Kochbuch von Henry Firth & Ian Theasby: Bosh!

Kochbuch von Henry Firth & Ian Theasby: Bosh! ★★★★☆

Bosh! Einfach – aufregend – vegan
Henry Firth & Ian Theasby
Fotos: Lizzie Mayson
EMF Verlag (2019)

Maria Kufeld

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Was machen zwei Kumpels aus Sheffield (England) mit einer Vorliebe für Fleisch? Sie starten einen veganen YouTube-Rezepte-Channel, verzichten selbst aufs Steak und generieren damit im ersten Jahr eine halbe Milliarde Klicks. Dagegen klingt die Veröffentlichung ihres ersten Kochbuchs fast bescheiden …

Dass sie verdammt viel richtig machen, muss man neidlos eingestehen. Dazu die Bestseller-Geschichte: Zwei Fleischfresser probieren es mit einer Ernährungsumstellung, fangen an richtig zu kochen, merken, dass sie sich damit super fühlen, probieren etliche Gerichte in tierfreier Form aus, teilen das mit der Welt und produzieren drei Jahre später im eigenen Studio in London. Was für eine Erfolgsstory für Foodie-Frischlinge! Und gut sehen die auch noch aus.

Ich war also sehr gespannt auf das erste Buch von Henry Firth (Foto li., re.) und Ian Theasby (Foto li, li.), die als Bosh! die Welt der Veganer ein bisschen revolutionieren wollen. Weil sie fanden, dass veganes Essen in Restaurants und Kochbüchern „oft nicht besonders gut schmeckt“. Deshalb nehmen sie sich klassische (Fleisch-)Gerichte wie Spaghetti Bolognese, Chicken Wings oder Burger vor, präsentieren sie ansprechend in Hochglanzbildern und -videos und verzichten dabei ganz beiläufig auf tierische Produkte. Ihr oberstes Kochziel ist es nämlich, köstliche, einfache Rezepte zu präsentieren, die alle mögen – egal, was sie sonst essen.

Entsprechend kommen auch die Kapitel easy daher. Angefangen bei „Schnell was essen“, „Gemütlich kochen“, „Zum Frühstück“, „Salate & Bosh!-Bowls“ über „Groß aufgetischt“ und „Party- & Finger-Food“ bis hin zu veganen „Cocktails“ und „Desserts“. Apropos Desserts …

„fantastisch, ultimativ, sensationell“

Desserts, „die können wir besonders gut“. Davor steht in Klammern: „in aller Bescheidenheit“. Wenn die zwei adretten Herren allerdings eines offensichtlich nicht sind, dann bescheiden. Sie versprechen in ihrem Buch schon auf der ersten Seite „vegane Hits“, „einzigartige Aromen“ und die besagten „fantastischen Desserts“.

Kochbuch von Henry Firth & Ian Theasby: Bosh!

Im Buch geht es mit den Superlativen munter weiter. Die Brownies sollen „supersaftig“ sein (waren sie nicht …), die Guacamole natürlich „ultimativ“ und die Salsa selbstredend „sensationell“. Klar, schließlich wird mit und in diesem Buch einfach „perfekt gekocht“. Kann sein, dass das triggert und neugierig macht. So richtig sympathisch finde ich es trotzdem nicht. Oder, um im Genderklischee zu bleiben: Es ist mir zu männermäßig. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass Kochbuchautor*innen ihre Rezepte durchweg (sehr) gut finden. Dazu braucht es keinen Batzen Abfeier-Adjektive und Ausrufezeichen.

Viel wichtiger und entscheidend aber ist: Wie hat es denn nun geschmeckt? Und da gebe ich zu: Oft wirklich gut. Da mich ob ihrer Einfach- und Machbarkeit viele Rezepte angesprochen haben und grad ja auch Corona ist, wurde einiges ausprobiert. Denn neben den mouthwatering-Bildern gefällt mir, dass die zwei im Grundtenor bei ihren Gerichten immer ordentlich die Aromakeule schwingen, wo vegane Versionen sonst oft ja gern mal fad und lieblos daherkommen. Auf Bosh!s Zutatenliste finden sich häufig Umamigaranten wie getrocknete Tomaten oder Pilze, Rotwein, Ofengemüse mit ordentlich Röstaromen sowie jede Menge intensive, frische Kräuter.

Mit Bowls und Tacos einmal um die ganze vegane Welt

Perfekte Beispiele: das vegane Chili mit Champignons, die Bosh!-Bowl Southwest und Jackfruit-Tacos mit Salsa und Guacamole. Konsistenzen und Geschmacksrichtungen geben sich bei diesen Gerichten echt einen köstlichen Schlagabtausch im Mund. Da konnte nur die Zwiebelsuppe mit ihrer langen Zubereitungszeit und dem etwas öden Ergebnis nicht mithalten.

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Aufpassen muss man generell bei den Mengenangaben. Hier wurde etwas geschludert. Mal bei einzelnen Rezepten, wie der Menge für die Panade, die sehr knapp kalkuliert ist (Buffalo-Wings), mal bei kompletten Gerichten, die vier Leute nicht wirklich satt bekommen (200 Gramm Nudeln im Pad Thai). Leute mit Kocherfahrung können sicher selbstständig nachsteuern. Anfänger*innen – und die will das Buch definitiv auch abholen – dürfe das zu spät auffallen.

Mit über „140 Soulfoodrezepten“ lösen Bosh! ihre Unterschrift „einfach, aufregend, vegan“ häufig ein. Ihre Bowls gehören für mich dazu, genauso wie ihr veganes Chili. Auch das Ratatouille-„Risotto“ hört auf den Dreiklang, wie auch die veganen Drinks, bei denen es sich nicht um Smoothies, sondern Smoochies handelt (ein Kunstwort für Smoothies trifft Fusel, auf Englisch „hooch“ genannt). Die zwei Engländer geizen auf 288 Seiten weder mit Geschmack noch mit Kalorien. Und wenn ihnen sogar die deutsche Vegan-Queen und Feministin Sophia Hoffmann bestätigt, ihr Erstling sei ein „großartiges Buch“, kann frau die Portion Eitelkeit auch verkraften.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2020

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