Kochbuch von Ho Fu-Lung: Aus Chinas Küchen

Kochbuch von Ho Fu-Lung: Aus Chinas Küchen

Aus Chinas Küchen
Ho Fu-Lung
Foto hier: Elisabeth von Pölnitz-Eisfeld
Heyne Verlag (1999)

Heike Pethe

Von Heike Pethe

Wöchentlich benutze ich noch immer ein Kochbuch, das ich mir vor über zehn Jahren im KaDeWe für nur 8 Euro als Restposten schenken ließ. „Aus Chinas Küchen“ stellt Rezepte aus verschiedenen Provinzen vor. Im Heyne-Verlag erschienen, ohne ein einziges Bild erwartet man zunächst nichts Großes.

Mich machte es jedoch zu einem ausgesprochenen Liebhaber von Rezepten ohne Fotos, da es neben den kurzen Einführungen über die Essenstraditionen in den verschiedenen Teilen Chinas einige schnelle, aber sehr leckere und ungewöhnliche Rezepte enthält. Neben verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten befinden sich auch etliche einfache, aber sehr schmackhafte Tofu- und Gemüsegerichte in dem Buch. Als vornehmlich Vegetarierin hatte ich es genau auf diese Inspiration abgesehen und das Buch befriedigte dies mit einigen spektakulären Spezialitäten.

Seit ich das Kochbuch habe, kaufe ich zur jeder Jahreszeit grüne Bohnen, auch wenn im Winter beim Lesen des Herkunftslandes „Marokko“ mein schlechtes Öko-Gewissen anschlägt. Doch das Rezept zu den frittierten grünen Bohnen wiegt dies auf.

2 x Frittieren?

Beim ersten Lesen des Rezeptes wollte ich nicht so recht glauben, dass grüne Bohnen frittiert werden sollen – bis dato noch nie gesehen und auch nicht gehört. Beim näheren Lesen wünscht die Rezeptbeschreibung, man solle die Bohnen einmal 3 Minuten und beim zweiten Mal 1 Minute frittieren. Erschien mir zunächst eine Tingelei eines chinesischen Koches mit unnötigem Aufwand. Brav probierte ich es jedoch aus – und das Ergebnis wurde mein all-time-favorite.

Der Zweifel überwog jedoch noch einmal – sowie der Wusch nach einem rationelleren Vorgehen. Also, auf einen Satz 4 Minuten. Kein gutes Ergebnis, also doch nach Rezept. Noch immer kann ich nicht verstehen, wieso eine kurze Pause beim Frittieren und die sklavische Zeiteinteilung so einen enormen Unterschied ausmachen, aber ich frage mich das auch nicht länger, denn das Resultat überzeugt.

Unser Lieblingsfamilienrezept wurde schließlich der panierte Tofu, im Buch „Knuspriger Tofu“ genannt. Mein damaliger Schwiegervater, ein Maurer aus der sächsischen Provinz, forderte es gerne mit den Worten ein: „Kannst du mal wieder das knusprige Brot mit der leckeren Sauce machen?“ Als Begleitung waren dann die „Grünen und roten Paprika“ willkommen. In mehrfacher Hinsicht ein einfaches Gericht, was die Zubereitung und den angenehmen Geschmack angeht.

Die Sommersprossen der Köchin

„Aus Chinas Küchen“ bleibt für mich ein verlässliches Nachschlagewerk für jeden Tag. Nicht alle der ca. 200 nach Jahreszeiten geordneten Rezepte habe ich ausprobiert, da viele Schweinefleisch oder andere typische chinesische Proteinspender verwenden.

Etwas länger dauerte es auch für mich, ein tieferes Interesse für weitere typische chinesische Gerichte aus dem Buch zu entwickeln. So bedurfte es den Umstand, dass mein lokaler chinesischer Supermarkt in Amsterdam, wo ich mehrere Jahre wohnte, Tofu für 57 Cent in einer ungeahnten Qualität anbot. Kein Vergleich zu den harten Ziegelsteinen, die ich aus Deutschlands Kühlregalen kannte. Der Tofu war weich und mild im Gegensatz zu den sauren deutschen Klötzen – und dann der Preis?!

Dieser Tofu nahm so mundig den Geschmack der Saucen und anderer Zutaten an, dass ich in einen wahren Rausch verfiel. Ein Lieblingsgericht – „Ma Po Doufu“  (siehe auch Foto links)– bestellte ich in den sagenumworbenen chinesischen Restaurants auf dem Zeedijk in Amsterdam oder kochte es nach vielen Rezepten nach. Da es in meinem Lieblingsbuch mit Schweinemett zubereitet wurde, was zwar klassisch ist, mir als Vegetarierin jedoch nicht so behagte, zitierte ich aus meinem Lieblingskochbuch eher die beigefügte Geschichte. Und wer kann schon einer Erklärung widerstehen, die berichtet, ein Rezept sei nach den Sommersprossen der Köchin benannt? Eine wunderbare Lektüre …

Wem dieses Büchlein einmal zufällig im Antiquariat in die Hände fällt, dem empfehle ich zuzugreifen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2017

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