Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Light & Easy

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Light & Easy ★★★★★

Light & Easy
Gesunde Rezepte ohne Weizen und Milchprodukte

Hugh Fearnley-Whittingstall
Fotos Simon Wheeler
AT Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Stefanie Will

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ich mag ihn nicht, diesen Hugh Fearnley-Whittingstall. Mochte ihn noch nie. Zu brav. Zu milchig. Zu aufgesetzt. Er erinnert mich an meinen früheren Englischlehrer: den Stock bis zum Anschlag im Sie wissen schon wo und dabei so verzweifelt bemüht lässig zu sein, dass er einem schon leid tut.

Aber obwohl ich das Cover von Mr. Fearnley-Whittingstall (der Name treibt mich in den Wahnsinn!) genauso wenig ansprechend fand wie ihn selbst – irgendwie sprach es zu mir. „Gib mir eine Chance!“ Vielleicht war es Mitleid, das mich trieb, als ich mich entschloss, doch mal einen Blick hinter die müde Fassade zu werfen. Das Ergebnis: Ich habe mich verliebt. In einen Autoren und sein Buch, die beide mit inneren Werten glänzen!

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Praktische Ideen für den Leser

Eines gleich vorweg: Light & easy ist gar nicht so leicht, sondern ein echter Brummer. Ein ausgewachsenes Schwergewicht: 1399 Gramm schwer und 415 Seiten stark, mit 180 Rezepten verteilt auf neun, sehr übersichtliche Kapitel: Frühstück, Backen, Suppe, Salat, Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst und Süßes. Und alle Gerichte kommen, wie der Untertitel schon verrät, ganz ohne Weizen und Milchprodukte daher.

Kleine Icons weisen darauf hin, ob ein Rezept sich besonders schnell, also in maximal 20 Minuten, zubereiten lässt, vegan ist oder veganisiert werden kann, und ob es sich zum Mitnehmen eignet. Sehr clever!

Wirklich Alternativen?

Schon beim Blättern durch die von Simon Wheeler wundervoll fotografierten Kreationen kommt mir ein fantastischer Gedanke: Könnte dies das erste Buch sein, das mir, einer Laktose-Intoleranten, tatsächlich Alternativen bietet, ohne sich dabei auf Unmengen von Soja zu stützen, wie es die meisten Allergiker-Kochbücher tun?

Finde ich hier Rezepte ohne Weizenmehl, die nicht nur gut schmecken, sondern auch tatsächlich funktionieren? Ich leide nicht an Zöliakie, aber wie Hugh (zu Gunsten meines Seelenheils benutze ich jetzt nur noch den Vornamen) in seinem Vorwort ganz richtig erklärt, gibt es immer mehr Menschen, denen der moderne, stark verarbeitete und nährstoffarme Weizen leichte bis akute Verdauungsbeschwerden bereitet. Halloho!

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Her mit den Engländern

Die Antwort: Ja. Ein britischer Milchbubi hat meine wildesten Küchenphantasien in Erfüllung gehen lassen – und mich beinahe um den Verstand gebracht: Womit soll ich nur anfangen? Mit selbstgemachtem Knuspermüsli? Einem leckeren Smoothie? Ich entscheide mich für die Kürbiskern-Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Was soll ich sagen? Schnell, einfach, luftig, locker. Darüber etwas Agavendicksaft – ein Traum!

Als nächstes mache ich mich über die Süßkartoffelrösti her, die ebenfalls perfekt funktionieren. Einzig der Geschmack lässt etwas zu wünschen übrig. Nicht, weil sie nicht lecker waren, das waren sie durchaus! Aber irgendwie hatte ich mir was Aufregenderes vorgestellt. Aber das liegt dann wohl im Auge des Betrachters bzw. am Gaumen des Genießers.

Eine kulinarische Sommeraffäre

Es folgen köstliche Brote, warme und herrlich erfrischende kalte Suppen, wunderbare Salate – die Kombination Spinat-Avocado-Erdbeere mit Honig-Zitronen-Dressing ist definitiv eine kulinarische Sommeraffäre wert! Weiter gehts mit Fisch- und Fleischgerichten, die sehr simpel in der Zubereitung und geschmacklich genial zusammengestellt sind. Lust auf Bloody-Mary-Steak? Nein, das Rind war nicht besoffen, sondern badet in einer feurigen (nicht-alkoholischen) Sauce nebst milder Avocado. Was für eine Kombi!

Die Desserts sind eine Mischung aus latent wuchtig, wie etwa die Ultra-Schoko-Brownies, bis erfrischend-leicht, wie der Mandel-Reispudding mit Zitrone und Lorbeer – mein Favorit und eine fantastische Alternative zu ollem Milchreis mit Kirschen.

Alle Rezepte in „Light & Easy“ werden dem Titel gerecht, sind leicht und schnell zubereitet – einzig die Backzeit dauert etwas, aber das liegt ja in der Natur der Sache. Die Zutaten sind simpel und überall problemlos erhältlich – die Zusammenstellung der Aromen ist es, die für das Salz in der Suppe sorgt und aus jedem Gericht eine geschmackliche Offenbarung macht.

Einzig die Portionsgrößen ließen mich an manchen (wenigen) Stellen etwas zweifeln: Sind Hugh und seine Familie nie hungrig? Bei mir wären jedenfalls bei manchen Gerichten keine vier Personen satt geworden. Aber davon abgesehen wird dieses Buch nicht so schnell im Bücherregal verstauben. Der Sommer fängt gerade erst an, und meine To-Cook-Liste ist lang: Buchweizen-Knuspermüsli, Leinsamen-Rosmarin-Cracker, Erbsen-Spinat-Suppe, Orange-Rote-Bete-Salat und und und…

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2015

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