Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Drei gute Dinge auf dem Teller

Kochbuch von Hugh Fearnley-Whittingstall: Drei gute Dinge auf dem Teller ★★★★★

Drei gute Dinge auf dem Teller
180 genial einfache Rezepte aus dem River Cottage
Hugh Fearnley-Whittingstall
Fotos Simon Wheeler, Illustrationen Mariko Jesse
AT Verlag (2014)
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Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die magische Zahl Drei als Konzeptidee für ein ganzes Kochbuch – kann das funktionieren? Oh ja, und ob! Hugh Fearnley-Whittingstall stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie wenig es braucht, richtig gutes Essen zu zaubern. Er bemüht dafür weder exotische Trendzutaten noch neue Techniken und Effekte – eine klare Idee, beste Zutaten und eine respektvolle Zubereitung sind die Basis seiner Rezepte. Hier stimmt einfach alles. Für mich steht fest: Dieses Buch gebe ich nie wieder her.

Hughs Idee beruht auf einer ebenso simplen wie faszinierenden Beobachtung. Er behauptet, dass es häufig genau drei Hauptzutaten seien, die ein gutes Gericht ausmachten. Mit mehr als 175 Rezepte will er beweisen, wie drei klug gewählte Zutaten so gut zusammen passen können, dass ihre Kombination weit mehr ergibt als die Summe ihrer Teile.

Ich vermute, man muss sich bereits einen gewissen Ruf erarbeitet haben, um mit einem so simplen Konzept nicht gnadenlos ausgepfiffen zu werden. Diese Eigenschaft bringt Fearnley-Whittingstall zweifelsohne mit. Man hört ihm sehr gerne zu. Und das ist auch gut so, denn der Mann hat wirklich was zu sagen.

Ob das etwas hemdsärmliges Porträt des Meisters himself die beste aller denkbaren Covergestaltungen ist, möchte ich bezweifeln. Aber schon beim ersten Durchblättern hat er mich voll erwischt. Keine reduzierte Eleganz, keine inszenierte Landidylle – stattdessen eine bodenständige, übersichtlich gestaltete Rezeptesammlung in bestem Sinne: Auf jeder Doppelseite stehen sich Rezept und Foto gegenüber, die Beschreibungen sind klar strukturiert und verständlich, die Fotos schlicht und geschmackvoll. Kleine gezeichnete Details lockern die Gestaltung gelegentlich auf, ohne sich jedoch in den Vordergrund zu spielen. Die Botschaft ist klar: Den Rezepten gehört die Bühne.

kochbuch-drei-gute-Dinge-fearnleyIn neun Kapiteln finden sich Salate, Vorspeisen und Suppen, schnelle Snacks und Beilagen, Gemüse-, Fisch- und Fleischgerichte, Pasta, Reis und Co. und als Desserts schließlich Fruchtiges und Süßes. Zu vielen Rezepten sind zudem Stellschrauben markiert, an denen die Ideen variiert werden können – Erweiterungen zum Quartett (Plus eins), einzelne Austauschkomponenten (Variationen) und entferntere Verwandte der Basisrezepte (Mal ganz anders).

Meine Klebezettel verteilen sich bereits beim ersten Blättern so zahlreich auf den Seiten, dass es vermutlich einfacher gewesen wäre, nur diejenigen Rezepte zu markieren, die ich nicht nachkochen mag. (Dies wären übrigens genau drei Rezepte gewesen: Zweimal Blutwurst, einmal Taube. Das kann kein Zufall sein!)

Los geht’s mit dem Nachkochen. In den meisten Fällen sind höchstens die drei Hauptzutaten zu beschaffen, die wenigen Hilfszutaten habe ich mehr oder weniger im Hause – so kurze Einkaufslisten kann ich mir sogar ohne Zettel und Stift unfallfrei merken. Exotische oder exklusive Zutaten und Gewürze werden praktisch gar nicht benötigt. Das macht die Rezepte noch alltagstauglicher, und auch mein Geldbeutel freut sich. (Die Übersetzung ins Deutsche könnte hier und da gradliniger sein wie z.B. bei dem u.a. Lemon Curd-Dessert: Hier wurde „granulated sugar“ mit „grobkörniger Rohrzucker“ übersetzt statt mit Kristallzucker – also am besten mitdenken.)

Dann die Ergebnisse: Ein leckerer Snack, ein schnelles Abendessen, ein köstliches kleines Menü oder ein paar Beiträge zu einer reich gedeckten Mezzetafel – alles geht, alles passt! Die Rezepte sind nie schwierig, ja zum Teil sogar lächerlich einfach, wie auch Hugh unumwunden zugibt. Die Ergebnisse geben ihm Recht.

Auch seine Art zu kochen begeistert mich. Gekonnt wählt er die besten Zubereitungen aus, um das Beste aus den Zutaten hervorzubringen, und mit kleinen Tricks und Kniffen holt er immer noch ein bisschen mehr heraus. Dabei wird er nie zum Prediger, sondern bleibt er immer undogmatisch und humorvoll.

„Verwende nur die besten Zutaten!“ – kaum ein Kochbuchautor wird müde, diesen Glaubenssatz zu wiederholen, und auch Fearnley-Whittingstall macht hier keine Ausnahme. Aber gerade in der schlichten Eleganz seiner Rezepte zeigt sich, wie richtig und wichtig dies tatsächlich ist. Bei nur drei Hauptzutaten kann sich keine verstecken, Mittelmäßigkeit wird nicht geduldet.

Hugh Fearnley-Whittingstall ist angetreten, seine These von der Drei auf dem Teller zu ergründen und ausgiebig zu testen. Mehr als 175 Rezepte später hat er nach eigenem Bekunden immer noch das Gefühl, kaum mehr als an der Oberfläche gekratzt zu haben. Das weckt Hoffnung auf eine Fortsetzung. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2014

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