch war es der Renner und überzeugte mit knallfrischgrüner Farbe und Koriander-Tahini-Note. Eine feine Möglichkeit, Tiefkühlerbsen, die ernährungsphysiologisch den frischen kaum nachstehen, in einen gesunden und leckeren Dip/ Aufstrich zu verwandeln. Auch der Blumenkohlsalat mit Datteln kam sehr gut an, und die Kombination Kohlrabi, Gurke und Bohnensprossen ist an knackiger Frische kaum zu überbieten.

Viel mehr vegetarisch! ist ein Kochbuch, das zwar keinen Wow-Effekt birgt, aber eine enorm hohe Praktikabilität birgt. Die einfachen Zutatenlisten machen es. Das Buch wird mich weiter durchs Jahr begleiten und bei der zu erwartenden Ernte aus dem Gemüsebeet werde ich mich immer wieder gern an HFW wenden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2018

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