Kochbuch von Henriette Bulette: Hackbällchen-Kochbuch

Kochbuch von Henriette Bulette: Hackbällchen-Kochbuch ★★★☆☆

Hackbällchen-Kochbuch – Crossover-Frikadellen, Multikulti-Meatballs, Luxus-Buletten & Co.
Henriette Bulette
Fotos: Udo Einenkel
BLV Buchverlag (2017)

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Buletten sind international. Egal ob Köfte oder Köttbullar, Albondigues oder Hacktätschli – Buletten scheinen DER gemeinsame kulinarische Nenner zu sein. Die Berliner Youtuberin und Bloggerin Henriette Wulff hat sich ganz der facettenreichen Fleischkugel verschrieben. In ihrem Hackbällchen-Kochbuch zeigt sie originell, was die Bulette alles kann.

Der mütterliche Klops meiner hessischen Heimat ist mir eine liebe kulinarische Kindheitserinnerung, und meine Kinder nun lieben Buletten im Brötchen: Hamburger sind das unisono gewünschte Wochenend-Lieblingsessen! Und ich hoffe, dass sich das Spektrum mit Henriette noch etwas erweitern lässt.

Die Autorin, die eigentlich Henriette Wulff heißt (links ein Foto von ihr), hat recht: Oft sind es die kleinen Fleischklopse, die als erstes auf einem Partybuffet oder einer Brunchtafel verschwunden sind. Das hat sie in ihrer Kochbiografie immer wieder beobachtet und sich schließlich ganz dem leckeren Fleischball gewidmet.

Alles in den Fleischwolf

In fünf Kapitel unterteilt sie nun ihre erste Rezeptsammlung in Buchform: Im Bulettenheimspiel geht es um Rezepte aus dem deutschsprachigen Raum, die sie allerdings modernisiert. In Bulette Urban versammeln sich Rezepte, die sich der Kategorie Streetfood zuordnen lassen, sich also prima auch mit der Hand essen lassen. In Eine Bulette auf Reisen wird es dann internationaler, im Kapitel Bulette ete petete werden edlere Zutaten verwendet, na, und in Bulette under Water – man ahnt es schon – gibt es einige fischige Varianten.

Das weitgefasste Spektrum reicht also vom Berliner Hausmannsklops über vietnamesische Bánh-Mì-Balls bis zum Entenbulettchen in Maronen-Vanille-Cremesuppe. Von Krebs-, über Maispoularden- bis Kaninchenfleisch schickt die Autorin alles durch den Fleischwolf. Interessanterweise gibt es keine vegetarischen/veganen Varianten. Das muss man heute, in Berlin, ja schon beinahe mutig nennen – oder konsequent.

Zwischen den Kapiteln gibt es Rezepte für verschiedene Saucen wie Double-burn Habanero Sauce oder Tomaten-Erdbeer-Ketchup mit Ingwer. Wobei ich diese Saucen etwas zusammenhangslos angeordnet finde. Denn, wenn ich es richtig verstanden habe, sollen sie nicht zu den vorausgehenden oder nachfolgenden Rezepten verzehrt werden. Vielleicht hätte man die Saucenrezepte einfach als extra Kapitel hintenan hängen können.

Nett, aber auch etwas brav

Die Seiten sind klassisch aufgebaut: eine Seite Rezepttext und dazu dann das passende Foto. Die Fotos sind nett und appetitlich anzuschauen, für meinen Geschmack vielleicht etwas brav. Aber das Ganze ist ja auch nicht der nächste große Foodie-Trend, sondern eine nette, sympathische Berliner Geschichte und von daher stimmig. Die Rezeptseiten sind klar strukturiert: Zutaten und Zubereitung der einzelnen Komponenten eines Gerichtes sind deutlich voneinander abgesetzt und gut umzusetzen.

Gleich das erste nachgekochte Gericht ist ein voller Erfolg. Für ein Abendessen in größerer Runde mache ich eine Hackbällchentajine mit Auberginen und Kichererbsen. Das Gericht lässt sich prima vorbereiten und ist wirklich köstlich. Henriette schlägt Couscous dazu vor, bei mir gab es außerdem noch Gurkensalat mit Joghurt und Minze nach Salma Hage.

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Leseprobe beim Verlag

Henriette Bulettes Youtubekanal

Website von Henriette Bulette

Doch im Verlauf der weiteren Koch-Planungen merke ich, dass für mich, ganz subjektiv, die Bulette einfach ihren festen Platz zwischen Hausmannskost und Streetfood innehat. Und daher die Zubereitung schnell und alltagstauglich sein muss. Für die Hackbällchen des Buletten-Döners braucht es 17 Zutaten. Oder für die Bulette vom Duroc-Schwein verlangt das Rezept 16 Zutaten nur für den Portweinjus. Das ist mir irgendwie zu viel. Ich weiche auf die „Kulinarische Völkerverständigung“ aus – Berliner Bulette mit schwäbischem Kartoffelsalat (siehe Video unten). Die Bulette ist mir so ganz ohne Zwiebel oder Knoblauch etwas fad, der Kartoffelsalat allerdings ist echt lecker.

Henriette Wulff hat mit ihrem Hackbällchen-Kochbuch eine, wenn man so will, Monografie des Fleischklopses verfasst. Sie dekliniert ihr kulinarisches Herzensthema umfassend und kreativ durch. Wenn es mir gefühlt teilweise auch etwas zu aufwendig war, weil es für mich eben doch eher ein Alltagessen ist. Bei Henriette Wulff verliert die Bulette leider ihre Schlüssel-Eigenschaft – die einfache Zubereitung.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2018

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