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Katharina Höhnk

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich besser essen ★★★★

Täglich besser essen – Meine 100 besten Rezepte für deine Gesundheit, Hugh Fearnley-Whittingstall, Fotos: Simon Wheeler, AT Verlag (2021)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Doris Brandl

Von

Ernährungsratgeber haben zwar supergesunde Gerichte im Fokus, aber beim Genuss bieten sie oft keine Highlights. Besonders, wenn auf Geschmacksträger wie Salz, Zucker und Fette gänzlich verzichtet wird. Aber vielleicht geht es auch anders und es lässt sich doch beides lecker miteinander vereinen. Jedenfalls erhoffe ich mir das von diesem Autor, der wahrlich gute Rezepte in seinem Repertoire aufweisen kann.

Kochbuchautor Hugh Fearnley-Whittingstall (© Simon Wheeler)
Kochbuchautor Hugh Fearnley-Whittingstall (© Simon Wheeler)

Hugh Fearnley-Whittingstall (Foto links), unter Insidern kurz HFW genannt, ist bei Valentinas schon ein alter Kochbuch-Hase. Seine ins Deutsche übersetzten Kochbücher wurden hier alle rezensiert und mit mindestens 4 Sternen ausgezeichnet. Neben dem Schreiben kümmert er sich um sein Restaurant, das River Cottage in Devon, seine Kochschule und einen großen Gemüsegarten. Er ist mehrfach ausgezeichneter Food-Journalist und Lebensmittelaktivist. Mit TV-Produktionen und Food-Kampagnen widmet er sich auch den Themen Gesundheit und Übergewicht, wie auch in seinem neuesten Buch.

Das Titelbild ähnelt meinem Favoriten (Täglich vegetarisch – mit 5 Sternen ausgezeichnet), nur war HFW da noch sichtbar rundlicher und schaute nicht ganz so streng wie aktuell. Ob das wohl mit dem Thema zusammenhängt? Zunächst kommt viel Theorie: Auf gut 200 von insgesamt 400 Seiten werden in 7 Kapiteln 7 Wege zum besseren Essen aufgezeigt, um gesund und nachhaltig abzunehmen. Erst danach startet der Praxisteil mit 100 Rezepten, unterteilt in Frühstück, Mittag, Salate, Suppen, Gemüse, Fische, Fleisch, Süßes und Getränke.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

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Und was ist mit den Kalorien?

Ich bin erst einmal erleichtert. Kalorienzählen passt laut HFW nicht zu vollwertigen Lebensmitteln mit ihren wichtigen Ballast- und Nährstoffen und wird somit von ihm abgelehnt. Trotzdem empfiehlt er, eine Ernährungstabelle zu führen, um selbst zu erkennen, wie man seine Fortschritte mit abwechslungsreicher Kost steigert.

Viele bekannte Stichworte wie z. B. Darmbakterien, Probiotika und präbiotische Lebensmittel werden in ihrer Wirkung auf Gehirn und Körper erklärt, zum Teil mit Verweis auf passende Rezepte. In einer Tabelle stellt er verarbeitete Lebensmittel vollwertigem Ersatz gegenüber, also z. B. anstelle von Chips ungesalzene, ungeröstete Nüsse oder ein hart gekochtes Ei. Oder statt Rotwein zur Käseplatte lieber Wasser, Kräutertee oder Kombucha als Abnehmstrategie. Das Ei würde mich nicht trösten, und einen cremigen Camembert oder kräftigen Pecorino mit Kräutertee genießen? Für mich schwer vorstellbar.

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich besser essen
Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich besser essen

Und durchs Hintertürchen kommen die Kalorien doch wieder zur Sprache. Also nicht nur Transfette und gesättigte Fette reduzieren, sondern auch gesundes Fett reduzieren, um Kalorien zu sparen. Bessere Lebensmittel und weniger Kalorien verzehren, natürlich saisonal und regional. Auch „Achtsam (oder auch nicht) essen“ sowie Intervallfasten wird von HFW propagiert.

Nach der Theorie folgt die Praxis

Die von Simon Wheeler gewohnt appetitanregend abgebildeten Gerichte erheitern zum Glück mein theoriebelastetes Gemüt. Es gibt neue vegetarische Rezepte, aber auch Fisch- und Fleischgerichte zu entdecken. Kräuter und Gewürze wie Kreuzkümmel, Kurkuma, Koriander und Ingwer bereichern die Rezepte. Und ebenfalls gewohnt zuverlässig funktionieren sie alle. Ob nun die schnell gemachten Sardinen und Bohnen, das leichte Fenchel-Tomaten-Taboulé, Nudeln und Gemüse aus dem Wok oder die gästetauglichen marokkanisch gewürzten Lammsteaks mit Kräuter-Gersten-Taboulé.

Hugh Fearnley-Whittingstall:

„Meiner Meinung nach soll ein Buch über gesunde Ernährung keinen negativen Grundton haben, keine langen Listen verbotener Lebensmittel und Einschrän- kungen enthalten. Es soll vielmehr ein positives Verständnis dafür schaffen, was gute Lebensmittel sind und wie wir viel mehr davon essen können. Das will ich mit diesem Buch erreichen.“

Auch sündenfreie Süßigkeiten und alkoholfreie Absacker fehlen nicht. So kann ich getrost alle Vorbehalte gegen das Kalorieneinsparen vergessen und jedem Rezept vertrauensvoll folgen. Hier fehlt mir nichts. Nicht mal Salz – und das soll bei mir was heißen. Mengen, Zeiten und Abläufe passen und die Ergebnisse sehen nicht nur so aus wie auf den Fotos, sie schmecken auch so köstlich. Und sicher ist es nicht verkehrt, sich zwischendurch auch mal damit zu beschäftigen wie man z. B. sein Mikrobiom (die Wissenschaft über Darmbakterien) stärken kann, auch wenn man sich nicht mit dem Abnehmen beschäftigen will.

Gesunde, alltagstaugliche und nützliche Aspekte, die sowohl zum Nachdenken anregen wie auch animieren können, seinem Körper Gutes zu tun und dabei abzunehmen. Dies wird von HFW sehr ausführlich und in allen Facetten erklärt. Und man braucht nicht viel Fett, Salz oder Zucker, um einen geschmacksverstärkenden Umami-Effekt zu erzielen, wie seine Rezepte beweisen. Mit Kräutern und Gewürzen entstehen köstliche Gerichte, ohne dass man irgendetwas vermisst. Die schmecken auch, wenn einem Kalorien egal sind.

Veröffentlicht im Januar 2022

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